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17.03.2017

14:13 Uhr

Ranking

Top-Steuerberater und ihre größte Herausforderung

VonKatharina Schneider

Durch die Digitalisierung wird der Steuerberater für Unternehmen wichtiger. Er kann tagesaktuell Tipps geben und bald sogar beim Kreditantrag helfen. Eine Studie zeigt die Top-Steuerberater aus 30 deutschen Städten.

Wer sich die Besten? Eine Studie zeigt die Top-Steuerberater. Getty Images

Wer sich die Besten? Eine Studie zeigt die Top-Steuerberater.

FrankfurtBei Privatleuten kennt er das Gehalt, die Arzt- und Handwerkerrechnungen, die Dauer der Dienstreisen oder auch die Höhe der Unterhaltszahlungen. Bei Unternehmen kennt er die betrieblichen Einnahmen und Ausgaben, die Summe der Rückstellungen, die Zahl der Mitarbeiter oder auch das Kreditvolumen. So viele Daten wie beim Steuerberater laufen an kaum einer anderen Stelle zusammen. Kein Wunder also, dass die Steuerexperten für viele Menschen zu den engsten Vertrauten gehören und sich über treue Mandanten freuen. Im Zuge der weiteren Digitalisierung könnte das Verhältnis zum Berater insbesondere für Unternehmen künftig noch inniger werden.

Privatleute dürfen ihre Steuererklärung derzeit noch auf Papier abgeben. Unternehmen dagegen müssen sie schon seit einigen Jahren elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Auch Bilanzen müssen bereits seit dem Geschäftsjahr 2012 elektronisch erstellt werden. Diese Korrespondenz übernimmt in der Regel der Steuerberater. Doch der Datenaustausch zwischen ihm und den Unternehmen soll ebenfalls digitalisiert werden. Durch Vorgaben der Finanzverwaltung sind Firmen zunehmend gezwungen, ihre Buchhaltung und die steuerrelevanten Daten zu digitalisieren. Das schreiben etwa die – Achtung, Behördendeutsch – „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“, kurz GoBD, vor.

Unternehmer wie auch Steuerberater müssen sich also umstellen. Wie hoch die Relevanz dieses Themas für die Berater ist, zeigt eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts Schad (S.W.I.). Dieses hat im Auftrag des Handelsblatts die Top-Steuerberater in den 30 größten deutschen Städten ermittelt und sie nach den größten Herausforderungen für ihren zukünftigen Erfolg befragt. Geantwortet haben rund 1400 Berater. Am häufigsten nannten sie die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter (83 Prozent). Danach folgte die „fortschreitende Technisierung/Digitalisierung“ (69 Prozent). Noch vor einem Jahr, in der Vorgängerstudie, wurde letztere nur von 40 Prozent der Befragten genannt.

Axel Pestke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Steuerberaterverbands (DStV), wertet den zunehmend digitalen Austausch zwischen Firmen und Steuerberatern positiv. Insbesondere für Unternehmen, die ihre komplette Buchführung von einem Steuerberater erledigen lassen, könnten sich daraus Vorteile ergeben. „Die Entwicklung geht dahin, dass Unternehmen ihre Daten quasi in Echtzeit an ihre Steuerberater übermitteln“, so Pestke. Dadurch könne der Berater schon im laufenden Geschäftsbetrieb Empfehlungen geben und dem Unternehmen beispielsweise melden, ob es sich im Plan befindet, ob etwas schief läuft oder es freies Kapital für neue Anschaffungen gibt.

Top-Steuerberater - So wurde getestet

Teilnehmer der Studie

Insgesamt erhielten mehr als 7000 Steuerberater eine Einladung zur Teilnahme an einer Online-Umfrage. Rund 1400 Steuerberater beteiligten sich an der Studie.

Auswahl der Kanzleien

Angeschrieben wurden nur Kanzleien, die den 30 größten deutschen Städten zugeordnet werden konnten: Aachen, Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Braunschweig, Bremen, Chemnitz, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Kiel, Köln, Leipzig, Mannheim, Mönchengladbach, München, Münster, Nürnberg, Stuttgart, Wiesbaden, Wuppertal.

Online-Umfrage

Die Auswahl der zu beantwortenden Fachfragen in der Online-Umfrage richtete sich nach den von den Sozietäten angegebenen Spezialisierungen (Sachgebiete und Branchen).

Kriterium Fachberater

Positiv ging in die Bewertung ein, wenn Fachberater oder -anwälte beschäftigt werden: Die Weiterbildung und Zusatzqualifikation der Mitarbeiter gilt als Anhaltspunkt dafür, dass die Kanzlei zukunftsorientiert ausgerichtet ist und bereit ist, in die Kompetenz und Qualifikation ihrer Mitarbeiter zu investieren.

Kriterium Basiswissen

Mit Fragen zu allgemeinen Fertigkeiten und Problembewusstsein wurde das Basiswissen getestet.

Kriterium Fachkompetenzen

Es wurden Fragen zum Grundlagen-Wissen in den Sachgebieten und Branchen, in denen die Kanzlei eigener Ansicht nach Fachkompetenzen besitzt, gestellt.

Auszeichnungen

Ausgezeichnet wurden die Top 150 Steuerberater nach Städten sowie insgesamt 244 Platzierungen in den Fachgebieten (Platzierung in mehreren Bereichen möglich). In den Sachgebieten und Branchen zählten diejenigen Kanzleien zu den Bestplatzierten, die die höchstmögliche Punktzahl in den jeweiligen Themenbereichen erzielten. Insgesamt platzierten sich 175 Sozietäten als Top-Steuerberater in den unterschiedlichen Kategorien.

Quelle

Das Sozialwissenschaftliche Institut Schad (S.W.I) bildet als Analyseinstitut seit 1993 eine Schnittstelle zwischen Unternehmenspraxis und Wissenschaft. Nach Angaben des Instituts sichert „ein Pool aus Ökonomen, Psychologen und Soziologen das wissenschaftliche Know-How“.

Die schnelle Verfügbarkeit der Daten könnte Firmen sogar Vorteile beim Beantragen von Krediten verschaffen. Heute legen Unternehmen beim Kreditantrag meist Geschäftszahlen vor, die schon mehrere Monate alt sind. Tagesaktuelle Daten gibt es nicht. „Das berücksichtigt die Bank natürlich in ihrer Risikokalkulation“, erklärt Pestke. „Wenn die Daten aber aktuell sind, gibt es weniger Unwägbarkeiten und der Kredit kann günstiger sein.“ An einem solchen standardisierten Datenaustausch zwischen Steuerberatern und Banken – der auf Wunsch des Unternehmens geschehen würde – wird aktuell im Rahmen des Projekts „Digitaler Finanzbericht“ gearbeitet.

Kommentare (2)

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Frau ke Schludewig

17.03.2017, 14:22 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Reiner Blumenhagen

17.03.2017, 14:35 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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