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03.09.2015

13:33 Uhr

Privatkunden zahlen weniger

Die Strompreis-Wende

Strom ist erstmals seit 15 Jahren im Durchschnitt wieder etwas günstiger für private Endverbraucher. Der Preissturz auf dem am Großhandelsmarkt kommt allerdings nicht bei den Kunden an. Die Einsparungen sind minimal.

Die Preise für Strom sinken leicht. obs

Netzleitstelle

Die Preise für Strom sinken leicht.

BerlinDer Strompreis in Deutschland ist in diesem Jahr um 1,4 Prozent im Vergleich zu 2014 zurückgegangen. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahle derzeit knapp 84 Euro im Monat für Strom, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Donnerstag in Berlin. Im vergangenen Jahr waren es rund 85 Euro gewesen.

Dass sich die an den Strombörsen gefallenen Preise nicht stärker auf den Endpreis auswirken, erklärte der BDEW mit dem immer noch hohen Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen am Strompreis. Diese machten weiterhin 52 Prozent des Strompreises aus, erklärte der BDEW unter Berufung auf eine aktuelle Analyse. Die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien ist in diesem Jahr erstmals seit ihrer Einführung im Jahr 2000 zurückgegangen, allerdings nur geringfügig von 6,24 Cent auf 6,17 Cent pro Kilowattstunden.

So vergleichen Sie richtig

Tipps der Verbraucherzentrale

Vergleichsrechner im Internet sind eine sinnvolle Hilfe bei der Suche nach einem günstigen Stromtarif. Die Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps, wie Verbraucher die Rechner richtig nutzen.

Mehrere Preisrechner nutzen

Im Internet finden sich zwar etliche Vergleichsrechner, viele davon greifen aber auf dieselben Preis-Datenbanken zurück. Die größte Transparenz verschafft sich, wer parallel bei verschiedenen Anbietern sucht wie zum Beispiel Verivox, Check 24, Toptarif oder Mut-zum-Wechseln.

Voreinstellungen bewusst wählen

In vielen Eingabemasken sind bestimmte Suchkriterien voreingestellt. Wer mehrere Rechner nutzt, sollte immer dieselben Einstellungen wählen. Die Verbraucherzentrale rät, Angebote mit Vorkasse oder Kaution von der Suche auszuschließen. Auch Boni sollte man zunächst ausblenden, um den Preisvergleich nicht zu verzerren.

Hervorgehobene Angebote hinterfragen

Zurzeit finden sich bei manchen Vergleichsrechnern hervorgehobene Angebote ganz oben in der Ergebnisliste, beim Preisrechner Verivox etwa heißen sie „Tipp“, gleichzeitig sind sie als „Anzeige“ ausgewiesen. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass bezahlte Anzeigen in Preisrechnern oft nicht deutlich genug markiert sind. Für Verbraucher ist in vielen Fällen nicht erkennbar, aus welchem Grund manche Angebote besonders empfohlen werden.

Nicht nur auf den Preis schauen

Wer bei der Suche den billigsten Anbieter wählt, kann später Probleme bekommen. Bei der Verbraucherzentrale häufen sich Beschwerden über Stromanbieter, die sich oder ihre Markentöchter mit besonders preiswerten Angeboten an die Spitze der Preisvergleiche schieben. Vor dem Zuschlag sollte jeder im Internet recherchieren, welche Erfahrungen andere Kunden mit dem Anbieter haben.

Vor Vertragsschluss recherchieren

Zur Suche gehört auch: Nicht sofort über den Preisrechner einen neuen Vertrag abschließen. Die Rechner übernehmen nämlich keine Gewähr für Konditionen. Verbraucher sollten sich erst auf den Internetseiten des jeweiligen Stromanbieters informieren, ob der ausgewählte Tarif noch aktuell ist. Auch ein Vertragsabschluss ist natürlich mit dem Stromanbieter direkt möglich, statt über einen Stromvergleichsrechner.

Sich höchstens für ein Jahr binden

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, mit dem neuen Anbieter einen Vertrag von nicht länger als einem Jahr Laufzeit zu vereinbaren. Die Kündigungsfrist sollte höchstens einen Monat betragen. Denn auch vermeintliche Preisgarantien werden im Kleingedruckten manchmal eingeschränkt, so dass die Preise weiter steigen können. Verbraucher und Verbraucherinnen sollten sich die Chance lassen, auf neue Marktentwicklungen schnell zu reagieren.

Die Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb, welche die Stromanbieter beeinflussen könnten, machten nur noch rund 25 Prozent des Preises aus, erklärte der BDEW. Bei einem Strompreis von derzeit im Schnitt 28,72 Cent je Kilowattstunde (kWh) entfallen demnach 14,92 Cent auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Für die Strombeschaffung und den Vertrieb fallen 7,05 Cent an und für die Netzentgelte 6,75 Cent.

Netzentgelte sind der dritte große Bestandteil des Strompreis. Sie können je nach Region stark schwanken und sind laut BDEW besonders in jenen Regionen gestiegen, in denen die Stromnetze im Zuge der Energiewende um- oder ausgebaut werden müssen. Im Schnitt machen die Netzentgelte etwa 23 Prozent am Strompreis aus.

Von

afp

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