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01.05.2014

14:03 Uhr

Prokon

Das Verfahren ist eröffnet

VonGertrud Hussla

Das Amtsgericht Itzehoe hat das Insolvenzverfahren eröffnet. Für die Prokon-Anleger rückt die Stunde der Wahrheit näher. Das Vermögen soll bei mehr als einer Milliarde Euro liegen. Der Schuldenstand ist deutlich höher.

PROKON offiziell insolvent

Können Anleger auf Teil-Rückzahlungen hoffen?

PROKON offiziell insolvent: Können Anleger auf Teil-Rückzahlungen hoffen?

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Nun ist es amtlich: Der Windparkbetreiber Prokon ist insolvent. Das Amtsgericht Itzehoe hat am Donnerstag das Regel-Insolvenzverfahren eröffnet (Az. 28 IE 1/14). Als Verwalter hat es Dietmar Penzlin bestimmt, der bereits das vorläufige Insolvenzverfahren betreut hat. Damit wird es ernst – sowohl für die rund 340 Mitarbeiter als auch für die 75 000 Genussrechtsinhaber.

In dem Verfahren wird sich klären, wie viel die Anleger von ihrem Einsatz wiedersehen. Und wie viele Arbeitsplätze der Insolvenzverwalter erhalten kann. Allein am Standort Itzehoe sind mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Verhaltensregeln am grauen Markt

Misstrauen Sie hohen Renditen

Früher galten zweistellige Renditen als suspekt, heute wird es schon bei mancher Solaranleihe mit sechs Prozent Zins kritisch. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen möchten Sparer zwar gerne etwas mehr verdienen. Doch im Moment sind leider die Zinsen auf einem historischen Tief. Wer behauptet, er könnte Festgeldangebote und Anleiheanbieter haushoch überbieten, ist unglaubwürdig.

Lesen Sie alle Unterlagen

Die Entschuldigung „In Finanzdingen kenne ich mich nicht aus“ gilt nicht. Auch Experten brauchen oft Tage, bis sie einen Prospekt komplett verstanden haben. Wenn der Berater nur eine nette Broschüre mitgebracht hat, dann sollte der Anleger im Internet den Prospekt herunterladen (meist unter „Downloads“). Anbieter sind bei Fonds verpflichtet, alle Risiken aufzuzählen. Wer querlesen möchte, sollte zumindest die Prognoseplanung auf Plausibilität überprüfen. Wichtig ist die komplette Lektüre des Zeichnungsscheins.

Nehmen Sie Zeugen mit

Auch einem altbekannten Bankberater ist nicht unbedingt zu trauen. Die Angestellten stehen oft unter hohem Verkaufsdruck. Was besprochen wurde, gehört zwar ins Beratungsprotokoll. Aber auch das sichert im Zweifel eher den Berater ab als den Kunden. Deshalb: lieber einen Bekannten als Zeugen mitnehmen.

Hinterfragen Sie die Kosten

Die einfache Frage: "Was verdient der Berater?" stellen sich viele Anleger gar nicht. Erst hinterher wird ihnen klar, warum ihr Vermittler das eine oder andere Investment so toll fand.

Begründet hat das Gericht die Insolvenz damit, dass Prokon Verbindlichkeiten in Höhe von 391 Millionen Euro habe, die liquiden Mittel beschränkten sich aber auf nur 19 Millionen Euro. Damit sei Prokon zahlungsunfähig. Es bestehe eine Liquiditätsunterdeckung von 95 Prozent.

Den Ausschlag für die Insolvenz haben dabei die zahlreichen Kündigungen der Genussrechtsinhaber gegeben. Ihre Rückzahlungsansprüche beliefen sich nach den Angaben des Amtsgerichts allein auf 368 Millionen Euro, sprich, so viel Kapital war gekündigt und konnte nicht mehr ausbezahlt werden.

Prokon-Insolvenzverfahren

Der Beschluss des Gerichts

Das Insolvenzverfahren gegen Prokon ist eröffnet. Geprellte Anleger erhalten in dem Beschluss des Gerichts Auskunft über die Substanz von Prokon. Das Vermögen soll mehr als eine Milliarde Euro betragen.

Prokon hatte den Anlegern zuletzt immer kürzere Kündigungsfristen eingeräumt. Sie konnten ihre Anteile schon mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende kündigen, sobald die Mindestvertragszeit abgelaufen war.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

02.05.2014, 10:40 Uhr

Hallo, ich bin Stundent der Gdansk School of Banking und untersuche den deutschen Kapitalmarkt aus Sicht deutscher Privatanleger mittels eines kurzen Fragebogens. Da das grad ganz gut zum Thema hier passt, schreibe ich hier.

Ich würde mich sehr über eure Teilnahme am kurzen, weil nur aus 7 Fragen bestehenden Fragebogen freuen.

http://goo.gl/IGwAZF

Sonnige Grüße von der Ostsee
Daniel Protzek

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