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20.08.2013

14:00 Uhr

Neues Zahlungssystem

Sepa, ein rotes Tuch für Unternehmen

VonKatharina Schneider

Auf das neue einheitliche Lastschriftverfahren und die veränderten Kontodaten sind viele Firmen und Vereine gar nicht gut zu sprechen: zu aufwändig und zu teuer. Doch eine Verweigerung wäre gefährlich.

Das neue Zahlungssystem ist ein Reizthema. Viele Unternehmen würden Sepa am liebsten ignorieren. dpa

Das neue Zahlungssystem ist ein Reizthema. Viele Unternehmen würden Sepa am liebsten ignorieren.

DüsseldorfAufschieberitis, wer kennt das nicht? Eigentlich müsste man eine – meist unliebsame – Angelegenheit sofort erledigen, aber dann schiebt man sie doch auf die lange Bank. In seltenen Fällen erweist sich das sogar als sinnvolle Strategie, denn manche Dinge erledigen sich über kurz oder lang von selbst. Darauf haben womöglich auch zahlreiche Unternehmen gehofft, als zum ersten Mal die Aufforderung zur Umstellung auf das Sepa-Zahlungsverfahren kam. Doch die Hoffnung war vergebens. Sepa kommt und in kaum mehr als fünf Monaten müssen Firmen, Vereine und Behörden ihr Zahlungssystem umgestellt haben.

Tun sie das nicht, droht großes Ungemach. Daran lassen Banken, Verbände und aktuelle Studien keinen Zweifel. Die Bundesbank etwa warnt vor Liquiditätsengpässen, Zahlungen von Gehältern oder anderen Leistungen könnten womöglich nicht rechtzeitig abgewickelt werden. Der Vorstand der Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele spricht gar von einer „Bugwelle“ an Zahlungsaufträgen, die sich aufbaut und dann sukzessive abgebaut werden müsse. Auch von drohenden Firmenpleiten war schon die Rede.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle

Auslöser für all dies ist die finale Umstellung der nationalen Zahlungssysteme auf gemeinsame Standards der Single Euro Payments Area (Sepa), zu Deutsch: einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dieser wird bereits seit elf Jahren für die EU und einige weitere Staaten entwickelt. Aber viele der bisherigen Neuerungen, wurden in der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen.

Für größere Aufmerksamkeit sorgte zwischenzeitlich lediglich die neue einheitliche Kontonummer IBAN. Die hat in Deutschland stattliche 22 Ziffern und wurde deshalb häufig als „IBAN, die Schreckliche“ verschrien, doch dahinter stecken – ganz simpel – die bisherige Kontonummer, die Bankleitzahl, zwei Prüfziffern und die Länderkennung DE. Wesentlich komplizierter ist dagegen die Umstellung auf ein neues Lastschriftverfahren. Und die Zeit drängt, denn zum 1. Februar 2014 verlieren die alten nationalen Zahlungssysteme ihre Gültigkeit. Überweisungen mit den alten Kontonummern und Lastschriften im alten Format werden von den Banken dann nicht mehr angenommen.

Welche Fortschritte die Firmen dabei machen, zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Ibi-Forschungsinstituts an der Uni Regensburg. Zentrales Ergebnis: „Langsam, aber sicher geht es zwar voran, doch vielen Unternehmen ist der Ernst der Lage noch immer nicht bewusst“, sagt Ernst Stahl, Forschungsdirektor des Ibi-Instituts. „Für viele kleine Firmen, die kein Lastschriftverfahren nutzen, kann die Umstellung zum 1. Februar 2014 völlig unproblematisch werden“, so der Forscher. „Für große Unternehmen und Organisationen, die viele Lastschriften einreichen, könnte es aber richtig schlimm werden, erst Recht, wenn sie sich zu spät kümmern.“

Kommentare (33)

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Account gelöscht!

20.08.2013, 14:09 Uhr

Ich weiß nicht was das Gejammer soll.
Ja, es ist erst mal Arbeit. Aber jede vernünftige Software unterstützt bei der Umstellung. Die Daten liegen im Regelfall doch schon vor.
Für international tätige Unternehmen ist das ganze sogar von Vorteil - nur noch eine Zahlungsart.
Aber wie die Deutschen so sind: erst mal Jammern und um die gute alte Zeit trauern.
Und für den Privatmann ändert sich doch kaum was - er muss jetzt nur seine Bankverbindung in eine Zeile schreiben, und sich zwei zusätzliche Ziffern merken - das traue ich uns Micheln durchaus zu.

hermann.12

20.08.2013, 14:16 Uhr

Ich hoffe, das im Februar so viele Firmen Probleme bekommen, dass die Umstellung verschoben werden muss. Diesen festen Tritt in den Hintern der Bürokraten, die das verbrochen haben, kann nur heilsam sein.
Offensichtlich herrscht bei den Behörden schon deutlich mehr Panik, als bei den Risiko gewohnten Unternehmen. Recht so!
Kleinere Unternehmen können sich zur Not auch so helfen, abheben und bar zahlen.

H.

hermann.12

20.08.2013, 14:20 Uhr

Das Problem existiert primär bei Massenzahlungen im Lastschriftverfahren. Da verändert sich wesentlich mehr als die Ziffern.
Alleine für die Erteilung einer Lastschrift sind zukünftig mehrere DIN A4 Blätter nötig. Als Unternehmer würde ich klipp und klar dem Gesetzgeber sagen er kann sich Sepa mal wohin schmieren...

H.

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