Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.10.2015

17:30 Uhr

Neues von S&K

Ehemaliger S&K-Anwalt ist pleite

VonKatharina Schneider

Jahrelang soll Igor P. die Gründer der Unternehmensgruppe beraten haben. Jetzt musste er Privatinsolvenz anmelden. Unterdessen gibt es in der Hauptverhandlung um sechs S&K-Verantwortliche einen beachtlichen Fortschritt.

Seit drei Wochen läuft die Hauptverhandlung um sechs S&K-Verantwortliche. dpa

S&K-Klingelschild

Seit drei Wochen läuft die Hauptverhandlung um sechs S&K-Verantwortliche.

FrankfurtDie Hauptverhandlung um die Gründer der Unternehmensgruppe S&K sowie vier weitere Angeklagte ist ein Mammutprozess und nach den ersten drei Wochen ist klar: Er wird sich noch lange hinziehen. Wäre es nach der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegangen, würden auf der Anklagebank aber nicht sechs, sondern sogar sieben Angeklagte sitzen. Auch der Anwalt Igor P. hätte sich dort verantworten sollen. Dem ehemaligen Hausanwalt der S&K-Gründer werfen die Ankläger Beihilfe zu schwerem gewerbs- und bandenmäßigem Betrug sowie Beihilfe zu ebensolcher Untreue vor.

Das Landgericht Frankfurt hat das Verfahren gegen den Anwalt jedoch zur gesonderten Entscheidung abgetrennt. Noch wurde es nicht eröffnet, doch mit einem Gericht hat es Igor P. jetzt schon zu tun: dem Insolvenzgericht. Gemäß den öffentlichen Insolvenzbekanntmachungen läuft ein Insolvenzantragsverfahren über sein Vermögen. Wie das Juristenportal Juve bereits berichtete, wurde Rechtsanwalt Jan Markus Plathner Anfang Oktober als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Der Anwalt von Igor P. wollte gegenüber dem Handelsblatt weder zum Insolvenzverfahren noch zu Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung nehmen.

S&K - Die Anfänge des Verfahrens

19. Februar 2013

1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte rücken zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K Unternehmensgruppe und verbundene Unternehmen aus.

April 2013

Die Immobilienfonds der S&K-Gruppe beantragen ein Insolvenzverfahren.

März 2013

Acht Gesellschaften der United Investors Gruppe aus Hamburg melden Insolvenz an, darunter auch die Holding und das Emissionshaus.

10. September 2013

Im Bundesanzeiger werden die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Vermögenswerte S&K-Gründer und weiterer Verantwortlicher veröffentlicht. Darunter finden sich unter anderem teure Uhren von Hublot oder Rolex, Goldbarren, Motorräder, gepfändete Konten und Versicherungsverträge.

27. September 2013

Stephan Schäfer springt bei einer Verhandlung in einem Zivilverfahren mit Handschellen aus dem ersten Stock des Frankfurter Landgerichts und verletzt sich schwer.

20. Januar 2015

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt gibt bekannt, dass sie gegen sieben mutmaßliche Hauptverantwortliche der S&K-Unternehmensgruppe Anklage erhoben hat.

10. Juni 2015

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den TÜV Süd wegen des Verdachts der Beihilfe.

28. Juli 2015

Die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt lässt die Anklage der Staatsanwaltschaft teilweise zu.

August 2015

Mehrere Gesellschaften der Unternehmensgruppe melden Insolvenz an: Zuerst die S&K Immobilienhandels GmbH und die S&K Sachwert AG, etwas später die S&K Real Estate Value GmbH.

24. September 2015

Auftakt der Hauptverhandlung, Raum I, Gebäude E des Frankfurter Landgerichts. Nach nicht einmal zwei Stunden wird die Verhandlung vertragt, da der Anwalt einer Nebenbeteiligten einen Befangenheitsantrag gegen die drei Berufsrichter gestellt hat.

29. September 2015

Am zweiten Verhandlungstrag wird die Entscheidung der Vertreter Kammer verkündet: Die Richter hätten im Eröffnungsantrag einen „Flüchtigkeitsfehler“ gemacht, doch die Sorge der Voreingenommenheit sei nicht stichhaltig. Danach folgt ein Antrag der Verteidiger auf den nächsten. Ist die 28. Wirtschaftskammer überhaupt zuständig? War die Besetzung der Schöffen rechtens? Drei Aussetzungsanträge zielen auf mangelhafte Akteneinsicht und Unvollständigkeit der Ermittlungsakte ab.

