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13.03.2013

15:48 Uhr

Neues Bezahlsystem

Im Internet einkaufen, mit Bargeld zahlen

VonKatharina Schneider

Online einkaufen und die Rechnung in einer dm-Drogerie bar bezahlen. Das macht ab sofort das neue Bezahlsystem "Barzahlen" möglich. Die Gründer haben große Pläne. Wem das nützt - und wo die Tücken liegen.

Bargeld ist das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen. dpa

Bargeld ist das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen.

DüsseldorfGinge es nach den Banken und Mobilfunkanbietern, würde Bargeld beim Bezahlen schon bald keine Rolle mehr spielen. Die Geldbörse der Zukunft soll digital sein, an der Kasse soll der Kunde nicht mehr Geldscheine und Münzen zücken, sondern sein Smartphone – oder zumindest eine Bezahlkarte. Ausgerechnet beim Einkauf im Internet könnte das Bargeld jetzt eine Renaissance erleben, mit dem neuen Bezahlsystem „Barzahlen“.

Vielen Kunden ist es nicht geheuer, beim Interneteinkauf die persönlichen Konto- der Kreditkartendaten anzugeben. Andere besitzen gar keine Kreditkarte oder ein Konto. Auch die bisherigen Alternativen haben ihre Tücken: Der Kauf per Nachnahme verursacht hohe Gebühren und bei Bezahlsystemen wie Paypal oder Sofortüberweisung sind ebenfalls die Kontodaten im Spiel.

Was den Deutschen beim Online-Shopping wichtig ist

Zahlungsmethode

„Die von mir bevorzugte Zahlungsmöglichkeit aus­wählen zu können“ nennt mit 87 Prozent eine über­wältigende Mehrheit der Deutschen als wesentliche Anforderung beim Online-Einkauf. Die klassische Rechnung ist dabei nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Paypal und Lastschrift/Bankeinzug stehen ebenfalls hoch im Kurs.

Retouren

Unkomplizierte Rücksendemöglichkeiten fordern 80 Prozent der Befragten von ihren Online-Händlern.

Tempo

Besonders geduldig sind die Deutschen nicht, wenn es um ihre Online-Einkäufe geht. Eine schnelle Lieferung ist 80 Prozent der Befragten wichtig.

Lieferkosten

Am besten umsonst: 77 Prozent der Befragten fordern eine kostenlose Lieferung ihrer Ware.

Schnäppchenjäger

Auf das Gefühl, den besten Preis gefunden zu haben, legen 77 Prozent der deutschen Online-Shopper Wert.

Transparenz

75 Prozent der Befragten in Deutschland ist eine transparente Darstellung der Lieferbedingungen wichtig.

Informationen

Die Auswahl an Produkten im Online-Handel ist enorm. Über das gesamte Angebotsspektrum wollen sich 74 Prozent der Befragten gut informiert fühlen.

Produktpräsentation

Vor allem wer viel Geld dafür ausgibt möchte sich die Ware vorher ganz genau ansehen – und das nicht nur im Laden sondern auch online. Eine anschauliche Darstellung des Produkts ist 64 Prozent der Befragten wichtig.

Versandunternehmen

Dass das Versandunternehmen ihm bekannt ist bzw. dass er es vertrauenswürdig findet, erwarten 62 Prozent der deutschen Online-Einkäufer. Elf Prozent der Befragten machen den Einkauf sogar vom Versandunternehmen abhängig. Konkret möchten 30 Prozent der Online-Shopper in Deutschland von DHL beliefert werden, 13 Prozent nannten Hermes.

Nachverfolgung

Sie wollen ganz genau wissen wann ihre Ware wo ist, und wann sie sie endlich in den Händen halten können. 61 Prozent der Befragten wollen daher die Möglichkeit haben, ihre Sendung online nachzuverfolgen.

Flexibilität

Flexible Lieferung ist für 51 Prozent der Befragten wichtig. Wunsch-Lieferkonzepte stehen dabei hoch im Kurs. Jeder Fünfte möch­te wählen können, wo und wann sein Paket zugestellt wird – beispiels­weise bei einem Nachbarn, einer Packstation oder an einem bestimmten Wunschtag. Jeder Vierte der befragten Online-Shopper ist als Kunde bei einer DHL-Packstation registriert.

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Bei Barzahlen dagegen bekommt der Kunde online einen Zahlschein, den er in einem Laden vorzeigen und dort bar bezahlen kann. Dafür muss das Dokument mit Barcode entweder ausgedruckt oder per SMS aufs Handy geschickt werden. Das Bezahlen soll ab sofort in bundesweit allen 1390 Filialen der dm-Drogerie möglich sein, außerdem in 35 Pilotfilialen von Mobilcom-Debitel in Berlin – einfach den Zahlschein an der Kasse vorzeigen, bezahlen und schon soll die Zahlungsbestätigung an den Online-Shop übermittelt werden. Das ist der Startschuss für den Versand der Ware.

