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15.08.2012

03:48 Uhr

Nach Steuersünder-CDs

Selbstanzeigen nehmen spürbar zu

Die Ankäufe von Steuersünder-Daten aus der Schweiz machen sich auf deutschen Finanzämtern bemerkbar: Einem Zeitungsbericht zufolge stieg die Anzahl der Selbstanzeigen in mehreren Bundesländern.

Erst vor kurzem kaufte NRW erneut Steuersünder-Daten aus der Schweiz. dpa

Erst vor kurzem kaufte NRW erneut Steuersünder-Daten aus der Schweiz.

BerlinDie jüngsten Ankäufe von Steuersünder-Daten aus der Schweiz haben einem Zeitungsbericht zufolge zu einer neuen Welle von Selbstanzeigen geführt. Die "Financial Times Deutschland" berichtete vorab von deutlich gestiegenen Zahlen in mehreren Bundesländern.

Einen Sprecher des Hamburger Finanzsenats zitierte das Blatt mit den Worten, der große Schub sei zwar vorüber. "Aber man merkt es immer, wenn über CD-Käufe berichtet wurde."

In Nordrhein-Westfalen (NRW) habe es vom 5. Juli bis 2. August insgesamt 93 Selbstanzeigen gegeben, nachdem es in den Vormonaten jeweils weniger als 20 gewesen seien, hieß es in dem Bericht. In Baden-Württemberg hätten sich in der ersten Augustwoche 117 Steuerhinterzieher bei den Finanzbehörden offenbart. Seit 15. Juli seien es 287 Selbstanzeigen gewesen.

In Berlin hätten sich vom 27. Juni bis 8. August 61 Steuerhinterzieher bei den Behörden gemeldet nach 42 im ganzen zweiten Quartal. Auch in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein zeige der Trend nach oben.

Die Schweiz und die Bundesrepublik streiten sich schon lange über den Umgang mit deutschen Steuersündern, die ihr Geld vor dem Fiskus auf Bankkonten in der Eidgenossenschaft verstecken. Nordrhein-westfälische Behörden haben mehrmals CDs mit Daten deutscher Bankkunden gekauft, was in der Schweiz auf scharfe Kritik stößt.

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Mit einem Steuerabkommen zwischen beiden Ländern soll der Kauf von CDs überflüssig werden. Die Ratifizierung des Vertrages ist allerdings fraglich, weil die schwarz-gelbe Koalition in Berlin im Bundesrat keine Mehrheit hat. Nach Ansicht von SPD und Grünen kommen Steuerhinterzieher mit dem Abkommen zu günstig davon.

Von

rtr

Kommentare (9)

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mikash

15.08.2012, 07:41 Uhr

Naja, ob es nun relevante daten gibt - hin oder her, an andere als kleinsparer kommt eh keiner ran.

Der einzige weg die steuerflucht einzudämmen wäre sanktionen gegen die inselstaaten zu verhängen welche das unterstützen. Steuer cds mögen zwar ein paar euro in die kassen spülen aber eine lösung ist das nicht, und wie bereits gesagt, alles hat seine limits.

Wer sich mal etwas schlau macht bezüglich offshore companies, trusts, holdings und offshore asset protection wird nicht schlecht staunen.

downtown

15.08.2012, 07:54 Uhr

Wer ist der grössere Steuersünder? Ist das der deutsche Bürger der auf ein meist schon versteuertes Anlagekapital die Verrechnungssteuer(Schweiz) auf Dividenden und Zinsertrag nicht nach D transferiert oder ist es der Steuergeldverschwender? Der (oft ueberflüssige) Beamte der Steuergeld schlecht verwaltet und investiert und keinen Beitrag zur eigenen Pension leistet, auch sonst von Privilegien profitiert die längst zu einer Debatte im Bundestag führen müssten da sie eine der Ursachen der hohen deutschen Verschuldung sind. Nun im Parlament sitzen überproportional viele Beamte von daher erübrigt sich diese Debatte, oder? Während der Steuerbürger kriminalisiert und als Parasit bezeichnet wird bleibt das Rundum-Sorglos-Paket für die Beamten und Politiker.

Es gibt soviel Sparpotenzial beim Staat das sowohl zum Schuldenabbau als auch zu Steuersenkung und damit Stimulus für die Wirtschaft dienen könnte.

Wie wäre es mit einer Einkommensteuerreform? In der Schweiz mache ich meine Einkommenssteuererklärung selbst, meist an einen Abend. In Deutschland musste ich einen Steuerberater kontaktieren. Von den gravierenden Unterschieden bei den Steuersätzen ganz zu schweigen.

Deutschland verfemt und kriminalisiert die Tüchtigen sowohl im eigenen Land als auch das besser aufgestellte Ausland. Während die Schweiz seit Jahrzehnten ihre Verwaltung optimiert u. effizient gestaltet um attraktive Steuersätze anbieten zu können ist eine Verwaltungs- und Steuerreform in Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit.

Viele Kommentatoren hier sind unkritisch was den eigenen Staat anbelangt! Ursache und Wirkung! Deutschland muss für den Steuerzahler attraktiver und berechenbarer werden.

Steuereintreiber

15.08.2012, 08:17 Uhr

Zitat: "Wer sich mal etwas schlau macht bezüglich offshore companies, trusts, holdings und offshore asset protection wird nicht schlecht staunen."

Und wer sich mal schlau macht über die Strafen von Steuerhinterziehung, staunt noch mehr. Sie glauben überhaupt nicht, wie wirklich reiche Menschen (mit Villa, Yacht und vielen Millionen, die rechtmäßig auf ihren Konten liegen) staunen, wenn sie realisieren, dass sie verurteilte Straftäter sind, die die nächsten Jahre hautnah mit Menschen ihren Schlages verbringen dürfen.

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