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04.02.2014

08:00 Uhr

Prokon-Pleite

Die Finanzaufsicht schaute tatenlos zu

ExklusivProkon hat die Finanzaufsicht Bafin bereits vor fünf Jahren über Probleme bei seinen Fonds informiert. Dies geht aus einem Briefwechsel hervor, der der Digitalzeitung Handelsblatt Live vorliegt.

Prokon-Geschäftsführer Carsten Rodbertus (rechts) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin (links) in einer Werkshalle von Prokon in Itzehoe (Schleswig-Holstein). Der Windanlagen-Finanzier Prokon ist insolvent. dpa

Prokon-Geschäftsführer Carsten Rodbertus (rechts) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin (links) in einer Werkshalle von Prokon in Itzehoe (Schleswig-Holstein). Der Windanlagen-Finanzier Prokon ist insolvent.

DüsseldorfDie Finanzaufsicht Bafin war bereits fünf Jahre vor der Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon darüber informiert, dass das Unternehmen 2009 dringend frisches Geld einsammeln musste, um damit alte Anleger auszuzahlen. Das belegt ein Briefwechsel zwischen Prokon und der Bafin von Ende 2008 und Anfang 2009, der der Digitalzeitung Handelsblatt Live (Dienstagausgabe) vorliegt.

Prokon hatte seine Windparks zunächst mit Hilfe geschlossener Fonds finanziert und den Anlegern dieser Fonds feste Ausschüttungen für jedes Jahr zugesichert - unabhängig von der jeweiligen Ertragslage der Fonds. Das sei ein bankähnliches Geschäft, monierte die Bafin damals schriftlich und verlangte die Auflösung der alten Fonds. Doch Prokon fehlte das Geld für die Auszahlung der Kommanditisten.

So teilte das Unternehmen der Finanzaufsicht beispielsweise zur finanziellen Lage des Fonds Energy III mit, dass dessen Eigenkapital negativ und die Windparks an die Banken verpfändet seien. „Vor diesem Hintergrund besteht für die Gesellschaft derzeit nicht die Möglichkeit, das Eigenkapital an die Kommanditisten durch die Aufnahme neuer Kredite und Beleihungen von Vermögenswerten zurückzuzahlen“, heißt es in einem Schreiben von Prokon. Das Unternehmen bat die Aufsicht deshalb um sechs Monate Aufschub.

Prokon in Zahlen

Rahmendaten

Gegründet 20. Oktober 1995, beschäftigt Prokon 1306 Mitarbeiter (Stand: Oktober 2013). Zum Portfolio gehören 314 Windparks.

Genussrechtinhaber

75.115

Genussrechtkapital

Knapp 1,4 Milliarden Euro

Gezahlte Zinsen

300,4 Millionen Euro (per 31. Oktober 2013).

Verlust

209,9 Mio. Euro (per 31. Oktober 2013)

Der Kapitalmarktexperte Peter Mattil urteilt: „Dieser Briefwechsel belegt nicht nur, mit welch unseriösen Methoden Prokon gearbeitet hat. Er ist auch ein Beleg für das Versagen der Bafin.“ Die Finanzaufsicht teilt auf Anfrage mit, ihr seien „von Gesetzes wegen die Hände gebunden“, solange keine erlaubnispflichtigen Geschäfte betrieben werden. Dies gelte für alle Produkte des grauen Kapitalmarkts. Also auch für Genussrechte. Rechtsanwalt Mattil hingegen ist überzeugt: „Die Bafin hätte ihren Spielraum ganz anders nutzen können.“

Den gesamten Text über den Prokon-Skandal und die Rolle der Bafin erhalten Sie im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Von

hus

Kommentare (44)

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HofmannM

04.02.2014, 09:11 Uhr

Auch die Bafin und somit auch die gesamte deutsche Politik ist in diesem Prokon-Schneeballsystem-Sumpf mitten drin, statt nur dabei!
Diese politisch diktierte Energiewende/EEG bringt immer mehr und und mehr Verbrecher-Mafia-Strukturen zu Tage.
Die etablierten deutchen Bundesttagspartein vernichten und zocken uns Bürger mit dieser Energiewende/EEG gnadenlos ab!

holger29

04.02.2014, 09:12 Uhr

Ich hatte 2009 die Wirtschafltichkeit der Windenergie betrachtet. Ich hatte hierzu wahlweise Aussagen des Windenergieverbandes und die Angaben 2er GB herangezogen. Die Erkenntnis war, dass Windmühlen innerhalb des gegebenen Subventionsrahmens bei 5% Zins gut wettbewerbsfähig sind.

Es ist demzufolge für jeden Anleger der ein wenig rechnen kann naheliegend dass Prokon ein Wunder geschaffen hat.

Man kann auch ein wenig in der Naturwissenschaft schmökern und feststellen, dass es keine "Erneuerbare Energien" gibt und das ganze damit auf einem Wunder basiert. Man könnte sich auch Gedanken machen warum die Menschheit die Windenergie vor gut 100 Jahren aufgegeben hat.

Wunder gibt es in Deutschland und in der Welt recht häufig. Die Menschen lassen sich gerne illusionieren. In Deutschland glauben viele Menschen an die Wunder der "Erneuerbaren Energie". Kommunikativ begabte Mitbürger nutzen dies für ihre persönlichen Wunder und so zerplatzen jetzt viele dieser Wunder an der Wirklichkeit.

Hans

04.02.2014, 09:14 Uhr

Jetzt mal ehrlich: Wenn jemand 7% bis 8% Zins für eine Geldanlang zahlt, dann kann doch was nicht stimmen.

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