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29.10.2012

14:56 Uhr

Neue Studie

„Schufa-freie“ Kredite oft betrügerisch

Schnelle Kredite ohne Bonitätsprüfung ziehen klamme Verbraucher nur noch tiefer in den Schuldensumpf. Denn hinter den sogenannten „Schufa-freien“ Angeboten stecken oft windige Anbieter. Sie finden jährlich 400.000 Opfer.

Das Logo der Schufa. dpa

Das Logo der Schufa.

BerlinKredit-Versprechen mit dem Angebot „Schufa-frei“ sind laut einer Studie unseriös und oft sogar betrügerisch. In mehr als acht von zehn Fällen wollten die unseriösen Anbieter solcher angeblich Schufa-freien Kredite die Hilfesuchenden durch Vorabgebühren, unsinnige Versicherungen und nutzlose Beratungsverträge nur abzocken. Das geht aus der in Berlin vorgelegten Studie im Auftrag der Schufa hervor.

Opfer seien jährlich etwa 400.000 Menschen, die wegen Arbeitslosigkeit oder hoher Schulden keine regulären Kredite von Banken erhielten. Die Schadenssumme liege geschätzt bei 150 Millionen Euro im Jahr.

In der Untersuchung fragten die Tester in 177 Fällen bei 69 Anbietern nach Krediten zwischen einigen tausend und mehreren zehntausend Euro. Nur in zwei Fällen wäre der Kredit tatsächlich gegeben worden - dann aber mit annähernd sittenwidrigen 25 Prozent Jahreszins, sagte der Schuldnerberater Christian Maltry.

Was die Schufa alles weiß

Bonitätsauskunft

Es geht zum einem um Informationen, die nötig sind, um Vertrauen von Geschäftspartnern aufzubauen. Zum anderen geht es um eine klar strukturierte, umfangreiche Auskunft rein zur persönlichen Verwendung. Sie enthält alle zur Person gespeicherten Daten.

Zweck der Bonitätsauskunft

Privatpersonen sollen so sich selbst kontrollieren können und über ihre finanziellen Verpflichtungen eine Übersicht erhalten. Gleichzeitig können sie wirtschaftliche Vertrauenswürdigkeit unter Beweis stellen.

Umfang der Auskunft

Nur der Betroffene selbst erhält seine kompletten persönlichen Daten ausgehändigt. Wenn dagegen Dritte anfragen, erfahren sie deutlich weniger.

Banken und Sparkassen

Sie bekommen bankrelevante Positivinformationen. Also über Girokonten und Kreditkarten. Zur bankrelevanten Negativinformation gehört beispielsweise die Kündigung eines Kredites. Auch Infos aus Telekommunikationsumfeld oder dem Versandhandelsbereich, wie gemahnte und unbestrittene offene Rechnungen, sind für Banken sichtbar.

Anfragen

Betroffen können jederzeit erfahren, ob über sie bei der Schufa nachgefragt wurde. Dort sind alle Anfragen zu Auskünften mit Angabe des interessierten Unternehmens ein Jahr lang einsehbar.

Kredite

Die Schufa liefert stets Informationen zu Personen oder Einschätzungen zu einem geschäftlichen Risiko. Das kann durchaus einen gewissen Einfluss auf die Entscheidung über eine Kreditvergabe haben. Meist hängt es davon ab, wie vorsichtig die Bank letztlich ist.

Löschung erst nach drei Jahren

Kredite werden drei Jahre nach dem Jahr der Rückzahlung gelöscht. Nichtvertragsgemäß abgewickelte Geschäfte einschließlich ihrer Erledigung werden zum Ende des dritten Kalenderjahres nach dem Jahr der Speicherung gestrichen. Urteile und Vollstreckungsbescheide bleiben bis zu ihrer Erledigung gespeichert und werden drei Jahre nach dem Jahr der Rückzahlung entfernt.

Beim Antrag auf "Strohhalm-Kredite" zur Lösung akuter Finanznöte sagten die unseriösen Anbieter zwar das Geld zu, erklärte Maltry. Doch zuvor verlangten sie für Gebühren, Erstattung angeblicher Auslagen, Schnellbearbeitungsgebühren, Hausbesuche oder sinnlose Versicherungen Zahlungen von bis zu 2.000 Euro und drohten bei Nichtzahlung auch unverhohlen etwa mit der Einschaltung von Inkassobüros, also Schuldeneintreibern.

