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24.01.2014

07:24 Uhr

Prokon

Regierung lädt zur Krisenrunde

Wie lassen sich möglichst viele Jobs bei Prokon retten? Eine Krisenrunde bei dem Windanlagen-Finanzierer soll am Freitag darüber beraten. Die Bundesregierung will Kleinanleger künftig besser schützen.

Rechtsanwalt Dietmar Penzlin, vorläufiger Insolvenzverwalter von Prokon, kommt  zusammen mit Mitarbeitern am Verwaltungsgebäude in Itzehoe an. Der Windanlagen-Finanzierer hat am 22.01.2014 Insolvenz angemeldet. dpa

Rechtsanwalt Dietmar Penzlin, vorläufiger Insolvenzverwalter von Prokon, kommt zusammen mit Mitarbeitern am Verwaltungsgebäude in Itzehoe an. Der Windanlagen-Finanzierer hat am 22.01.2014 Insolvenz angemeldet.

ItzehoeDie Schieflage des Windanlagen-Finanzierers Prokon beschäftigt am Freitag eine Krisenrunde mit Vertretern aus Politik, Gewerkschaften und Insolvenzverwaltung. Zwei Tage nach dem Insolvenzantrag treffen sich am Hauptsitz der Firma im schleswig-holsteinischen Itzehoe Landes-Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin sowie Itzehoes Bürgermeister Andreas Koeppen und der Landrat des Kreises Steinburg, Torsten Wendt. Sie wollen gemeinsam über die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens beraten.

Vertreter der Bundesagentur für Arbeit, des Deutschen Gewerkschaftsbundes und von zwei Wirtschaftsförderungsgesellschaften sind ebenfalls dabei. In Itzehoe arbeiten gut 300 Menschen für Prokon. Betroffen von dem Insolvenzantrag sind 480 Mitarbeiter der Prokon Regenerative Energien GmbH. Sie erhalten vorübergehend Insolvenzgeld. Insgesamt beschäftigt der zahlungsunfähige Windanlagen-Finanzierer rund 1300 Menschen.

So lassen sich Anleger schützen

Der Anwalt

Rechtsanwalt Achim Tiffe hat sich auf den Verbraucherschutz spezialisiert. Er berät Anleger, wenn sie Probleme mit Banken und anderen Finanzdienstleistern haben. Handelsblatt Online schlägt er vor, wie Anleger vor riskanten Anlagen wie beim Krisenunternehmen Prokon wirksam schützen ließen.

1. Lückenloser Schutz

Der Schutz der Verbraucher bei Geldanlagen aller Art sollte gewährleistet sein. Das heißt, dass Finanzdienstleister Privatpersonen keine Genussrechte oder Unternehmensanleihen verkaufen sollen, ohne sie ausreichend über die Risiken dieser Produkte aufzuklären. Vermittlung statt Beratung bei lückenhaften Verbraucherschutz sollte nicht mehr möglich sein.

2. Beratung ist Pflicht

Die Beratung gegenüber Verbrauchern bei riskanten Anlagen wie unternehmerischen Beteiligungen sollte Pflicht sein ohne die Möglichkeit, sie zu umgehen.

3. Beweislastumkehr

Es muss eine Beweislastumkehr für Berater gelten, zum Beispiel dann, wenn mehr als 10 Prozent des vorhandenen liquiden Vermögens in geschlossene Beteiligungen investiert werden. Bislang müssen die Kunden eine mögliche Falschberatung nachweisen.

4. Warnende Hürde

Früher mussten Anleger, die sich in Termingeschäften engagieren wollten eine spezielle Erklärung unterschreiben, die Börsentermingeschäftsfähigkeit. Dabei wurden sie über die Risiken solcher Geschäfte aufgeklärt. Auch heute würde die Einführung einer solchen warnenden Hürde vielen Verbrauchern helfen, die in riskante Geldanlagen einsteigen wollen.

5. Versicherungshaftpflicht für Berater

Nicht alle Vertriebler sind gegen Falschberatung versichert. Eine Pflicht zur ausreichenden Vermögenshaftpflichtversicherung für alle Vermittler und Berater wäre im Interesse der Anleger. Idealerweise würden Finanzprodukte nur über solche Unternehmen vertrieben werden.

6. Bessere Kontrolle

Wichtig wäre auch eine effektive Kontrolle aller Vermittler und Berater durch eine zentrale Aufsichtsbehörde mit entsprechender Ausstattung.

