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19.03.2012

14:32 Uhr

Preiserhöhungen

Der Strom in Deutschland wird teurer

Stromkunden drohen höhere Kosten. Ab April erhöhen mehr als 100 Versorger ihre Preise. Allein durch steigende Netzentgelte soll sich der Haushaltsstrom in den nächsten Jahren um fünf bis sieben Prozent erhöhen.

Der Strom wird teurer - Schuld sind unter anderem steigende Netzentgelte. dpa

Der Strom wird teurer - Schuld sind unter anderem steigende Netzentgelte.

DüsseldorfDeutsche Verbraucher müssen sich auf höhere Strompreise einstellen. So schätzt die Bundesnetzagentur, dass sich der Haushaltsstrom in den kommenden Jahren wegen steigender Netzentgelte verteuern wird. Allein durch diese Kosten zur Finanzierung der Infrastruktur könnte der Strompreis um fünf bis sieben Prozent steigen, heißt es in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Unterstellt wird dabei eine Steigerung der Netzentgelte um 16 bis 24 Prozent.

Netzentgelte machen derzeit etwa ein Viertel des Strompreises aus. Sie zählen zu den drei großen Faktoren, die den Strompreis bestimmen. Großen Einfluss haben daneben auch Steuern und Abgaben sowie Kosten für die Strombeschaffung. Netzentgelte sind die Kosten für den Transport und die Verteilung des Stroms. Gezahlt werden sie von den Verbrauchern beziehungsweise den Stromlieferanten an die Netzbetreiber.

Höhere Netzentgelte treiben Strompreis nach oben

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Gut ein Drittel machen Energiebeschaffung und Vertrieb aus, heißt es im Monitoringbericht 2011 der Bundesnetzagentur. Die Steuern liegen derzeit bei 25 Prozent, hinzu kommen die Umlage des Erneuerbare-Energie-Gesetzes und weitere staatliche Abgaben (zusammen 16 Prozent). Das Netto-Netzentgelt macht 21 Prozent aus, plus Kosten für Abrechnung und Messungen (3 Prozent). Im Jahr 2011 kostete eine Kilowattstunde den Haushaltskunden 25,45 Cent, knapp zwei Cent mehr als ein Jahr zuvor. 2006 lag der Preis noch bei 18,93 Cent.

Was genau sind denn Netzentgelte?

Hinter dem Begriff Netzentgelte verbergen sich die Kosten für den Transport und die Verteilung des Stroms. Die für die Genehmigung zuständige Bundesnetzagentur geht in den jetzt bekanntgewordenen Hochrechnungen davon aus, dass sie in den kommenden Jahren um 16 bis 24 Prozent steigen werden. Hauptursache ist der teure Ausbau der Netze, um sie besser auf den Transport von Strom aus erneuerbaren Energieb auszurichten. Die Netzentgelte machen zusammengenommen heute bereits rund ein Viertel des Strompreises aus. Sie werden von den Verbrauchern beziehungsweise den Stromlieferanten an die Netzbetreiber gezahlt.

Kann man sich von den Netzentgelten befreien lassen?

Seit August gilt die neue Stromnetzentgeltverordnung. Paragraf 19 befreit Unternehmen mit einem hohen Verbrauch fast komplett von den Netzgebühren - und das rückwirkend für das laufende Jahr. Unternehmen, die mindestens 7000 Stunden pro Jahr am Netz hängen und mehr als zehn Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen, müssen gar keine Netzentgelte mehr zahlen. Ab einem Stromverbrauch von 100 000 Kilowattstunden pro Jahr sinken die Netzkosten bereits so deutlich, dass tausende Unternehmen nicht wie die Verbraucher den vollen Preis zahlen müssen. Mehr als 1600 Unternehmen - darunter auch aus dem Lebensmittelhandel, Hotels und Gaststätten - haben laut Bundesnetzagentur bereits einen Antrag auf Ermäßigung gestellt. Die Behörde erwartet, dass die Rabatte zusammengerechnet mehr als 400 Millionen Euro ausmachen werden. Der Betrag wird auf alle übrigen Stromkunden umgelegt.

Warum gibt es diese Rabattangebote?

