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12.05.2011

09:15 Uhr

Offene Immobilienfonds

Wenn die Verjährung das Vermögen kostet

VonDörte Jochims

Millionen Anleger haben in offene Immobilienfonds investiert und kommen nicht an ihr Geld. Auch wenn der Schaden schwer zu taxieren ist, sollten sie jetzt handeln. Wann Verjährung und hohe Verluste drohen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Jahrzehntelang verließ sich Nicole S. aus Köln in Finanzdingen auf ihren Mann. Als er starb und sie im selben Jahr ihre betriebliche Altersvorsorge ausbezahlt bekam, wandte sie sich an eine unabhängige Vermögensberaterin. Dort gab sie an, keine Erfahrung mit Wertpapieren zu haben.

Die Finanzexpertin empfahl, den Betrag von rund 30.000 Euro auf vier Fonds aufzuteilen. Nach Ausbruch der Finanzkrise kam es im Frühjahr 2008 zu einem neuen Gespräch. Auf Anraten der Beraterin schichtete sie rund 20.000 Euro in den offenen Immobilienfonds Axa Immoselect um.

Wenige Wochen später wurde das Portfolio geschlossen. Auf diese Möglichkeit hatte die Vermittlerin nicht hingewiesen. Doch ein Beratungsprotokoll existiert nur für das Erstgespräch.

Inzwischen hat der Fonds um zehn Prozent abgewertet. An der Fondsbörse Hamburg wird der Titel mit mehr als 30 Prozent Abschlag gehandelt. Beim Anwalt erfährt Frau S, dass die Zeit drängt. Drei Jahre nach dem Kauf droht für Wertpapiergeschäfte, die vor dem 5. 8. 2009 abgeschlossen wurden, die Verjährung.

Die Gegenseite

Der Fondsmanager des Axa Immoselect betont in einer Pressemitteilung, das Portfolio noch in diesem Jahr wieder öffnen zu wollen. Der Fonds-Emittent gab zu den Fragen die der vorliegende Fall aufwirft, keine Stellungnahme ab, sondern führt lediglich den Verkaufsprospekt des AXA Immoselect an. Dort werde auf die Möglichkeit hingewiesen, dass die Rücknahme der Anteile zeitweilig ausgesetzt werden könne, sofern außergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine Aussetzung unter Berücksichtigung der Interessen der Anleger erforderlich erscheinen ließen. Das gelte auch, wenn bei umfangreichen Rücknahmeverlangen die Bankguthaben und der Erlös aus dem Verkauf der Wertpapiere, Geldmarktinstrumente und Investmentanteile zur Zahlung des Rücknahmepreises und zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung nicht mehr ausreichen würden.

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Kommentare (2)

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Leser

13.05.2011, 16:08 Uhr

Die Frage ist, wie man Herdenverhalten und Panikverkäufe der Anleger verhindern kann. Denn der beste Fonds mit den besten Immobilien scheitert irgendwann an der goldenen Regel: was langfristig angelegt ist (in Immobilien), kann nicht unbegrenzt kurzfristig als Liquidität verfügbar sein. Werden also massig Anteilsscheine zurückgegeben, reicht irgendwann die Liquidität eines Fonds nicht mehr aus um die Rückgabe zu bedienen, er muss geschlossen werden und die KAG ist womöglich gezwungen, ihre Fondsobjekte mit Verlusten zu verkaufen, um an Liquidität zu kommen. Denn die Marktsituation kann in einer solchen Situation nur noch unzureichend berücksichtigt werden. Das Schließen eines Fonds wiederum verunsichert die Anleger....jedoch sollte man sich fragen, ob es nicht auch in der Verantwortung des jeweiligen Vertriebs liegt, eine (unbegründete) Massenrückgabe von Anteilsscheinen zu verhindern-denn ein Immobilienfonds ist nicht geeignet, um Depots zu drehen und Depoterträge zu optimieren (durch groß angelegte Umschichtungen beispielsweise). Eine vorausschauende Vertriebssteuerung ist also ebenso wichtig wie korrekte Beratung und Objektqualität. Hiermit wäre dem Kunden ebenso geholfen wie dem Fondsmanagement und man könnte sich auf das ursprüngliche Ziel der Anlage konzentrieren: eine möglichst nachhaltige Rendite für die Anleger aus dem Immobilienmanagement erzielen....

frankm

15.05.2011, 21:36 Uhr

Zu meinen Vorrednern: dann darf man den Kunden nicht massenweise Anteile andrehen und ihnen sagen, das Geld sei kurzfristig verfügbar. Wenn ein Anleger diese kurzfristige Verfügbarkeit wünscht, hilft die tollste Immobilie nichts. Schlau über Anwälte zu schimpfen hilft da auch nichts. Offensichtlich stammt der erste Kommentar von einem Anlageberater, der nicht zwischen verschiedenen Anlagezielen der Anleger unterscheiden kann.

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