7. Staatshaftung

Um die Verbraucher zu schützen, benötigt es effiziente Behörden. Sie müssten bei Missständen konsequent und schnell einschreiten. Tun sie das nicht, müsste der Staat haften, fordert Tiffe.

8. Finanzmarktwächter

Es müsste einen Finanzmarktwächter geben, der zeitnah Verbraucherprobleme erfasst, aufarbeitet und an Politik und Behörden und Öffentlichkeit weitergeben kann. Laut Koalitionsvertrag könnten Verbraucherschützer damit beauftragt werden.

9. Haftungsbegrenzung

Verbraucher brauchen klare Regeln zum Ausweis von Risiken, die sie auch verstehen. Außerdem sollte es eine gesetzliche Begrenzung der Haftung der Verbraucher auf gezahlte Einlage geben.

Penzlin stellt sich bei Prokon auf ein komplexes und längeres Verfahren ein. Für eine Bewertung der Lage und einen Ausblick zur Zukunft des Unternehmens sei es noch zu früh, sagte er am Donnerstag.

Zur Finanzierung von Windkraftanlagen hatte Prokon bewusst auf Kredite von Banken verzichtet. Das Unternehmen holte sich das Geld von Kleinanlegern und gab dazu sogenannte Genussrechte aus. Das sind kurzfristig kündbare Anlagen mit entsprechendem Ausfallrisiko. Nachdem Prokon wegen Kapitalkündigungen in eine Liquiditätsklemme geraten war, hatte die Firma am Mittwoch Insolvenz angemeldet.

Kommentare (5)

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VolkerLangeHH

24.01.2014, 09:19 Uhr

Nochmal für alle Leichtgläubigen kritischer Überblick des im Öko-Verführerprospekt bzw. homepage vom windigen Guru Hr.C.Rodbertus nachlesbaren aktuellen theoretischen Anleger-"Vermögens": 01/12-10/13=22 Monate >210Mio. Verlust. Zuerst bekommt die einzig verbliebene Bank 48Mio. weil mehrfach besichert. Es hängen fest z.B. in Windkraftanlagen noch im Bau oder nur Planungsstadium 168Mio., Tochter-Firmen Pflanzenöl-Magdeburg 145Mio.+Polen 181Mio.+Finnland 3Mio. In einem fremden Unternehmen HolzindustrieThorgau oHG dort nach der Pleite vor 3Jahren inzwischen gewährte Kredite 291Mio. davon rumänischer Wald 79Mio. Neutrale Wirtschaftsprüfer weigerten sich HGB-Konformität Einzel- u. konsolidierte Konzern-Bilanzen Holding 2012 zu testieren, weil ständig versucht wurde normale Zahlen mit stillen Reserven aus angeblichen Marktpreisen ohne Sachverständigen-Gutachten zu verschönern statt den Anschaffungskosten gemäß Buchwerten. Viel Spaß beim Notverkauf des gekünstelten Konglomerates. Die Quote wird nach Anwaltshonoraren etc. u. Beratergebühren usw. mit sehr viel Glück höchstens die Hälfte betragen !!!

Account gelöscht!

24.01.2014, 10:50 Uhr

Ein Ausbeuter samt Anhang weniger!

Account gelöscht!

24.01.2014, 12:27 Uhr

Wovor bitte sollen wir Kleinanleger geschützt werden? Ich würde sagen: Vor Falschberatung und Betrug, aber vor allen Dingen vor uns selbst.

Es tut mir wirklich leid für die meisten Prokon-Anleger. Kein Verständnis habe ich für diejenigen, die jetzt jammern und behaupten, das sei nicht absehbar gewesen. Noch weniger für Politiker, die sich dafür nun stark machen wollen.
Eine versprochene Rendite von 8% kommt nicht von ungefähr. Vor allem, wenn es sich dabei um nachrangige Papiere handelt.

Selbst wer den Zusammenhang von Risiko und Rendite nicht verstanden hat, dem bleibt ja immer noch die Möglichkeit einfach mal zu recherchieren. Bei einer sehr bekannten Suchmaschine finde ich auf Anhieb unter "Prokon Genussrechte 8%" mehrere Warnhinweise auf einschlägigen Seiten.

Niemand hat etwas zu verschenken. Auch nicht die Branche alternativer Engergieerzeuger.

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