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04.04.2012

15:44 Uhr

Preiserhöhungen

Für Millionen Deutsche wird der Strom teurer

Das laufende Jahr entwickelt sich zum Jahr der Strompreiserhöhungen. Die Hälfte der 850 Grundversorger hat bereits die Preise angehoben. Jetzt folgen weitere, darunter Deutschlands größter Energiekonzern.

Ab Juni müssen mehrere Millionen Eon-Kunden durchschnittlich fünf Prozent mehr bezahlen dpa

Ab Juni müssen mehrere Millionen Eon-Kunden durchschnittlich fünf Prozent mehr bezahlen

DüsseldorfDie Welle der Strompreiserhöhungen geht weiter. Von Juni an müssen mehrere Millionen Eon-Kunden durchschnittlich fünf Prozent mehr bezahlen. „Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3.000 Kilowattstunden bedeutet das in der Grundversorgung Mehrkosten von durchschnittlich 3,70 Euro monatlich“, bestätigte Eon-Sprecher Roland Schilhab am Mittwoch in München. Neben Eon erhöhen nach Angaben des Verbraucherportals Check24 weitere zwei Dutzend Gesellschaften im Mai oder im Juni die Preise um 3,5 bis 4 Prozent.

Höhere Netzentgelte treiben Strompreis nach oben

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Gut ein Drittel machen Energiebeschaffung und Vertrieb aus, heißt es im Monitoringbericht 2011 der Bundesnetzagentur. Die Steuern liegen derzeit bei 25 Prozent, hinzu kommen die Umlage des Erneuerbare-Energie-Gesetzes und weitere staatliche Abgaben (zusammen 16 Prozent). Das Netto-Netzentgelt macht 21 Prozent aus, plus Kosten für Abrechnung und Messungen (3 Prozent). Im Jahr 2011 kostete eine Kilowattstunde den Haushaltskunden 25,45 Cent, knapp zwei Cent mehr als ein Jahr zuvor. 2006 lag der Preis noch bei 18,93 Cent.

Was genau sind denn Netzentgelte?

Hinter dem Begriff Netzentgelte verbergen sich die Kosten für den Transport und die Verteilung des Stroms. Die für die Genehmigung zuständige Bundesnetzagentur geht in den jetzt bekanntgewordenen Hochrechnungen davon aus, dass sie in den kommenden Jahren um 16 bis 24 Prozent steigen werden. Hauptursache ist der teure Ausbau der Netze, um sie besser auf den Transport von Strom aus erneuerbaren Energieb auszurichten. Die Netzentgelte machen zusammengenommen heute bereits rund ein Viertel des Strompreises aus. Sie werden von den Verbrauchern beziehungsweise den Stromlieferanten an die Netzbetreiber gezahlt.

Kann man sich von den Netzentgelten befreien lassen?

Seit August gilt die neue Stromnetzentgeltverordnung. Paragraf 19 befreit Unternehmen mit einem hohen Verbrauch fast komplett von den Netzgebühren - und das rückwirkend für das laufende Jahr. Unternehmen, die mindestens 7000 Stunden pro Jahr am Netz hängen und mehr als zehn Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen, müssen gar keine Netzentgelte mehr zahlen. Ab einem Stromverbrauch von 100 000 Kilowattstunden pro Jahr sinken die Netzkosten bereits so deutlich, dass tausende Unternehmen nicht wie die Verbraucher den vollen Preis zahlen müssen. Mehr als 1600 Unternehmen - darunter auch aus dem Lebensmittelhandel, Hotels und Gaststätten - haben laut Bundesnetzagentur bereits einen Antrag auf Ermäßigung gestellt. Die Behörde erwartet, dass die Rabatte zusammengerechnet mehr als 400 Millionen Euro ausmachen werden. Der Betrag wird auf alle übrigen Stromkunden umgelegt.

Warum gibt es diese Rabattangebote?

