Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2014

12:24 Uhr

Prokon

Anleger ziehen mehr als 200 Millionen Euro ab

Prokon kämpft ums Überleben: Der Windparkbetreiber ruft Anleger auf, ihr Geld im Unternehmen zu lassen. Der Appell bewirkt offenbar das Gegenteil. Anleger flüchten reihenweise. Dem stehen nur kleine Erfolge gegenüber.

Anleger verlieren Vertrauen in Prokon

Video: Anleger verlieren Vertrauen in Prokon

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfDie Zahl der Kündigungen beim Windparkbetreiber Prokon ist erneut gestiegen. Am Mittwochmorgen hätten die Inhaber von Genussrechten 202,38 Millionen Euro zurückgefordert, teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite mit. Am Wochenende hatte Prokon die Höhe des gekündigten Kapitals noch auf 150 Millionen Euro beziffert.

Dem Unternehmen aus Itzehoe droht nach eigenem Bekunden die Insolvenz. Firmengründer Carsten Rodbertus hatte in einem am Samstag veröffentlichten Schreiben vor einer Pleite gewarnt, falls sich ein Großteil der Anleger nicht dazu bereit erklärt, dem Unternehmen weiter Geld zur Verfügung zu stellen.

„Sollte es uns gemeinsam mit Ihnen, unseren Anlegern, nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten“, hieß es in dem Brief.

Verhaltensregeln am grauen Markt

Misstrauen Sie hohen Renditen

Früher galten zweistellige Renditen als suspekt, heute wird es schon bei mancher Solaranleihe mit sechs Prozent Zins kritisch. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen möchten Sparer zwar gerne etwas mehr verdienen. Doch im Moment sind leider die Zinsen auf einem historischen Tief. Wer behauptet, er könnte Festgeldangebote und Anleiheanbieter haushoch überbieten, ist unglaubwürdig.

Lesen Sie alle Unterlagen

Die Entschuldigung „In Finanzdingen kenne ich mich nicht aus“ gilt nicht. Auch Experten brauchen oft Tage, bis sie einen Prospekt komplett verstanden haben. Wenn der Berater nur eine nette Broschüre mitgebracht hat, dann sollte der Anleger im Internet den Prospekt herunterladen (meist unter „Downloads“). Anbieter sind bei Fonds verpflichtet, alle Risiken aufzuzählen. Wer querlesen möchte, sollte zumindest die Prognoseplanung auf Plausibilität überprüfen. Wichtig ist die komplette Lektüre des Zeichnungsscheins.

Nehmen Sie Zeugen mit

Auch einem altbekannten Bankberater ist nicht unbedingt zu trauen. Die Angestellten stehen oft unter hohem Verkaufsdruck. Was besprochen wurde, gehört zwar ins Beratungsprotokoll. Aber auch das sichert im Zweifel eher den Berater ab als den Kunden. Deshalb: lieber einen Bekannten als Zeugen mitnehmen.

Hinterfragen Sie die Kosten

Die einfache Frage: "Was verdient der Berater?" stellen sich viele Anleger gar nicht. Erst hinterher wird ihnen klar, warum ihr Vermittler das eine oder andere Investment so toll fand.

Prokon hat eigenen Angaben zufolge knapp 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten bei 75.296 Anlegern eingesammelt. Für die Genussrechte mit einem Zins von sechs bis acht Prozent hatte die Firma massiv geworben. Die Papiere sichern einen Anteil am Gewinn – im Falle einer Insolvenz sind Genussrechteinhaber allerdings schlechter gestellt als andere Gläubiger.

Verbraucherschützer kritisieren, dass das Unternehmen nicht genug erwirtschaftet, um die versprochenen Zinsen an seine Anleger auszuzahlen. Aus einer „Zwischenbilanz“ per Ende Oktober geht hervor, dass bei Prokon insgesamt Verluste in Höhe von 210 Millionen Euro aufgelaufen sind, während an die Anleger 330 Millionen Euro Zinsen gezahlt wurden.

Wenn das Unternehmen nun auch noch Millionen an Anleger zurückzahlen muss, die ihre Genussrechte kündigen, kann das die Lage zusätzlich verschärfen. Im vergangenen Jahr sind schon 130 Millionen Euro ausgezahlt worden. „Es ist absehbar, dass wir die Zahlungen in dieser Höhe nicht fristgerecht leisten können“, schrieb Rodbertus.

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bankierswitwe

15.01.2014, 12:24 Uhr

Wussten Sie, dass ein "Kleinanleger" nicht jemand ist, der ein Vermögen von 20.000 Euro besitzt, und dieses vollständig in einen Wert steckt,sondern jemand, der einen kleinen Teil seines Vermögens, z.B. 20.000(von 500.000)in eine Sache investiert?

frankfurter

15.01.2014, 12:33 Uhr

oh...kommt da nicht irgendwie ein Gedanke der Schadenfreude hoch...
geldgierige Anleger fallen mal wieder auf dubiose Geschäftspraktiken rein.
Sind das nicht die selben, die auch schon die Postaktie gekauft haben oder etwa der Deutschen Bank vertrauen.
Und sie handeln auch mit Aktien, obwohl die Eigentümer die Gesellschaften schon vorher ausgeplündert haben.
Nur weiter so... euer nutzloses Geld muss ja irgendwie im Umlauf kommen... ganz im Sinne der freien Marktwirtschaft...lach

ColorfulColorado

15.01.2014, 13:06 Uhr

Wer den schaden hat braucht für den spott nicht zu sorgen... Im Speigel stand jetzt in Kommentar die Prokon-Anläger wären selbst schuld. Das hätte sich jemand bei der Lehmann Pleite trauen sollen. Naja wenigstens ist ein weiterer Ökoabzockerbetrieb weg.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×