01. Oktober 2015

Hauptthema am dritten Tag der Hauptverhandlung ist die Anklageschrift - die Verteidiger kritisieren insbesondere den zu verlesenden 1700-seitigen Anklagesatz. Ein Problem ergibt sich daraus, dass die 28. Wirtschaftsstrafkammer die Anklage in Teilen nicht zugelassen hat. Dennoch möchte die Staatsanwaltschaft den kompletten Schriftsatz vortragen. Weiterer Kritikpunkt der Verteidiger: Der Anklagesatz sei mit sogenannten Beweiswürdigungen durchsetzt.

02. Oktober 2015

Auch am vierten Verhandlungstag dreht sich alles um die Frage, ob der Anklagesatz in der bisherigen Version verlesen werden darf. Auf dem Höhepunkt des Streits fordert ein Verteidiger, dass die Staatsanwälte abgelöst und durch „rechtstreue Staatsanwälte ersetzt werden“.

06. Oktober 2015

Es hätte der fünfte Prozesstag werden sollen, doch das Landgericht Frankfurt hat die Verhandlungstermine für die komplette Woche abgesagt. Eine Ergänzungsrichterin sei erkrankt, hieß es zur Begründung. Zudem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft am Vortrag doch eine neue, gekürzte Version des Anklagesatzes vorgelegt hat.

13. Oktober 2015

Am 13. Oktober sollte die Verhandlung eigentlich fortgesetzt werden, doch die Ergänzungsrichterin ist weiterhin krank.

15. Oktober 2015

Erneut ein kurzer Verhandlungstag. Nach dem Verlesen einiger Stellungnahmen beendet der Vorsitzende Richter die Sitzung: „Gut Ding will Weile haben.“

16. Oktober 2015

Nach erneuten Protesten der Verteidiger und mehreren Pausen dürfen die Staatsanwälte doch noch mit dem Verlesen der Anklage beginnen. Nach Seite zwölf ist aber Schluss. Abseits des Verfahrens wird die Privatinsolvenz des ehemaligen S&K-Anwalts Igor P. bekannt.

04. November 2015

Nach zwei Wochen Herbstferien wird die Hauptverhandlung fortgesetzt.

18. Dezember 2015

Der letzte S&K-Termin vor der Weihnachtspause: Inzwischen gab es 23 Verhandlungstage. Noch immer wird die Anklage verlesen - unterbrochen von Anträgen der Verteidiger.

11. Januar 2016

Nach der Weihnachtspause wird der Mammut-Prozess fortgesetzt.

18. Januar 2016

Es ist vollbracht. Die Staatsanwälte haben den 1774-seitigen Anklagesatz vollständig verlesen.

20. Januar 2016

Nach dem Verlesen der Anklage könnte eigentlich mit der Beweisaufnahme begonnen werden, doch zuvor stellen die Verteidiger noch zahlreiche Anträge. Unter anderem: Der Anwalt des S&K-Gründer Stephan Schäfer fordert Haftentlassung für seinen Mandanten.

Nach der groß angelegten Razzia gegen die S&K-Gruppe am 19. Februar 2013 hatte Igor P. bis Dezember 2014 in Untersuchungshaft gesessen und war dann unter Auflagen entlassen worden. In der Anklageschrift, die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt die Staatsanwaltschaft auf, dass er die S&K-Gründer umfassend beraten, wichtige Verträge mitentworfen und Gesellschaften der Gruppe rechtlich vertreten habe. Zudem habe er gewusst, dass er von Schäfer und Köller mit Geld bezahlt worden sei, das diese unrechtmäßig erlangt hätten. Zuletzt habe er monatlich knapp 12.000 Euro erhalten und darüber hinaus noch mehr als zwei Millionen Euro erlangt.

Einen Teil dieses Vermögens hat die Staatsanwaltschaft bereits vor zwei Jahren sichergestellt. Laut einer Auflistung im Bundesanzeiger geht es dabei um Werte in Höhe von mehreren hunderttausend Euro: Vor allem Möbel, Schmuck und Konten. Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens genießt Igor P. Pfändungsschutz.

Dossier zum Download : Der Aufstieg und Fall von S&K

Dossier zum Download

Premium Der Aufstieg und Fall von S&K

Sie lebten in Prunk und Protz – auf Kosten tausender Anleger: S&K ist einer der spektakulärsten Betrugsfälle in Deutschland. Nun stehen die Chefs vor Gericht. Lesen Sie alles über die Gründer, ihre Masche und ihre Helfer.

Gläubiger müssen ihre Forderungen nun beim Insolvenzverwalter anmelden, das gilt auch für S&K-Anleger. „Über die sichergestellten Werte hinaus werden geschädigte Anleger bei ihm wohl nichts mehr holen können“, sagt der Siegburger Anlegeranwalt Marc Gericke. „Ich bin aber zuversichtlich, dass im Laufe der S&K-Hauptverhandlung noch andere Personen bekannt werden, von denen Anleger Schadenersatz verlangen können.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×