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22.06.2015

14:00 Uhr

Prokon und EnBW

Anlegerschützer raten Prokon-Gläubigern zum Verkauf

Showdown für die Gläubiger des Windparkbetreibers: Wollen sie das Unternehmen als Genossen weiterführen? Oder ist ein Verkauf an den Versorger EnBW die richtige Wahl? Anlegerschützer haben eine klare Meinung.

Windparks in Brandenburg: EnbW bietet für Prokon nur einen Schnäppchenpreis. dpa

Windenergie in Brandenburg

Windparks in Brandenburg: EnbW bietet für Prokon nur einen Schnäppchenpreis.

FrankfurtDie Anlegerschützer der DSW schlagen sich im Ringen um den insolventen Windparkbetreiber Prokon auf die Seite des Bieters EnBW. DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler warnte die Prokon-Anleger am Montag davor, sich voreilig auf den Beitritt zu einer Genossenschaft festzulegen, die Prokon selbst weiterführen will.

„Dies kann nur eine Option sein für Anleger, die sich bewusst über viele Jahre binden wollen und vollends verstehen, welche Verpflichtung und welches Risiko sie damit eingehen“, sagte Tüngler. Für viele Genussrechtsinhaber sei das Neuland. Ob sich Prokon als Genossenschaft wirklich so positiv entwickeln werde, wie im Insolvenzplan unterstellt werde, sei fraglich.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rät den 75.000 Prokon-Anlegern daher zum Verkauf an den Stromkonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW), der 550 Millionen Euro für Prokon bietet: „Lieber kurzfristig den respektablen sogenannten Spatz in der Hand zu wählen, also das mit der EnBW-Offerte verbundene Investorenmodell, anstelle der erst in vielen Jahren wertmäßig aufschließenden Taube auf dem Dach“, sagte Tüngler.

So lassen sich Anleger schützen

Der Anwalt

Rechtsanwalt Achim Tiffe hat sich auf den Verbraucherschutz spezialisiert. Er berät Anleger, wenn sie Probleme mit Banken und anderen Finanzdienstleistern haben. Handelsblatt Online schlägt er vor, wie Anleger vor riskanten Anlagen wie beim Krisenunternehmen Prokon wirksam schützen ließen.

1. Lückenloser Schutz

Der Schutz der Verbraucher bei Geldanlagen aller Art sollte gewährleistet sein. Das heißt, dass Finanzdienstleister Privatpersonen keine Genussrechte oder Unternehmensanleihen verkaufen sollen, ohne sie ausreichend über die Risiken dieser Produkte aufzuklären. Vermittlung statt Beratung bei lückenhaften Verbraucherschutz sollte nicht mehr möglich sein.

2. Beratung ist Pflicht

Die Beratung gegenüber Verbrauchern bei riskanten Anlagen wie unternehmerischen Beteiligungen sollte Pflicht sein ohne die Möglichkeit, sie zu umgehen.

3. Beweislastumkehr

Es muss eine Beweislastumkehr für Berater gelten, zum Beispiel dann, wenn mehr als 10 Prozent des vorhandenen liquiden Vermögens in geschlossene Beteiligungen investiert werden. Bislang müssen die Kunden eine mögliche Falschberatung nachweisen.

4. Warnende Hürde

Früher mussten Anleger, die sich in Termingeschäften engagieren wollten eine spezielle Erklärung unterschreiben, die Börsentermingeschäftsfähigkeit. Dabei wurden sie über die Risiken solcher Geschäfte aufgeklärt. Auch heute würde die Einführung einer solchen warnenden Hürde vielen Verbrauchern helfen, die in riskante Geldanlagen einsteigen wollen.

5. Versicherungshaftpflicht für Berater

Nicht alle Vertriebler sind gegen Falschberatung versichert. Eine Pflicht zur ausreichenden Vermögenshaftpflichtversicherung für alle Vermittler und Berater wäre im Interesse der Anleger. Idealerweise würden Finanzprodukte nur über solche Unternehmen vertrieben werden.

6. Bessere Kontrolle

Wichtig wäre auch eine effektive Kontrolle aller Vermittler und Berater durch eine zentrale Aufsichtsbehörde mit entsprechender Ausstattung.

7. Staatshaftung

Um die Verbraucher zu schützen, benötigt es effiziente Behörden. Sie müssten bei Missständen konsequent und schnell einschreiten. Tun sie das nicht, müsste der Staat haften, fordert Tiffe.

8. Finanzmarktwächter

Es müsste einen Finanzmarktwächter geben, der zeitnah Verbraucherprobleme erfasst, aufarbeitet und an Politik und Behörden und Öffentlichkeit weitergeben kann. Laut Koalitionsvertrag könnten Verbraucherschützer damit beauftragt werden.

9. Haftungsbegrenzung

Verbraucher brauchen klare Regeln zum Ausweis von Risiken, die sie auch verstehen. Außerdem sollte es eine gesetzliche Begrenzung der Haftung der Verbraucher auf gezahlte Einlage geben.

Mit dem Genossenschaftsmodell könnten die Anleger einen größeren Teil ihrer Verluste wettmachen, müssten sich dazu aber am Unternehmen beteiligen und auf die Erträge länger warten. Damit die Genossenschaft mit den geforderten 160 Millionen Euro Eigenkapital überhaupt zustande kommt, muss etwa die Hälfte der Genussrechtsinhaber bis zum Freitag (26. Juni) verbindlich den Beitritt zu der Genossenschaft erklären. Am 2. Juli entscheiden die Gläubiger dann, welches der Modelle zum Zuge kommt.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Heinz Dieter von Delft

23.06.2015, 12:10 Uhr

Wie kann man nur als Anlegerschützer ein Angebot empfehlen, welches 50 % der Gelder von der Erfüllung 3-ter abhängig macht ???
Einmal reingefallen reicht wohl nicht !
Wenn die 3-ten ihre Erträge nicht bringen, dann gehen die Prokon -Gläubiger mit 18 % nach Hause ! Ein riesiges Schnäppchen für EnBW.
Im Grunde genommen, ein unverschämtes Angebot von EnBW.

MfG HD von Delft

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