Dass die deutsche Industrie international wettbewerbsfähig sein müsse, sei völlig klar, meint Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Dass aber nun auch Hotels und Gaststätten davon profitieren, könne er nicht nachvollziehen. Da sei im vergangenen Jahr etwas „völlig aus dem Ruder gelaufen“.

Kann man sich durch langfristige Verträge schützen?

Das komme auf das Kleingedruckte im Vertrag an, sagt Sieverding. Allgemein rät er, sich zu informieren und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Nicht alle gäben solche Preisentwicklungen sofort an die Kunden weiter.

Sie können - zum Beispiel für Großkunden - auch individuell festgelegt werden, müssen aber „angemessen, diskriminierungsfrei und transparent“ sein. Genehmigt werden sie von der Bundesnetzagentur oder den Ländern. Wegen des Trends hin zu erneuerbaren Energien müssen die Netze ausgebaut werden, was auch zu höheren Kosten führt.

Für Investitionen in neue Stromautobahnen sollen laut dem Bericht zwischen knapp 30 und 47,5 Milliarden Euro benötigt werden. Für Industriestrom soll eine Erhöhung der Netzentgelte um bis zu 54 Prozent und eine Strompreissteigerung von bis zu acht Prozent absehbar sein. Stark angestiegen seien zwischenzeitlich die Anträge auf Ermäßigung oder Befreiung von den Netzentgelten. Dies sei insbesondere in den energieintensiven Industriezweigen wie Chemie, Metall oder Glas möglich, aber auch im Lebensmittelhandel, für Hotels, Gaststätten und Rechenzentren.

Die Energiewende werde zwangsläufig „zu einer weiteren Erhöhung der Netzentgelte und damit des Strompreises führen“, heißt es dem Blatt zufolge in einem Bericht für die Sitzung des politischen Beirats der Bundesnetzagentur am Montag.

Kommentare (47)

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Account gelöscht!

19.03.2012, 14:40 Uhr

Ein wesentlicher Teil der Erhöhungen ist auch dem Umstand geschuldet, daß die Industrie und dort besonders Großkunden keine Belastungen tragen!
Ferne wurden in den vergangenen Jahren Teile der Einnahmen die für den Netzausbau verlangt wurden, in den Gewinn gesteckt. Nun sollen die Kunden den netzausbau ein weiteres Mal bezahlen.

Endkunde

19.03.2012, 14:55 Uhr

Das Problem ist, das es im Strommarkt keinen echten Wettbewerb gibt und daher muss der kunde die Zeche zahllen wenn die Infrastruktur, etc. ausgebaut bzw. modernisiert werden muss. Ganz anderst ist es im TelekommunikationsmarktFestnetzt bzw. Mobilfunk. Da wird die Minute immer günsitger, Voice und datenflats, etc für nen appel und nen Ei. da müssen die Netztbetrieber aber auch Milliarden in ihre Netze investieren, trotzdem fällt der Telefon- und Daten minutenpreis gegen Null. warum, das nennt man Wettbewerb bzw. da werden auch die Lieferanten der TK-Netze wie eine Ericsson, Nokia Siemens, alcatel, etc. mit ins Boot genommen. Im TK-markt ist der Kunde König, im Energiemarkt wie Strom und gas ist der Kunde der Depp und die Energieriesen verdienenen sich dumm und dämlich. Da müsste die regierung eintreten und regulieren, so wie im TK-Markt auch, aber das tut die regierung nicht. Da hängt ja acuh zuviel Lobby dran. Verkehrte Welt....:-(

Merica

19.03.2012, 15:01 Uhr

Für die Explosion der Stromkosten gibt es nur einen Grund: Die Fukushima-Hysteriker und der übereilte Ausstieg aus der Atomkraft, die nun teuer exportiert wird. Auch die Industrieschelte ist hier fehl am Platz, den gerade energieintensive Unternehmen (sprich "Arbeitsplätze") ziehen bereits die Konsquenzen aus der hirnrissigen Energieplanwirtschafts-Misere und wandern ab. Danke, ihr durchgeknallten Pseudo-Moralisten und Bedenkenträger!

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