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10.10.2013

08:42 Uhr

Rechtsstreit

Finanzamt zweifelt eingescannte Rechnungen an

Eine Firma scannt sämtliche Belege ein und vernichtet die Originale, um Platz zu sparen. Das Finanzamt zweifelt die digitalen Kopien an. Die Richter müssen nun klären, wie beweiskräftig eingescannte Dokumente sind.

Papierfluten: Mit einscannen gegensteuern? dpa

Papierfluten: Mit einscannen gegensteuern?

Nürnberg/KasselEs ist eine beeindruckende Zahl, die das Statistische Bundesamt ermittelt hat: Rund 35 Milliarden Rechnungen verschicken deutsche Unternehmen jedes Jahr. Nach dem Gesetz müssen Steuerunterlagen zehn Jahre lang aufbewahrt werden. Um nicht im Papier zu versinken, werden viele Rechnungen eingescannt und nur noch elektronisch archiviert.

Diese Dateien könnten allerdings eine tickende Zeitbombe sein: „Bis heute ist völlig unklar, welche Beweiskraft solche gescannten Dokumente haben, wenn die Originale nach dem Scanvorgang weggeworfen wurden“, sagt der Rechtswissenschaftler Alexander Roßnagel von der Universität Kassel. Es gebe nämlich noch kein einziges Urteil, betont der Leiter der dortigen Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung.

Genau das will der Professor ändern: In Nürnberg wird es Ende Oktober gleich 14 Gerichtsverhandlungen um eingescannte Steuerdokumente geben. Roßnagel hat sie zusammen mit dem Nürnberger IT-Dienstleister Datev losgetreten. Es sind simulierte Verhandlungen, aber mit echten Berufsrichtern und Rechtsanwälten. Der gefragte Wirtschaftsexperte und das Softwarehaus wollen auf diese Weise herausfinden, wie die Justiz eingescannte Dokumente beurteilt.

„Wenn wir warten, bis es irgendwann einmal zum ersten Rechtsstreit kommt, ist es vielleicht zu spät“, warnt Roßnagel. Denn das „ersetzende Scannen“, wie es heißt, wenn das Original nach der Umwandlung in eine Datei vernichtet wird, ist auf dem Vormarsch. Nach neuen Schätzungen der Wiesbadener Statistiker landen mittlerweile pro Jahr etwa 26 Milliarden Rechnungen auf Festplatte - und das Original oft im Reißwolf.

Roßnagel will sich erst gar nicht ausmalen, was es bedeuten könnte, sollte ein Gericht in einigen Jahren einen nur noch digital vorhandenen Steuerbeleg nicht als Beweismittel anerkennen. „Dann haben ja vielleicht schon viele Steuerkanzleien auf rein elektronische Dokumente umgestellt.“

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

10.10.2013, 09:17 Uhr

Das Finanzamt zweifelt ALLES an. Dort ist man verdächtig, bis das Gegenteil bewiesen wurde.

Eigentlich alles wie bei den Raubrittern des Mittelalters. Die haben auch die Einkünfte anderer Leute eingezogen, weil es eine Vorschrift dafür gab, der die Geschädigten nie zugestimmt haben.

UweReissner

10.10.2013, 09:29 Uhr

Meines Wissens gibt es da eine Gesetzesgrundlage, welches vorschreibt wie lange Originalbelege aufgehoben werden müssen.

Was mich aber fasziniert ist, dass ein Land wie Deutschland nicht in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass der Steuerzahler die Kennzahlen digital und online eingibt. Mauscheleien würden frühzeitig erkennt und verhindern aus der Natur des Entdeckens, neue.

WFriedrich

10.10.2013, 09:34 Uhr

Mit Zustimmung zur Nutzung moderner Technologien - auch beim Archivieren - ist m.E. fest zu rechnen. Die Abkoppelung von modernen Technologien wäre verhängnisvoll für den Wirtschaftsstandort. Schließlich wenden auch die Finanzbehörden zunehmend erfolgreich IKT-Technik an, so dass partielle Beschränkungen widersinnig wären. Eigentlich bedrückt die Wirtschaft nicht die Frage nach den "ob", sondern nach dem "wann". Hoffentlich verlieren wir keine wertvolle Zeit.

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