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08.05.2015

16:01 Uhr

Phoenix-Anlagebetrug

Geprellte werden nach zehn Jahren entschädigt

Die Entschädigung der 30.000 betrogenen Anleger des Optionshändlers Phoenix Kapitaldienst war ein jahrelanger juristischer Hickhack. Zehn Jahre lang mussten die geprellten Investoren warten. Nun bekommen sie Geld zurück.

In einem der größten deutschen Fälle von Anlagebetrug waren mehr als 30.000 Anleger um rund Hunderte Millionen Euro betrogen worden. dpa

Insolvenz mit kriminellem Hintergrund

In einem der größten deutschen Fälle von Anlagebetrug waren mehr als 30.000 Anleger um rund Hunderte Millionen Euro betrogen worden.

FrankfurtMehr als zehn Jahre nach der Pleite der Anlagefirma Phoenix Kapitaldienst sollen die geprellten Investoren einen Teil ihres Geldes zurückbekommen. Insolvenzverwalter Frank Schmitt kündigte am Freitag auf einer Gläubigerversammlung in Frankfurt an, dass im Sommer rund 230 Millionen Euro ausgezahlt worden – das sind 36 Prozent der Forderungen der Anleger und anderer Gläubiger. „Das ist erstaunlich für ein Insolvenzverfahren“, sagte Schmitt der Nachrichtenagentur Reuters. Normal sind Insolvenzquoten von drei bis fünf Prozent. Phoenix hatte über Jahre mehr als 30.000 Anleger mit einem Schnellballsystem hinters Licht geführt. Es ist eine der größten Insolvenzen Deutschlands mit kriminellen Hintergrund.

Erst nach einen Flugzeugabsturz des Alleingesellschafters war ans Licht gekommen, dass Phoenix das Geld nur zum kleinen Teil wie versprochen an Terminbörsen angelegt hatte. Die entsprechenden Kontoauszüge eines Londoner Brokers, auf denen hohe Gewinne ausgewiesen wurden, waren gefälscht. Dass der Großteil stattdessen auf Konten im In- und Ausland geparkt oder an Vermittler ausgezahlt hatte, war selbst Wirtschaftsprüfern nicht aufgefallen.

Phoenix hatte die Anleger mit Renditen von bis zu 20 Prozent geködert. Darauf fielen auch Akademiker und Finanzprofis herein. „Wenn man irgendwo Geld anlegt, sollte man das Geschäftsmodell verstehen“, sagte Schmitt, der für die Insolvenzverwalter-Kanzlei Schubra arbeitet.

So legen deutsche Haushalte an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. 2014 machte der Posten einen Anteil von 39,2 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. 2014 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 38,2 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Andere Fonds

Fonds die nicht ausschließlich in Aktien investieren, sind bei den deutschen Anlegern eher gefragt. 5,8 Prozent machte ihr Anteil 2014 aus. Trotzdem ist der Wert seit 2001 zurückgegangenen, damals lag er noch bei 8,4 Prozent.

Sonstige Anteilsrechte

Der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen ist ebenfalls zurückgegangen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte noch 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2014 lag der Anteil bei lediglich 5,4 Prozent.

Aktien

Das in Aktien investierte Vermögen der deutschen Haushalte ist über die Jahre zurückgegangen. 2014 legten die deutschen Haushalte 4,5 Prozent ihres Vermögens in Aktien an. 2001 lag der Anteil noch bei 5,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. Im vergangenen Jahr ging die Quote auf 3,4 Prozent zurück.

Aktienfonds

Auch die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit verloren. Nur 2,8 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Dass sich das Verfahren so lange hingezogen hat, erklärte Schmitt mit der Komplexität der Materie. „Wir hatten mit einer sehr hohen Zahl an Geschädigten zu tun und mit einem betrügerischen Schneeballsystem.“ 40 Millionen Euro holte der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben vom Finanzamt zurück, bei dem die Scheingewinne versteuert worden waren, weitere 40 Millionen kamen durch die Zinsen auf das sichergestellte Geld zusammen. Auch Phoenix-Anleger, die mehr Geld erhalten hatten als sie einzahlten, mussten die Scheingewinne zurückgeben. Von 2000 Verfahren, von denen einige sogar beim Bundesgerichtshof landeten, seien immer noch mehr als 100 nicht abgeschlossen, sagte Schmitt.

Von

rtr

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