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08.10.2013

16:03 Uhr

Rat vom Tieranwalt

Wer bekommt Omas Dackel?

Juristisch ist ein Tier wenig mehr als eine Sache, doch für viele Menschen ist es ein Familienmitglied. Klar, dass bei einem Rechtsstreit auch ein guter Anwalt zur Stelle sein muss - eine clevere Geschäftsidee.

Der Anwalt Joachim Cäsar-Preller und seine Frau Birgit mit ihren Chihuahuas. dpa

Der Anwalt Joachim Cäsar-Preller und seine Frau Birgit mit ihren Chihuahuas.

WiesbadenJoachim Cäsar-Preller ist über seine Hunde auf den Hund gekommen. Genauer gesagt: Auf den Hund als Streitgegenstand vor Gericht. Für den 51 Jahre alten Rechtsanwalt aus Wiesbaden sind Prozesse rund ums Haustier ein festes Standbein seiner Kanzlei. „Es sind viele Menschen auf uns zugekommen und haben um Rat und Vertretung in tierrechtlichen Angelegenheiten gebeten“, sagt der Jurist. Und damit nicht jeder Nachbarschaftsstreit wegen Hunden, Katzen oder Vögeln gleich vor dem Richter landet, bietet sich Cäsar-Prellers Frau Birgit Hilfe als Mediatorin an.

„Wir haben selbst Hunde. Früher haben wir schon mal mehr gehabt. Jetzt haben wir zwei“, berichtet Cäsar-Preller. Seine Kanzlei liegt in einer Wiesbadener Altbauvilla. Beim Gespräch sind die winzigen Chihuahuas der Familie dabei: Die weiße Bambi ist vier Jahre alt, der etwas gelblichere Quirl zählt zwei Lenze.

Die Tierliebe der Deutschen sorgt dafür, dass der Kanzlei und den wenigen anderen Rechtsanwälten, die auf Tierrecht spezialisiert sind, die Mandate nicht ausgehen. Nach Berechnungen der Heimtierbranche wurden 2012 in Deutschland 7,4 Millionen Hunde gehalten. In Wohnungen und Gärten schnurrten mehr als zwölf Millionen Katzen. Dazu kommen zahllose Nager, Vögel und Fische. Für Futter und Pflege ihrer Lieblinge wendeten die Deutschen jährlich knapp vier Milliarden Euro auf.

Haustier-Urteile

1999 - Katzen

Ein Katzenliebhaber setzt in zweiter Instanz einen eigenen Balkon-Ausgang für seine vier Stubentiger durch. Im August erstreitet er vor dem Münchner Landgericht ein Katzen-Ausschlupfloch in der Balkontür seiner Mietwohnung. Er darf sie auf eigene Kosten einbauen und muss sie beim Auszug wieder entfernen.

2004 - Papageien

Nachbarn eines Vogelfreundes, der 35 Papageien in seiner Wohnung hält, müssen dies nicht hinnehmen. Das entscheidet das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz Ende Januar. Die Nachbarn fühlten sich durch das Gekreische der Tiere gestört.

2004 - Katzen

Das Bayerische Oberste Landesgericht in München verhängt im September Stubenarrest gegen eine Katze. Die Richter gaben den Eigentümern einer Wohnanlage recht, die in der Hausordnung das Auslaufen von Haustieren auf ihrem Grundstück verbieten. Die Gefahr einer Verschmutzung der Anlage „liege nicht fern“, so die Richter. Bei Ausgängen muss „Cora“ künftig an die Leine.

2005 - Mini-Schweine

Mini-Schweine dürfen nach einem Urteil des Amtsgerichts München im Januar nur dann in einer Wohnung gehalten werden, wenn sie die Mitbewohner des Hauses nicht gefährden. Das schwarze Hausschwein einer Münchnerin hatte beim Spaziergang in einer Panikattacke zwei Menschen verletzt. Nun muss das Tier ausziehen.

2008 - Hunde

Ein Hartz IV-Empfänger hat keinen Anspruch auf eine größere Wohnung, wenn er einen Hund hält. Das entscheidet das Sozialgericht Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) Ende Mai. Wer ein Haustier besitze, könne weder ein höheres Arbeitslosengeld II noch ein größere Wohnung erhalten. Geklagt hatte eine Hundebesitzerin, die sich im Vergleich zu Hartz IV-Empfängern mit Kindern benachteiligt fühlte.

2010 - Giftschlangen

Gefährliche Wildtiere wie Schlangen sind in hessischen Privatwohnungen auch künftig nur mit einer Ausnahmegenehmigung erlaubt. Das entscheidet der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel Anfang März. Geklagt hatte ein Hobbyzüchter, der mit einer befristeten Genehmigung 132 Giftschlangen, darunter 35 Königskobras, für Forschungszwecke in seiner Wohnung hält.

2013 - Hunde und Katzen

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe muss am 20. März 2013 darüber verhandeln, ob ein generelles Verbot von Katzen und Hunden in Mietverträgen zulässig ist (Az.: VIII ZR 168/12).

Rechtliches Konfliktpotenzial gibt es genug. Waldi bellt zu laut in der Mietwohnung, Bello hat das Nachbarskind gebissen, der teure Tierarzt hat bei der Behandlung von Miezi einen Fehler gemacht. Es gebe aber nur wenige Juristen, die sich mit Heimtierrecht befassen, heißt es beim Deutschen Anwaltverein in Berlin. „Das kann ein erfolgreiches Modell sein“, sagt Sprecher Swen Walentowski. Sehr einträglich sei Tierrecht aber nicht - mit einer Ausnahme: „Pferderecht ist lukrativ.“

Und wer erbt nun nach Omas Tod ihren Dackel? Das sollte sie vorher regeln und mit dem Erben absprechen, sagt Cäsar-Preller. Wer darf nach der Scheidung die Katze behalten? Da gilt es abzuwägen: „Wo fühlt sich das Tier wohler, wer kann sich mehr kümmern?“ Es klingt fast wie die Sorgerechtsentscheidung über ein Kind.

Kommentare (1)

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stefan.nochmann

08.10.2013, 19:22 Uhr

Wer sich Tiere in der Wohnung hält, ist ohnehin nicht ganz dicht.

Eine menschliche Behausung ist kein Stall.

Tierhaushalte sind genauso eklig wie Raucherhaushalte.

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