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23.08.2012

17:34 Uhr

Rauer Umgangston kein Mobbing

Gute Nachricht für unhöfliche Chefs

Eine Mitarbeiterin einer Versicherung hat nach Krankheit die Rückkehr zur Arbeit verweigert, da sie dort gemobbt werde. Vor Gericht konnte sie aber nur Kritik an ihrer Leistung und einen „rauen Umgangston“ nachweisen.

Wolfsburg Trainer Felix Magath (rechts) ist als Chef bekannt, der keine deutlichen Worte scheut.

Wolfsburg Trainer Felix Magath (rechts) ist als Chef bekannt, der keine deutlichen Worte scheut.

FrankfurtBloße Unhöflichkeiten von Vorgesetzten oder ein harscher Tonfall sind noch kein „Mobbing“ und deshalb kein Grund, die Arbeit niederzulegen. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt hervor. Damit wurde zugleich die fristlose Kündigung für eine Managerin wegen „beharrlicher Arbeitsverweigerung“ für zulässig erklärt (Az.: 7 BV 162/12).

Die bei einem Versicherungsunternehmen tätige Frau war mit mehreren Vorgesetzten immer wieder wegen Differenzen bei der Arbeit aneinandergeraten. Schließlich war sie krankgeschrieben. Als sie von den Ärzten wieder als arbeitsfähig eingestuft wurde, weigerte sie sich trotz mehrerer Aufforderungen, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Wegen der Umgangsformen der Vorgesetzten müsse sie damit rechnen, wieder krank zu werden, hatte sie argumentiert. Sie werde in der Firma systematisch ausgegrenzt, also „gemobbt“.

Laut Urteil konnte die Frau allerdings nur einen rauen Umgangston der Vorgesetzten und häufige Kritik an ihrer Arbeitsleistung sowie eine hohe Arbeitsbelastung nachweisen. „Mobbing“ liege allerdings erst dann vor, „wenn unerwünschte Verhaltensweisen bewirken, dass die Würde des Arbeitnehmers verletzt“ werde, heißt es im Urteil.

Wann eine Kündigung den Bonus kostet

Verfallsdatum

Mitunter werden Boni als Belohnung für Betriebstreue gezahlt. Sie sind dann vertraglich an einen bestimmten Stichtag gekoppelt. Der Standard: Die Zahlung wird nur fällig, wenn der Mitarbeiter bis Jahresende tätig war. Das ist per se nicht zu beanstanden.

Allerdings macht die Rechtsprechung eine wichtige Ausnahme. Macht der Bonus mehr als 25 Prozent der Gesamtbezüge aus, gehen die Gerichte davon aus, dass diese Prämie nicht nur für Betriebstreue gezahlt wird. Die Klausel ist dann unwirksam. Der Arbeitnehmer kann zumindest einen Teil der Sonderzahlung verlangen.

Schuldprinzip

Kassiert der Arbeitnehmer eine Kündigung, hängt das Schicksal seines Bonus von den Gründen ab. Hat das Unternehmen (zu Recht) verhaltensbedingt gekündigt, verfällt in der Regel auch der Anspruch auf die Sonderzulage. Handelt es sich dagegen um eine betriebsbedingte Kündigung, kann er sich Hoffnungen machen, zumindest einen Teil der Summe zu erhalten.

Zwangsurlaub

Oft können geschasste Mitarbeiter von ihrem künftigen Ex-Chef selbst dann ihren Bonus verlangen, wenn dieser sie während der Kündigungsfrist nicht mehr arbeiten lässt und freistellt. Der Grund. Durch den Zwangsurlaub nimmt das Unternehmen dem betreffenden Kollegen die Chance, seinen Bonus zu erarbeiten.

Die Folge: Wer belegen kann, dass er – hätte man ihn nur machen lassen – seine Ziele erreicht hätte, kann darauf hoffen, die volle Summe als Ersatz zu erhalten.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

23.08.2012, 20:29 Uhr

Schlechte Nachricht für unhöfliche Chefs: Man kann denen immer noch in die Fresse hauen! Wenn es nämlich schon so weit ist, dann ist das Arbeitsverhältnis sowieso egal. Und bei der heutigen Streicheljustiz braucht niemand vor Strafe Angst haben. Sonst würden sich ja auch "Chefs" besser verhalten!

Account gelöscht!

24.08.2012, 00:41 Uhr

Natürlich ist ein rauer Umgangston kein Mobbing.

Alle Vollidioten verhalten sich so.

Felser

09.11.2012, 15:48 Uhr

Na, erstaunlich das Aktenzeichen ("BV"), dann müsste es sich ja um die Kündigung eines Betriebsratsmitglieds handeln:

http://blog.beck.de/2012/08/28/ein-urteil-im-beschlussverfahren-von-der-qualitaet-juristischer-berichterstattung

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