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27.06.2012

15:18 Uhr

Private Stromerzeugung

So sparen Sie mit der Solaranlage Steuern

VonKatharina Schneider

Wer mit einer Photovoltaikanlage selbst Strom erzeugt, spart nicht nur Stromkosten. Wenn er einen Teil des Stroms an den Netzbetreiber verkauft, spart er auch Steuern - und wird zum Unternehmer.

Wer Strom erzeugt und verkauft, wird zum Unternehmer. dpa

Wer Strom erzeugt und verkauft, wird zum Unternehmer.

DüsseldorfWer eine Photovoltaikanlage hat und damit selbst Strom erzeugt, ist weniger abhängig von den Energiekonzernen und den stetig steigenden Strompreisen. Das klingt einfach, doch sobald der Anlagenbetreiber den Strom nicht nur selbst nutzt, sondern mindestens zehn Prozent in das öffentliche Netz einspeist, gibt es einige steuerliche Regeln zu beachten.

Wer Strom an den Netzbetreiber verkauft, wird aus steuerlicher Sicht zum Unternehmer – mit einigen Pflichten, aber auch zahlreichen Rechten und sogar finanziellen Vorteilen. Wie jede gewerbliche Tätigkeit muss auch der Verkauf von Strom an das Finanzamt gemeldet werden. Dafür gibt es den sogenannten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.

Kauftipps zur Photovoltaikanlage

Wo finde ich die passende Anlage?

„Einen guten Installateur findet man am besten auf Empfehlung von Nachbarn oder Bekannten, die bereits eine Photovoltaikanlage angebracht haben und zufrieden sind“, sagt Holger Schneidewindt, Experte für Energierecht bei der Verbraucherzentrale NRW.

Wie viele Jahre Gewährleistung gibt es auf die Anlage?

Für Photovoltaikanlagen gilt grundsätzlich die gesetzliche Gewährleistungszeit von zwei Jahren. Ist die Anlage jedoch nicht auf den Dachpfannen montiert, sondern Teil des Daches (In-Dach-Anlagen), verlängert sich die Gewährleistungszeit auf fünf Jahre. In dieser Zeit muss der Installateur für den einwandfreien Betrieb und Mangelfreiheit der einzelnen Komponenten einstehen.

Welche Garantien geben die Hersteller?

Die Hersteller geben teils eigene Garantien auf ihre Module von bis zu 30 Jahren. „Bei den Garantien der Hersteller sollte der Verbraucher aber sehr genau hinschauen, insbesondere welche Kosten das Unternehmen tatsächlich trägt und worauf der Kunde selbst sitzen bleibt“, sagt Schneidewindt. Zumindest die Kostenklausel in den Garantiebedingungen gehöre deshalb vor Abschluss des Vertrags zur Pflichtlektüre.

Was passiert bei Aufkauf des Modulherstellers?

Wird der Modulhersteller  von einem anderen Unternehmen aufgekauft, weil er beispielsweise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt oder sogar schon einen Insolvenzantrag gestellt hat, gehen auch die Garantiepflichten gegenüber dem Kunden auf den neuen Eigentümer über. „Wenn ein Hersteller nur seine Niederlassung in Deutschland aufgibt, bleiben die Ansprüche der Kunden zwar weiter bestehen“, sagt Holger Schneidewindt. Dann sei es allerdings schwieriger, diese durchzusetzen.

Was passiert bei einer Pleite des Modulherstellers?

Ist der Hersteller pleite und wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, haben die Kunden schlechte Karten. „Sie sollten den Gang des Insolvenzverfahrens beobachten und etwaige Garantieansprüche beim zuständigen Insolvenzverwalter anmelden“, empfiehlt Verbraucherschützer Schneidewindt. Zu große Hoffnungen solle man sich aber nicht machen.

Welchem Hersteller kann ich vertrauen?

Der Solarbranche geht es insgesamt nicht gut. „Verbraucher sollten sich daher gut überlegen, von welchem Hersteller sie die Solarmodule für ihre Anlage kaufen. Eine Gewissheit, dass es das Unternehmen – ob groß oder klein – auch in zwanzig Jahre noch geben wird, gibt es zwar nicht. „Man kann sich aber zumindest über die aktuelle Verfassung der Unternehmen und ihre Unternehmensstruktur informieren und damit das Ausfallrisiko reduzieren.“, sagt Verbraucherschützer Schneidewindt. Außerdem haben einige Modulhersteller Rückversicherungen abgeschlossen, die bei einer Pleite einspringen. Aber auch hier sollte man die Versicherungsbedingungen gut lesen.

