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29.01.2010

09:00 Uhr

Personensuchmaschinen

„Müller“ und „Schmitz“ unter Porno-Verdacht

VonThomas Hoeren

Personensuchdienste durchforsten das Internet systematisch nach Informationen über Menschen und setzen diese zu Persönlichkeitsprofilen zusammen. Benutzt werden diese Dienste viel von Personalabteilungen und Headhuntern. Persönlichkeitsrechte bleiben dabei mitunter auf der Strecke.

Website der Personensuchmaschine Yasni.de: Der Anbieter durchforstet das Web nach öffentlich zugänglichen Informationen.

Website der Personensuchmaschine Yasni.de: Der Anbieter durchforstet das Web nach öffentlich zugänglichen Informationen.

MÜNSTER. Sie spähen Leute im Netz aus und geraten damit auch in Deutschland ins Visier der Justiz: Personensuchmaschinen sammeln aus vielen Internetnischen Informationen zu einem Menschen und setzen diese zu Persönlichkeitsprofilen zusammen. In Deutschland führend sind die Anbieter Yasni.de und 123people.de, in den USA sind es Reunion und Spock.com. Daneben gibt es Sonderdienste - etwa Criminalsearches.com, wo verurteilte Straftäter jeder Art aufzuspüren sind.

Benutzt werden diese Dienste viel von Personalabteilungen und Headhuntern, die sich mit ihrer Hilfe ein Bild von der digitalen Selbstvermarktung eines künftigen Mitarbeiters machen. Die Polizei empfiehlt den Blick in solche Datensammlungen sogar, um Betrügereien im Web vorzubeugen.

Ab 49 Euro im Monat bietet Yasni zum Beispiel einen Premium-Check. Zahlende Nutzer können permanente Suchaufträge etwa über Konkurrenten aufgeben, werden alarmiert, wenn neue Beiträge über die Person online gestellt werden und erhalten die Yasni-Dossiers als gut weiterverwertbare PDF- oder Excel-Datei. Und sie können anonym suchen. Ausgewertet wird alles, was im Netz vorhanden ist. Selbst die Bücherwunschlisten von Amazon werden transparent gemacht - was schon manchen Kopf und Kragen gekostet hat. Auch Firmendatenbanken wie Genios und Nachspänne von Filmen werden durchforstet.

Datenmülll durch Suchmaschinen

Die Internetszene ist darüber sehr verärgert. Kritisiert wird vor allem, dass diese Portale vorhandene Inhalte nutzen und insofern mit der Investition und dem Rechercheaufwand Dritter Geld machen. Auch die Qualität der Daten wird kritisiert, da über Menschen mit häufigen Namen Profile erstellt werden, die schlichtweg der Wirklichkeit nicht entsprechen. So gerät ein "Müller" und "Schmitz" schnell in den Verdacht, etwas mit der Pornoszene oder Kredithaien zu tun zu haben. Auch der Datenmüll, den solche Personensuchmaschinen generieren, wird kritisiert.

Für Menschen mit prägnanteren Nachnamen sind die Angebote ein Ärgernis, da sie komplette Persönlichkeitsprofile erstellen können. Datenschützer wittern hier ein heikles Thema, da die Ergebnisse der Suche zwar nur allgemein zugängliche Daten betreffen, diese aber zu komplexen Personenbeschreibungen aufbereitet werden.

Es verwundert daher nicht, dass es erste gerichtliche Verfahren gibt. Zentral ist ein Urteil des Landgerichts Köln vom 17. Juni 2009 (Az.: 28 O 662/08). Hier hatte sich jemand dagegen zur Wehr gesetzt, dass bei 123people auch Fotos zu finden waren - Ablichtungen, die es von ihm auf Facebook gab, sowie aus einer Stadtanzeiger-Website.