Grundsätzlich sei es richtig, solche unbegründeten Forderungen nicht zu bezahlen, sagte Maltry. "Das erfordert aber von den Betroffenen ein gewisses Rückgrat, denn die Drohungen sind teilweise recht massiv", erklärte er.

Der Wirtschaftsjurist Hugo Grote, Co-Autor der Studie, resümierte: „Es geht darum, bei Menschen zu kassieren, die in Notsituationen sind.“ Die Anbieter nutzten einen Gesetzes-Paragrafen, der bei der Kreditvermittlung die Erstattung von Auslagen erlaube. Wegen solcher Nischen im Gesetz komme es selten zu Strafverfahren, trotzdem handele es sich um Betrug. "Der windigste Teil der Branche bleibt außen vor", erklärte er. „Die Forderungen sind illegal, aber erfolgreich.“ Daher müssten die Gerichte viel härter gegen diese Kriminalität vorgehen, forderte Grote. Außerdem müsste das entsprechende Gesetz geändert werden.

Schufa-Chef Michael Freytag sagte, leider fielen Menschen in finanziellen Notsituationen auf solche „windigen Angebote“ herein. Dabei müsse klar sein, dass sogenannte Schufa-freie Kredite nach den geltenden Maßstäben der Banken nicht funktionieren könnten.

Fragen und Antworten zur Schufa

Wie viele Daten hat die Schufa über wen gespeichert?

Die Schufa hat nach eigenen Angaben 514 Millionen Daten zu 66,2 Millionen Menschen gespeichert. Dazu kommen noch 100 Millionen Informationen über knapp fünf Millionen Unternehmen, Selbstständige, Freiberufler und Kleingewerbetreibende.

Welche Daten speichert die Schufa nicht?

Immer wieder gerät die Schufa in die Kritik, weil ihr Intransparenz vorgeworfen wird. Auf seiner Homepage wehrt sich das Unternehmen gegen die Vorwürfe. „Entgegen verbreiteter Annahmen haben wir keine Informationen zu Beruf, Vermögen, Einkommen, Nationalität oder Familienstand“, heißt es auf der Internetseite der Auskunftei. „Außerdem ist die Schufa die einzige Auskunftei, die aufgrund ihres umfangreichen Datenbestandes standardmäßig auf die Nutzung von Anschriftendaten für die Bewertung von Bonitäten verzichtet.“ Auf Wunsch von Vertragspartnern nutze die Schufa allerdings auch Anschriftendaten, heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Woher kommen die Daten?

Den Großteil ihrer Informationen erhält die Schufa nach eigener Aussage von ihren rund 7000 Vertragspartnern wie Banken, Leasingunternehmern, Telekommunikationsanbietern, Versand- und Handelshäusern sowie Energieversorgern. Zudem bezieht sie Daten aus öffentlichen Verzeichnissen wie denen der Amtsgerichte.

Wie bewertet die Schufa die Bonität?

Zur Einschätzung der Bonität eines Verbrauchers bedient sich die Schufa auch der Methode des Scorings. Dabei wird anhand bestimmter Faktoren die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der es zum Zahlungsausfall kommen könnte. Welche Daten das genau sind, macht die Schufa nicht transparent.

Wie lange bleiben Schufa-Einträge gespeichert?

Zur Löschung der Daten gelten unterschiedliche Fristen. Informationen über Zahlungsausfälle würden drei Jahre nach der Erledigung des Falles gelöscht, schreibt die Schufa auf ihrer Internet-Seite. Urteile und Vollstreckungsbefehle würden ebenfalls drei Jahre nach dem Jahr der Rückzahlung entfernt.

Nach Angaben der Schufa werden 97,5 Prozent aller Verbraucherkredite in Deutschland ordnungsgemäß zurückgezahlt. Diese Quote sei bei einer steigenden Zahl von Krediten in den vergangenen Jahren konstant geblieben.

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