Schon bei der Anschaffung der Anlage lassen sich Steuern sparen. Wichtig ist dabei die Frage, ob die Anlage in das Dach oder auf das Dach montiert wird. Zwar werden mittlerweile alle Anlagen als selbstständige bewegliche Wirtschaftsgüter bewertet und müssen deshalb über einen Zeitraum von 20 Jahren abgeschrieben werden. Und seit dem Jahr 2011 ist dies nur noch linear möglich – also jährlich mit einem Zwanzigstel des Anschaffungspreises.

Trotzdem gibt es bei der In-Dach-Variante eine steuerliche Besonderheit: Da die Anlage quasi die Dacheindeckung ersetzt, können die Kosten, die ohne Photovoltaikanlage für die Eindeckung entstehen würden, den Herstellungskosten des Gebäudes zugeordnet werden. Somit müssen sie zusammen mit dem Gebäude abgeschrieben werden (Beispielrechnung siehe Kasten).

Wer für die Anschaffung der Anlage eine Förderung der KfW-Bank bekommt, kann diese entweder als Betriebseinnahme verbuchen oder damit die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Abschreibung mindern. „In der Regel ist es günstiger, wenn die Förderung die Abschreibungsrate senkt“, sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. „Wer im Jahr der Anschaffung jedoch ein geringeres Einkommen hat als gewöhnlich, sollte den Zuschuss sofort versteuern.“

Steuertipps zur Solaranlage

Bemessungsgrundlage für die Abschreibung

Um die jährliche Abschreibung feststellen zu können, muss zunächst die Bemessungsgrundlage errechnet werden. Darein fließen: Kosten der Anlage oder die Module, Montage der Anlage, Planungs- und Transportkosten sowie Kosten für die Abnahme der Anlage.

Besonderheit bei In-Dach-Montage

Die Anschaffung und Montage der Anlage kostet 14.000 Euro, die Eindeckung würde 6.000 Euro kosten. Als Kosten für die Photovoltaikanlage müssen nur 8.000 Euro abgeschrieben werden, 6.000 Euro müssen jedoch als Herstellungskosten dem Gebäude zugeordnet werden.

Lineare Abschreibung

Wenn die Anschaffungskosten für eine Photovoltaikanlage insgesamt 10.000 Euro betragen, ergibt sich bei einem Abschreibungszeitraum von 20 Jahren ein jährlicher Abschreibungsbetrag von 500 Euro. Wird die Anlage beispielsweise erst im August in Betrieb genommen, dürfen für dieses Jahr jedoch nur 5/12 des Jahresbetrags abgeschrieben werden.

Versteuerung des Eigenverbrauchs

Wer Umsatzsteuer ausweist, muss auch auf den selbst verbrauchten Strom Umsatzsteuer zahlen, angenommen werden 0,18 Euro pro Kilowattstunde. Wer also pro Jahr 2.000 Kilowattstunden Strom selbst verbraucht, muss 68,40 Euro (2.000 kWh x 0,18 Euro/kWh x 19 Prozent) zahlen.

Auch Kosten, die während des Betriebs der Anlage entstehen, können als Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Dazu gehören etwa Reparatur- und Wartungskosten sowie Versicherungsgebühren. „Es zählen aber nur die Kosten, die auf die Herstellung des verkauften Stroms entfallen“, sagt Anita Käding, Steuerexpertin vom Bund der Steuerzahler. Wer beispielsweise 40 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzt, muss auch 40 Prozent der Kosten selbst tragen und kann diese steuerlich nicht berücksichtigen. „Kosten für die Reparatur der Anlage sind zudem sofort abzugsfähig, eine Abschreibung über mehrere Jahre ist nicht nötig“, sagt Markus Deutsch.

Gewerbesteuer müssen Privatpersonen für ihre Einkünfte aus der Photovoltaikanlage in der Regel nicht zahlen, es sei denn ihr Gewerbeertrag liegt über dem Freibetrag von 24.500 Euro. „In Einzelfällen kann es aber passieren, dass das Finanzamt dennoch eine Gewerbesteuererklärung verlangt“, sagt Käding. Dann muss der Anlagebetreiber die Erklärung auch vorlegen und kann damit zeigen, dass er den Freibetrag nicht überschritten hat.

Kommentare (1)

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hansalot

28.06.2012, 07:36 Uhr

Nach Sachlage ist die Abgabenordnung (AO) von 1977, die das Finanzamt für die Einkommenssteuer und andere Steuerarten zugrunde legt, gar nicht gültig. Warum weiß das niemand? Und warum reagiert niemand darauf?

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