Kommentare (6)

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yasni

29.01.2010, 13:53 Uhr

ich möchte darauf hinweisen, dass es sich bei dem zitierten "Urteil" des OLG Hamm um eine Einstweilige Verfügung handelt, die ausschließlich eine vorgebrachte angebliche "Optimierung via Seiten ohne jeglichen sichtbaren inhalt" betrifft, zu dem niemals Hauptsacheverfahren eingeleitet wurde und das dem unter dem angegeben Link dargestellten Sachverhalt nicht das Geringste zu tun hat. Jeder Nutzer von Yasni weiß, dass wir keine "Seiten ohne sichtbaren inhalt" für Google zugänglich machen (schließlich wird auch in obenstehendem Artikel exakt das Gegenteil kritisiert). Mit einer kurzen Recherche hätte man das sicherlich differenzierter und richtig aufbereiten können (inkl. der Meinung der "internetgemeinde"). Dann hätte man auch noch z.b. http://www.dr-bahr.com/news/yasnide-nicht-zur-vorbeugenden-pruefungspflicht-fuer-rechtsverletzungen-dritter-verpflichtet.html gefunden.

aruba

29.01.2010, 16:25 Uhr

Guten Tag,.... Na den moechte ich sehen, der noch nie im internat nackige Maeuschen betrachtet hat. Ob Winkeladvokat oder Rechtsverdreher. besten Dank

123people

02.02.2010, 18:29 Uhr

123people ist ein kostenloses Service zur Echtzeit-Personensuche, das zum Zeitpunkt der Anfrage im internet frei zugängliche, öffentlich verfügbare informationen zu einem Namenspaar liefert. Unser Suchservice hilft Online-Nutzern herauszufinden, welche Daten über sie im internet öffentlich verfügbar sind. Erstmals können auch Leute mit weniger interneterfahrung auf einfache und übersichtliche Art und Weise ihre Online-Präsenz überwachen und kontrollieren.

123people stellt keine informationen zu Profilen zusammen. Die finale Zuordnung gefundener informationen und die bewertung ihrer Relevanz erfolgt durch den Nutzer selbst. Je geläufiger ein Namenspaar ist, desto ungenauer kann das Suchergebnis sein.

Uns ist keine Person bekannt, die auf Grund einer Suche auf 123people um „Kopf und Kragen“ gekommen wäre. Ganz im Gegenteil, 123people demokratisiert die Namenssuche im internet, weil nun jeder schnell und einfach prüfen kann, welche persönlichen informationen online zu finden sind.

Diese Suche steht am beginn des so genannten eReputation Managements, dem bewussten Organisieren der persönlichen information im internet. Sämtliche informationen, die 123people findet, sind bereits öffentlich im internet verfügbar, wurden aber bisher oft nur von Profis, die über ein entsprechendes Suchmaschinen-Know-how verfügten, gefunden.

Wer seinen digitalen Fußabdruck kennt, kann ihn auch formen. Genau das wissen auch die meisten internet-Nutzer. in den letzten zwei Jahren haben über 230 Millionen Unique User mit 123people gesucht. Das positive User-Feedback, welches wir erhalten, spricht eine deutliche Sprache. Eine „verärgerte internetszene“ können wir beim besten Willen nicht erkennen.

Das von Herrn Hoeren zitierte Kölner Urteil ist in der berufungsphase, wobei anzumerken ist, dass nicht 123people, sondern die Gegenseite berufen hat. Wir würden eine fundierte Recherche zu Gerichtsverlautbarungen zu solchen wichtigen Themen begrüßen. im Übrigen hat 123people zur Verwendung von bildern aus Social Networking Profilen bereits Recht bekommen.

Technologische Entwicklungen sind stets den rechtlichen Vorgaben einen Schritt voraus. Das Team von 123people ist sich der Verantwortung, die mit der Verbreitung dieser Suchtechnologie verbunden ist, bewusst. Unser oberstes Ziel ist es, eine balance zwischen Produktnachfrage und rechtlichen Rahmenbedingungen zu finden.

Wir wünschen den zufriedenen 123people Nutzern weiterhin erfolgreiches Suchen. Konstruktive Anregungen und Feedback zu unserem Service sind uns jederzeit sehr willkommen!

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