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03.06.2016

07:50 Uhr

Mitten im Shitstorm

Number26-Manager gibt fünf Sterne für eigenes Produkt

VonMartin Dowideit

Mit der Kündigung Hunderter Girokonten hat die Smartphone-Bank Number26 viele Kunden vergrault. Die wehren sich mit schlechten Bewertungen etwa auf der Facebook-Firmenseite. Der „Chief Technology Officer“ hält dagegen.

Number26 nutzt für seine Dienste die Banklizenz der Wirecard Bank.

Screenshots

Number26 nutzt für seine Dienste die Banklizenz der Wirecard Bank.

DüsseldorfNumber26 gilt als eines der aufstrebenden jungen Finanzunternehmen in Deutschland. Das Berliner Unternehmen hat eine Girokonto-App entwickelt und nach eigenen Angaben bereits 160.000 Kunden begeistern können. Doch seit Mitte der Woche wird die Firma heftig kritisiert. Sie hat nach eigenen Angaben mehreren hundert Kunden ohne Begründung das Girokonto zum 1. August gekündigt.

Seitdem ergießt sich in sozialen Netzwerken Wut. Vor allem die Bewertung der Facebook-Firmenseite haben enttäuschte Kunden als Zielobjekt ausgemacht. In 48 Stunden ist die durchschnittliche Bewertung für den Service - bei englischer Spracheinstellung des Netzwerks - von deutlich über vier Sternen (auf einer Skala von maximal fünf Sternen) auf 2,8 am Donnerstagabend gefallen. Für ein Produkt, das vor allem von internetaffinen, jungen und auch vielen englischsprachigen Kunden genutzt wird, ist das ein herber Rückschlag. Wer Facebook mit deutsch als Standardsprache nutzt, dem wird eine durchschnittliche Bewertung von 4,2 Sternen angezeigt.

Der Chefentwickler der Bank-App bewertet in mitten eines Shitstorms die eigene Facebook-Seite mit fünf Sternen.

Screenshot der Number26-Fanseite

Der Chefentwickler der Bank-App bewertet in mitten eines Shitstorms die eigene Facebook-Seite mit fünf Sternen.

Mitten im Shitstorm hat sich jetzt Number26-Chefentwickler Christian Rebernik aus der Deckung gewagt und bei Facebook ohne Begründung dem eigenen Produkt eine Fünf-Sterne-Bewertung gegeben. Natürlich bewerten die Mitarbeiter eines Hauses eigene Produkte generell gerne positiv – auch etwa auf App-Plattformen von Apple oder Google. Doch dies in mitten einer Kritikwelle zu tun, kommt bei den Kunden extrem schlecht an. In einer Facebook-Gruppe enttäuschter Kunden heißt es zu dem Posting Reberniks etwa frei aus dem Englischen übersetzt: „Hinterlistige Strolche!“

Entzündet hatte sich der Konflikt zwischen Number26 und den Kontoinhabern an den ausgesprochenen Kündigungen. Auch auf Nachfrage gab das Unternehmen keine Begründung für die Stornierung der Dienste an. Man habe das Recht dazu, ohne eine Erklärung mit angemessener Frist zu kündigen. Nichts erfolge „abrupt“, jeder könne das Angebot noch zwei Monate weiter nutzen, hatte Firmenchef Valentin Stalf am Mittwoch per Twitter erklärt.

Diese Behörden schauen Ihnen ins Konto

Einleitung

2015 wurden in Deutschland 133.955 Kontoabrufverfahren in Deutschland durchgeführt. Dabei können diverse Behörden die Kontonummer, Name und Geburtsdatum des Kontoinhabers, Verfügungsberechtigungen sowie das Eröffnungs- und Schließungsdatum einsehen. Nachfolgend sind die Behörden aufsteigend aufgelistet, die im vergangenen Jahr die meisten Kontoabrufverfahren eingeleitet haben.

Bafin

2014: 370
2015: 1183

Zollbehörden

2014: 7.052
2015: 6.915

Finanzbehörden

2014: 14.020
2015: 13.003

Staatsanwaltschaften

2014: 26.495
2015: 25.851

Polizeibehörden

2014: 89.542
2015: 86.702

Einzelne Kunden vermuten, dass die Kündigungen mit einer zu starken Nutzung des Angebots zusammenhängen könnten, die Kosten bei Number26 verursachen. Der Dienst ist für die Anwender kostenlos. In der Vergangenheit haben allerdings auch andere Banken schon aus verschiedenen Gründen Konten gekündigt. Rechtlich ist das möglich. Bei der Direktbank Comdirect etwa, hatten Kunden das Nachsehen, die zweifelhafte Worte im Verwendungszweck für Überweisungen verwendet hatten wie „waffenfähiges Plutonium“.

Number26-Manager Rebernik antwortete am Donnerstagabend zunächst nicht auf eine Anfrage per E-Mail zu der Fünf-Sterne-Bewertung bei Facebook. Vor allem englischsprachige Kunden scheinen die Bewertungen auf der Seite zu drücken. Sie fordern klare Antworten, warum die Konten gekündigt wurden. Das Unternehmen beschränkt sich weiterhin auf diese offizielle Stellungnahme.

Anm. d. Red.: In einer ersten Version war nicht zwischen den unterschiedlichen Durchschnittsbewertungen unterschieden worden, die Facebook in Abhängigkeit von der Spracheinstellung des Nutzers anzeigt.

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