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28.06.2016

10:53 Uhr

Pendlerpauschale

Sind Unfallkosten Werbungskosten?

VonConstanze Elter

Für jeden Kilometer ihres Weges zur Arbeit können Steuerzahler eine Entfernungspauschale geltend machen. Schwierig wird es aber, wenn unterwegs ein Unfall passiert. Ob die Kosten angerechnet werden, ist umstritten.

Wenn auf dem Weg zur Arbeit ein Unfall passiert, gibt es oft Streit zur Übernahme der Kosten. dpa

Berufsverkehr

Wenn auf dem Weg zur Arbeit ein Unfall passiert, gibt es oft Streit zur Übernahme der Kosten.

Neustadt an der WeinstraßeManche fahren mit dem Auto, manche mit der Bahn und manche mit dem Fahrrad: An jedem Werktag machen sich Pendler auf den Weg zu ihrer Arbeitsstätte. Pro Arbeitstag dürfen sie in ihrer Steuererklärung jeden Kilometer der einfachen Wegstrecke als Fahrtkosten ansetzen – und zwar pauschal mit 30 Cent pro einfachen Entfernungskilometer.

Diese Entfernungspauschale – umgangssprachlich auch als Pendlerpauschale bezeichnet – ist verkehrsmittelunabhängig. Das bedeutet: Sie gilt für Fußgänger, Radler, Motorrad-, Bus- und Bahnfahrer sowie für Autofahrer gleichermaßen.

Diese Belege gehören zur Steuererklärung - und diese nicht

Mantelbogen
  • Zuwendungsnachweise wie z.B. Spendenbescheinigungen
  • Nachweis der Behinderung im Erstjahr bzw. bei Änderung
Zu Anlage G, S, L - Einkünfte aus Gewerbe, Selbstständigkeit, Landwirtschaft
  • Unterlagen über die Gewinnermittlung (aber auch nur, falls nicht elektronisch übermittelt)
Zu Anlage KAP - Kapitalerträge
  • Steuerbescheinigung über anrechenbare Kapitalertragsteuer, nur wenn eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge oder die Günstigerprüfung beantragt wird
  • Steuerbescheinigung über Kapitalerträge, für die keine Kirchensteuer einbehalten wurde, obwohl eine Kirchensteuerpflicht besteht
  • Bescheinigung über anrechenbare ausländische Steuern
Zur Anlage N - Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Lohnsteuerkarte (in der Regel nicht mehr nötig, da Daten elektronisch übermittelt)
Zur Anlage VL - Vermögenswirksame Leistungen
  • Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen
Zur Anlage Unterhalt
  • Nachweis der Unterhaltsbedürftigkeit
Nicht benötigte Belege

Die meisten Quittungen und Bescheinigungen müssen nur auf Nachfrage dem Finanzamt vorgelegt werden, dazu gehören zum Beispiel Nachweise über Ausgaben für:

  • Arbeitsmittel
  • Beiträge an Berufsverbände
  • Beitragsbestätigungen für Versicherungen
  • Kontogebühren
  • Kinderbetreuung
  • haushaltsnahe Dienstleistungen

Die einzelnen Ausgabenposten können aber vom Finanzamt geprüft werden und müssen dann nachträglich belegt werden.

Wenn Sie ausschließlich die Entfernungspauschale nutzen, müssen Sie grundsätzlich keine Belege sammeln. Das ist der Vorteil. Der Nachteil ist, dass mit dieser Entfernungspauschale sämtliche Aufwendungen abgegolten sind, die durch die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte entstehen. So steht es im Einkommensteuergesetz und so hat es der Bundesfinanzhof (BFH) vor einiger Zeit noch einmal unterstrichen.

Die Entfernungspauschale ist also eine „all inclusive“-Pauschale. Andere Kosten können Arbeitnehmer hier nicht geltend machen. Abgegolten sind damit unter anderem:

• Ausgaben für Benzin und Öl

• Kosten für den Reifenwechsel

• Inspektionen

• Reparaturen

• Versicherungsbeiträge

• Finanzierungskosten oder

• die Kfz-Steuer

Der Bundesfinanzhof geht bislang in seiner Rechtsprechung davon aus, dass das Wort „sämtlich“ im Gesetzestext eindeutig ist. Auch außergewöhnliche Ausgaben - zum Beispiel eine Reparatur wegen einer Falschbetankung auf dem Weg zur Firma – seien mit der Entfernungspauschale abgedeckt.

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat sich in einem aktuellen Urteil dieser Einschätzung angeschlossen (Az.: 1 K 2078/15). In dem Fall ging es darum, ob Behandlungskosten nach einem Autounfall auf der Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen werden können. Für das Finanzgericht war die Sache klar: Die Kosten im Zusammenhang mit dem Autounfall – unter anderem für eine Reha-Therapie, Ärztebesuche sowie Apotheke – seien als außergewöhnliche Aufwendungen durch die Entfernungspauschale abgegolten.

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