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22.07.2014

19:19 Uhr

Prokon-Gläubigerversammlung

Rodbertus' Träume sind geplatzt

Carsten Rodbertus wollte um sein Lebenswerk kämpfen. Doch auf der Gläubigerversammlung des insolventen Windenergieunternehmens Prokon läuft alles gegen den Ex-Chef. Er verliert die entscheidende Abstimmung.

Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus auf der Gläubigerversammlung von Prokon in Hamburg. dpa

Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus auf der Gläubigerversammlung von Prokon in Hamburg.

Hamburg/DüsseldorfIn einer Hamburger Messehalle stand an diesem Dienstag viel auf dem Spiel. Hier haben Tausende Anleger über die Zukunft des insolventen Windenergieunternehmens Prokon abgestimmt. Es war eine der größten Gläubigerversammlungen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Einem Anwalt zufolge waren etwa 7000 Gläubiger anwesend. Einschließlich der durch Vollmachten vertretenen Gläubiger seien 800 Millionen Euro Kapital präsent gewesen. Die Halle bietet Platz für 13.000 Personen. Zahlreiche Ordnungskräfte sorgten für Sicherheit. Betroffen sind von der Pleite des Unternehmens etwa 75.000 Anleger, sie hatten insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte investiert.

Die wichtigste Nachricht: Die Gläubiger haben Dietmar Penzlin als Insolvenzverwalter von Prokon bestätigt und seinem vorläufigen Sanierungsplan zugestimmt. Der Hamburger Rechtsanwalt erhielt fast einstimmig den Sanierungsauftrag, wie Teilnehmer berichteten. „Es ist ein guter Tag für das Unternehmen, ein guter Tag für die Gläubiger und ein guter Tag für die Belegschaft“, sagte Penzlin. Er hoffe, sich im nächsten halben Jahr „hoffentlich in Ruhe der Sanierungsarbeit zuwenden zu können“.

Mit der heutigen Abstimmung seien die Träume des ehemaligen Prokon-Geschäftsführers Carsten Rodbertus beendet, wieder die Macht bei dem insolventen Windkraftanlagenbetreiber zu übernehmen, kommentierte Klaus Nieding, Vizepräsident der DSW und Vertreter von Prokon-Gläubigern.

Das Ergebnis hatte sich abgezeichnet, nachdem das Amtsgericht Itzehoe am Morgen rund rund 15.000 Gläubiger von der Ausübung ihrer Stimmrechte ausgeschlossen hatte. Diese hatten ihre Stimmrechte an die „Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von Prokon“ übertragen. Die Arbeitsgemeinschaft wurde angeführt von Alfons Sattler, der wiederum als enger Vertrauter von Rodbertus gilt.

Nieding hatte beantragt, Sattler wegen einer offensichtlichen Interessenkollision von der Vertretung von Gläubigern auszuschließen. „Die Herrn Sattler erteilten Vollmachten sind rechtswidrig und werden deshalb in der Gläubigerversammlung nicht berücksichtigt“, erläuterte Nieding. Neben der DSW hatte die SdK Anträge gestellt, die Stimmen zu annullieren.

Prokon in Zahlen

Rahmendaten

Gegründet 20. Oktober 1995, beschäftigt Prokon 1306 Mitarbeiter (Stand: Oktober 2013). Zum Portfolio gehören 314 Windparks.

Genussrechtinhaber

75.115

Genussrechtkapital

Knapp 1,4 Milliarden Euro

Gezahlte Zinsen

300,4 Millionen Euro (per 31. Oktober 2013).

Verlust

209,9 Mio. Euro (per 31. Oktober 2013)

Die Reaktion kam prompt: Anwalt Dieter Graefe kündigte einen Befangenheitsantrag gegen die Rechtspflegerin an, die diese Entscheidung verkündet hatte. „Die 15.000 Gläubiger sind damit praktisch rechtlos. Das ist ein verfassungswidriges Vorgehen, das ich noch nicht erlebt habe“, erzürnte sich Graefe im Gespräch mit Journalisten vor einer der Messehallen über die Entscheidung des Gerichts. Die Rechtspflegerin, die die Veranstaltung leitet, war zunächst nicht zu erreichen.

Zwischenzeitlich wurden jedoch drei Befangenheitsanträge gegen eine Rechtspflegerin des zuständigen Amtsgerichts Itzehoe abgelehnt. Dies teilte Rechtsanwalt Daniel Vos von der Kanzlei Göddecke Journalisten mit. Die Kanzlei vertrete eine Zahl von Gläubigern „im zweistelligen Bereich“. Die Ungültigkeit der Stimmrechte habe die Rechtspflegerin damit begründet, dass die Stimmen von einem Vertrauten in unmittelbare Nähe des früheren Prokon-Chefs Carsten Rodbertus eingesammelt worden waren. Für Rodbertus soll sich dadurch ein nicht zulässiger Interessenkonflikt als Geschäftsführungsorgan und Vertreter von Genussrechten ergeben haben.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

22.07.2014, 11:41 Uhr

Bei Prokon herrschen zu viel Macht und Profitgier.
Prokon wird es in einen Jahr nicht mehr geben.

Account gelöscht!

22.07.2014, 12:12 Uhr

Rodbertus ist zwar ein finanzwirtschaftlicher Vollamateur, aber die Insolvenz wurde von anderen Kreisen massiv gepusht. Werthaltige Assets sind in jedem Falle ausreichend vorhanden, so dass die Fortführung für alle Beteiligten eine gangbare und auch aussichtsreiche Option ist, maximalen Wert für die Anleger herauszuholen. Man erinnere sich noch an die Panikmache in einigen Medien, so nach dem Motto: "Die Anleger können ihr Inbvestment wohl voll abschreiben ..." das war von Anfang an nichts als eine Lüge und bewusste Panikmachen ... und HB war auch ganz vorn dabei.

Ich weiss: Gedächtnis ist ja mittlerweile völlig old school ...

Account gelöscht!

22.07.2014, 13:17 Uhr

@Carsten Kanter
Was helfen Ihnen "werthaltige Assets", wenn Sie mit diesen teuren Anlagegütern (Investitionen) keinen Gewinn erwirtschaften. Wenn die Kosten höher sind als der Ertrag...?!
Das EEG wird weiter und weiter refomiert von dieser grünsozialistischen Politik. Und dies ist auch gut und sogar notwendig. Aber mit jeder EEG-Reform werden die Kosten bzw. der Aufwand für den Unterhalt so einer Windmühle oder andern EE-Anlagen steigen. Weiterhin ist der Ertrag der EE so unberechenbar wie eben das Wetter auch ist.
Schlechte Voraussetzung für ein gutes bzw. überhaupt für ein Wirtschaftswachstum (Gewinnerzielung).

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