Dass die deutsche Industrie international wettbewerbsfähig sein müsse, sei völlig klar, meint Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Dass aber nun auch Hotels und Gaststätten davon profitieren, könne er nicht nachvollziehen. Da sei im vergangenen Jahr etwas „völlig aus dem Ruder gelaufen“.

Kann man sich durch langfristige Verträge schützen?

Das komme auf das Kleingedruckte im Vertrag an, sagt Sieverding. Allgemein rät er, sich zu informieren und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Nicht alle gäben solche Preisentwicklungen sofort an die Kunden weiter.

Die Preiswelle ist bereits weit fortgeschritten. Bislang haben nach Informationen des Portals Toptarif die Hälfte der 850 Anbieter seit Jahresbeginn die Preise erhöht. 3,2 Millionen direkte RWE-Kunden bleiben noch verschont. RWE habe noch keine Beschlüsse gefasst, sagte ein Sprecher. Bis mindestens zur Jahresmitte würden die Preise stabil bleiben. Neben den 3,2 Millionen Direktkunden hat der größte deutsche Stromerzeuger noch 3,7 Millionen Kunden über Beteiligungen. Eine dieser Beteiligungen sind die Lechwerke in Bayern. Sie erhöhen zum Mai um 3,92 Prozent.

Bei Eon heben sechs der sieben Regionalgesellschaften die Preise an. Betroffen sind die meisten der rund sechs Millionen Kunden. Die siebte Gesellschaft, die Eon Thüringer Energie AG, bleibt bei ihren Preisen, weil sie für das gesamte Jahr eine Preisgarantie abgegeben habe, so Toptarif.

Desertec - Strom aus der Wüste

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Eon-Sprecher Schilhab begründete die Erhöhungen unter anderem mit dem steigenden Anteil an umweltfreundlich erzeugtem Strom und gestiegenen Netzentgelten. Nach einer Onlinebefragung von 10.000 Stromkunden in 19 Ländern - überwiegend in Westeuropa aber auch den USA - wollen 25 Prozent den Stromanbieter wechseln oder ziehen dies ernsthaft in Erwägung. Bei den 500 in Deutschland befragten Verbrauchern liegt die Quote laut Studie des Dienstleisters Accenture bei 35 Prozent. Belgien folge mit 31 Prozent.

Von

dpa

Kommentare (7)

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DerWahreWutbuerger

04.04.2012, 16:03 Uhr

tja, der Wutbürger wollte die Energiewende und darf jetzt als Dummbürger die Kosten tragen.
Hat jemand geglaubt , dass die Kamikazeenergiepolitik der Politiker für lau zu haben sein wird ?

norbert

04.04.2012, 16:57 Uhr

Anstieg der Netzentgelte und der Sonderkundenumlage auf den Gesamtpreis (brutto) bezogen, ergibt eine Strompreiserhöhung von rund 2 Prozent, was deutlich unter den angekündigten Preisanstiegen von durchschnittlich 4 Prozent liegt. An den Netzgebühren allein kann es also nicht liegen. Die EEG-Umlage ist für das Jahr 2012 kaum angestiegen. Die Strombeschaffungskosten ( also das, was die Kraftwerksbetreiber verdienen wollen ), sind laut Statistischem Bundesamt für StromVERSORGER zwischen Februar 2011 und Februar 2012 sogar um durchschnittlich 8,6 Prozent gesunken.
Ja, wieso wird der Stom dann teurer ?
Denken wir doch mal kaufmännisch, statt ideologisch.
Die Dummen dreschen wieder auf die Ökos ein und die Versorger lachen sich tot ...

Crash

04.04.2012, 17:01 Uhr

DerWahreWutbürger

Falsch !
Die Chaos-Grünen und Öko-Chaoten wollten den Atomausstieg .
Um den vorgenannten Gruppen zuvor zukommen ist dann auch
Merkel mit ihrer Atompolitik umgefallen .

Warum organisiert der Wutbürger keinen Straßenprotest ?

Der Wutbürger ist auch nur ein Schlafbürger .Große Sprüche ,aber keine Organisation .

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