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25.07.2014

13:59 Uhr

MPC Flottenfonds III

Gericht stoppt Zahlung an Schiffsfonds-Anleger

VonKatharina Schneider

Der Streit zwischen dem MPC Flottenfonds III und der Reederei E.R. Schifffahrt um 50 Millionen Dollar geht weiter. Einen Etappensieg konnte nun E.R. verbuchen. Die Leidtragenden sind jedoch die Anleger.

Anleger, die in Schiffsfonds investierten, haben es nicht leicht. Beim MPC Flottenfonds III war aber nicht die Schifffahrtskrise das Problem. dpa

Anleger, die in Schiffsfonds investierten, haben es nicht leicht. Beim MPC Flottenfonds III war aber nicht die Schifffahrtskrise das Problem.

DüsseldorfNun also doch: Im Streit zwischen der Reederei E.R. Schifffahrt und dem Schiffsfonds MPC Flottenfonds III kann E.R. einen Teilsieg verbuchen. Die Reederei fordert von dem Fonds 50 Millionen Dollar. Ob sie die bekommt, muss weiterhin in einem sogenannten Hauptsacheverfahren geklärt werden. Doch bis dahin darf der MPC-Fonds keine Gelder an die Anleger auszahlen. Das hat am Freitag das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg entschieden (Az.: 11 U 146/14). Laut OLG geht es um 17,5 Millionen Euro.

Noch im Mai hatte das Landgericht Hamburg die erwirkte einstweilige Verfügung aufgehoben. In einer mündlichen Verhandlung war es dann Anfang Juli zu keiner Einigung gekommen. Den Parteien wurde die Möglichkeit für außergerichtliche Vergleichsgespräche gegeben. „E.R. Schifffahrt hatte sich dazu bereit erklärt und Gespräche angeboten. Auf dieses Gesprächsangebot ist die Geschäftsführung des MPC Flottenfonds III jedoch nicht eingegangen“, teilt E.R. mit.

Nach Angaben einer Gerichtssprecherin hat das OLG seine Entscheidung durch die Auslegung der Vertragsreederverträge begründet: Nach Ansicht des Oberlandesgerichts habe E.R. hinreichend glaubhaft gemacht, dass ihr vertragliche Ansprüche gegen den MPC Flottenfonds III zustünden. Ohne die Verhängung des Arrests für die Gelder würde eine Vollstreckung eines Urteils im Hauptsacheverfahren wesentlich erschwert.


Der MPC Flottenfonds III erklärt gegenüber Handelsblatt Online die Folgen für die Anleger: „Einen Einfluss auf das Hauptsacheverfahren hat diese Entscheidung nicht. In der Konsequenz bedeutet sie jedoch, dass der MPC Flottenfonds III bis zu einem Urteil im Hauptsacheverfahren keine Möglichkeit hat, die Summe von 50 Millionen an die rund 8.000 Anleger auszuzahlen.“

Die Anleger müssen sich also weiter in Geduld üben. „Die Fondsgeschäftsführung des MPC Flottenfonds III ist gleichwohl zuversichtlich, dass die aus ihrer Sicht unbegründete Arrestierung der Anlegergelder in dem Ende August 2014 beginnenden Hauptsacheverfahren aufgehoben werden wird“, so der Flottenfonds.

Fallstricke bei geschlossenen Fonds

Vermögenslage

Anteile an geschlossenen Fonds oder Unternehmensbeteiligungen sind in der Regel nur etwas für Anleger, deren Vermögen im sechsstelligen Bereich liegt und die bereits Aktien, Anleihen, Festgeld und ein eigenes Häuschen besitzen. Der Anteil geschlossener Fonds sollte maximal 30 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen.

Laufzeit

Die Beteiligungen laufen in der Regel zehn Jahre und länger. Der Anleger muss somit in der Lage sein, über viele Jahre auf dieses Geld zu verzichten. Ein vorzeitiger Verkauf ist zwar beispielsweise bei Schiffen über den Zweitmarkt möglich. Die Preise dort schwanken jedoch stark – insbesondere seit der Finanzkrise.

Steuern

Steuerliche Aspekte spielen im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle beim Kauf von geschlossenen Fonds. Viele populäre Anlagemodelle wie die in den 90er-Jahren – etwa Ost-Immobilien mit hohen Sonderabschreibungen – gibt es längst nicht mehr.

Trends

Wie viele andere Anlageklassen unterliegen auch die geschlossenen Fonds und Unternehmensbeteiligungen gewissen Modetrends. Beliebt sind aktuell Fonds im Bereich Flugzeugleasing. Zudem ist zu beobachten, dass die Anleger wieder risikofreudiger werden. Sogar Private-Equity- und Projektentwicklungsfonds finden wieder Käufer. Das war vor zwei Jahren noch nahezu undenkbar.


Es würden „alle zum Schutz der Anleger zur Verfügung stehenden Rechtsmittel“ ausgeschöpft. Über einen möglichen Auszahlungstermin der restlichen Anlegergelder könne aber noch keine Aussage getroffen werden. Die Geschäftsführung der E.R. Schifffahrt fühlt sich durch die Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts bestärkt, ihre Ansprüche in der Hauptsache werde sie vor dem Landgericht Hamburg weiter verfolgen.

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