Die größten Sorgen beim Online-Shopping im Ausland

Problemfälle

Es gibt zahlreiche Sorgen bei den Befragten, wenn es um den Online-Einkauf im Ausland geht. Am häufigsten äußerten Online-Shopper ihre Unsicherheit, wie man mögliche auftretende Probleme mit dem Shop lösen könnte. 82 Prozent haben hier Bedenken.

Betrug und Plagiate

Groß ist bei 81 Prozent der Befragten auch die Furcht vor Betrug – beispielsweise wenn es um die Echtheit des Produkts geht. Hier ist das Vertrauen bei deutschen Käufern offenbar eher gering, wenn es um ausländische Online-Shops geht.

Lieferbedingungen

Das Stichwort Zoll löst ebenfalls bei 81 der befragten Online-Shopper Sorgenfalten auf der Stirn aus. Sie sind insgesamt unsicher bezüglich der Lieferbedingungen.

Garantie

Eine große Rolle bei Online-Shopping im Ausland spielt auch die Produktgarantie. 77 Prozent der Befragten zweifeln ob es einfach wäre, etwa bei einem defekten Produkt dieses auch wie gewohnt retournieren zu können.

Lieferzeit

Stichwort Geduld: Deutsche Online-Shopper wollen nicht lange auf ihre Ware warten. 71 Prozent von ihnen befürchten aber eine lange Lieferzeit bei Bestellungen im Ausland.

Zahlungsabwicklung

Sorgen bezüglich der Sicherheit der Zahlungsabwicklung machen sich 70 Prozent der befragten deutschen Online-Shopper.

Zusatzkosten

Im Ausland zu bestellen könnte zusätzliche Kosten bei der Zahlungsabwicklung verursachen – beispielsweise für eine Auslandsüberweisung, geben 69 Prozent der Befragten zu Bedenken.

Verständnisprobleme

Unsicher wegen mangelnder Kenntnisse der jeweiligen Sprache sind nur 58 Prozent der Befragten.

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Noch ist die Zahl der Online-Händler, die diese Bezahlmethode anbieten, gering. Zu den ersten Anbietern gehören der Elektronik-Händler Returbo, der Baby-Mode-Anbieter Tausendkind, sowie der Tabaluga-Fanshop. Ab Mitte März soll Fashionforhome.de, ein Anbieter von Designermöbeln, hinzukommen. Bislang sind nur vergleichsweise kleine Shops vertreten. „Wir sind aber schon mit Shops aus den Top-100 im Gespräch, ab Mitte des Jahres wird Barzahlen bei dem ersten ganz großen Händler zur Verfügung stehen“, sagt Achim Bönsch, einer der drei Gründer von Barzahlen.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

13.03.2013, 16:29 Uhr

Ich finde das eine hervorragende Idee, denn wir müssen alle dafür sorgen, daß das Bargeld nicht abgeschafft wird. Und jeder Schritt in diese Richtung und sei er noch so unbedeutend ist zu begrüßen.

Bargeld ist das einzige verbliebene anonyme Zahlungsmittel (Bitcoin zähle ich noch nicht) und damit letztlich der einzige Schutz vor der kompletten Orwellisierung des Staates (aller Staaten!). Zahlungsmittel, die unter direkter Einsicht und Kontrolle des Staates (oder anderer Organisationen) sind, laden diesen ein zur Willkür gegen Andersdenkende, deren Lebensgrundlage dann ganz einfach per Software aus abgeschaltet werden kann. Und wer ist der Staat: das kann ein Diktator sein ("der Staat bin ich"), ein Junta oder Superreiche, die mittels Geldmacht den Staat und damit die Bürger kontrollieren. Ameisenstaat.

Wenn man sich anschaut, welche Schritte die westlichen Staaten, insbesondere die Führungsmacht USA in Richtung totalitäres Regime gemacht haben, dann braucht es dieser Freiheit jetzt mehr denn jemals seit dem Ende des 2. Weltkriegs.

Deshalb sollte man beim Einkaufen im Kleinhandel bzw. generell bei Kleinbeträgen definitiv nicht mit Karte bezahlen sondern bar. Die Karte hat auch ihren Sinn, aber nicht im Kleinhandel. Wehret den Anfängen - In Schweden ist es bald so weit, daß Bargeld abgeschafft wird.

Der_Techniker

13.03.2013, 16:42 Uhr

Absolut - eine wirklich gute Idee!
Bleibt zu hoffen, daß durch vernünftige Gebührengestaltung und überschaubarer Bürokratie die Verbreitung auch in der Breite (d.h. bei kleinen Onlineshops, die oft Nischenprodukte anbieten) schnell zunimmt.
Ich versuche derzeit vor allem Paypal wegen ihres gewöhnungsbedürftigen Geschäftgebahrens speziell gegenüber kleinen Shopbetreibern zu meiden.
Wenn die Beträge nicht so hoch sind, zahle ich auch mal per Vorkasse. Zum Glück habe ich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.
Ein solches Barzahlsystem wäre, wenn es schnell, einfach und zuverlässig funktioniert ein Knaller.

Account gelöscht!

13.03.2013, 17:10 Uhr

Wirklich interessant. Bezahlen am PC ist mir zu unsicher. Bargeld lacht!

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