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07.03.2013

15:11 Uhr

Online-Abstimmung

Die Suche nach dem „gefährlichsten Finanzprodukt“

VonKatharina Schneider

Welches ist das gefährlichste Finanzprodukt in Europa? Darüber können Verbraucher nun abstimmen, zur Wahl stehen etwa Fremdwährungskredite, Aktienanleihen und Nahrungsmittelfonds. Was hinter der Aktion steckt.

Viele Finanzprodukte am Markt bergen hohe Risiken.

Viele Finanzprodukte am Markt bergen hohe Risiken.

DüsseldorfEs klingt wie der Titel einer neuen Casting-Show: „Europa sucht das gefährlichste Finanzprodukt“. Wer würde da nicht gleich an „Deutschland sucht den Superstar“ denken? Und genau auf diese Assoziation zielt das Projekt des Grünen-Europaabgeordneten Sven Giegold ab. „Wir wollen neugierig machen und nähern uns auf spielerische Weise einem ernsten Thema“, sagt Giegold.

Er hat einen Wettbewerb ausgerufen, in dem das gefährlichste Finanzprodukt gekürt werden soll. Es geht um Produkte, die intransparent oder unnötig komplex sind, die Risiken verschleiern oder anderen Schaden zufügen. Sechs Wochen lang wurden über die Internetseite des Projekts Nominierungen gesammelt. Insgesamt wurden 150 Vorschläge eingereicht und 50 verschiedene Produkte genannt, so Giegold. Die meisten Einreichungen stammen aus Deutschland und Großbritannien.

Fallstricke bei geschlossenen Fonds

Vermögenslage

Anteile an geschlossenen Fonds oder Unternehmensbeteiligungen sind in der Regel nur etwas für Anleger, deren Vermögen im sechsstelligen Bereich liegt und die bereits Aktien, Anleihen, Festgeld und ein eigenes Häuschen besitzen. Der Anteil geschlossener Fonds sollte maximal 30 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen.

Laufzeit

Die Beteiligungen laufen in der Regel zehn Jahre und länger. Der Anleger muss somit in der Lage sein, über viele Jahre auf dieses Geld zu verzichten. Ein vorzeitiger Verkauf ist zwar beispielsweise bei Schiffen über den Zweitmarkt möglich. Die Preise dort schwanken jedoch stark – insbesondere seit der Finanzkrise.

Steuern

Steuerliche Aspekte spielen im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle beim Kauf von geschlossenen Fonds. Viele populäre Anlagemodelle wie die in den 90er-Jahren – etwa Ost-Immobilien mit hohen Sonderabschreibungen – gibt es längst nicht mehr.

Trends

Wie viele andere Anlageklassen unterliegen auch die geschlossenen Fonds und Unternehmensbeteiligungen gewissen Modetrends. Beliebt sind aktuell Fonds im Bereich Flugzeugleasing. Zudem ist zu beobachten, dass die Anleger wieder risikofreudiger werden. Sogar Private-Equity- und Projektentwicklungsfonds finden wieder Käufer. Das war vor zwei Jahren noch nahezu undenkbar.


Eine Jury aus Finanzexperten hat die Vorschläge bewertet und acht Produkte in die nächste Runde gewählt. Dort treten sie nun in zwei Kategorien an: „Produkte, die Verbraucher oder Investorinnen schädigen“ – beispielsweise Kreditkarten mit überhöhten Zinsen oder Aktienanleihen – und „Produkte, die Umwelt, die Armen oder Dritte schädigen“, wie etwa ein Nahrungsmittelfonds und ein Uranabbau-Zertifikat.

Noch bis zum 14. März kann jeder online über die Produkte abstimmen. Dem Gewinner droht ein besonderer Preis: Giegold will auf ein Verbot des gefährlichsten Finanzproduktes durch die europäischen Finanzaufsichtsbehörden hinwirken. Dem auserkorenen Produkt könnte die Ehre zuteil werden, das Erste zu sein, das von den Finanzaufsichtsbehörden der EU verboten wird. „Bisher konnten die Aufseher von diesem Recht nur schwer Gebrauch machen“, sagt Giegold. Das könne sich ändern, wenn in den nächsten Monaten die verschärfte EU-Marktrichtlinie „MifID“ beschlossen werde.

Davor warnen Verbraucherschützer

Finger weg

Nicht nur Berater machen Fehler, einige Produkte sind per se nicht für alle Anleger geeignet. Vor welchen Produktklassen die Verbraucherschützer warnen.

Geschlossene Fonds

Die Kundenvertreter warnen vor den Beteiligungsmodellen des grauen Kapitalmarktes, bei denen grundsätzlich ein „sehr hohes Verlustrisiko“ bestehe. Das betrifft etwa Beteiligungen an Immobilien, Schiffen oder unternehmerischen Aktivitäten. Eine staatliche Aufsicht sei kaum vorhanden, die Kosten wenig transparent und die Vertriebsprovisionen hoch. Das Fazit: „Generell sollten Sie von solchen Kapitalanlagen die Finger lassen“.

Zertifikate

Auch von dieser Produktklasse raten die Verbraucherzentralen pauschal ab: „Meist werden Zertifikate von Banken gestrickt, um schnell auf einen modischen Anlagetrend aufspringen und den Kunden entsprechende Anlageprodukte verkaufen zu können“. Die Komplexität sei von Laien vielfach nicht nachvollziehbar. Das Fazit: „Anlagezertifikate sind Modeerscheinungen, auf die Sie ohne Not verzichten können“.

Fondsgebundene Versicherungen

Diese Anlageform soll ausschließlich dem Verkäufer nützen der „in den komplizierten Konstruktionen hervorragend jede Menge Kosten verstecken kann“. Das Fazit: Lieber gleich einen Fonds kaufen.

Außerbörsliche Wertpapiere

Eine Warnung gibt es auch vor Spezialpapieren. „Wenn ein Wertpapier nicht von einem renommierten Herausgeber stammt und ganz offiziell an der Börse gehandelt wird, sollten Sie es auf gar keinen Fall Kaufen“, raten die Verbraucherschützer. Die Erfahrung hätte gezeigt, dass die Ausfallrisiken höher und die Renditechancen niedriger seien. Das Fazit: Finger weg.

Wettgeschäfte

Zocker müssen wissen was sie tun – oder es besser lassen. Derivate, Optionsscheine oder Termingeschäfte bergen das Risiko des Totalverlustes. Hier sei es wie im Lotto. „Die allermeisten verlieren Geld, und
nur ganz wenige sind auf der Gewinnerseite“. Fazit: Nur für vermögende Glücksritter.

Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Risiko sei bei der Geldanlage nicht generell schlecht, sagt Giegold, der auch als Globalisierungskritiker bekannt ist und die Attac-Deutschland mitbegründet hat. „Doch es kommt darauf an, dass Risiken für den Anleger transparent sind, fair vergütet werden und nicht letztlich von Dritten getragen werden müssen.“ Neben der Abstimmung bietet die Internetseite seines Projekts auch die Möglichkeit, über die Finanzprodukte zu diskutieren.

Kommentare (12)

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Malocher

07.03.2013, 15:19 Uhr

Der Euro.

Account gelöscht!

07.03.2013, 15:20 Uhr

Hoffentlich ist mein Favorit als gefährlichstes Finanzprodukt der Euro auch dabei...

Michael

07.03.2013, 15:21 Uhr

"Welches ist das gefährlichste Finanzprodukt in Europa?"

Der Euro.

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