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13.01.2014

15:48 Uhr

Regulierung

Fall Prokon setzt Bundesregierung unter Zugzwang

ExklusivGut 1,4 Milliarden Euro haben Anleger bei der pleitebedrohten Prokon investiert. Die Genussrechte sind nicht reguliert, es droht der Totalausfall. Das ruft Verbraucherschützer und die Politik auf den Plan.

Anleger haben Prokon insgesamt 1,4 Milliarden Euro geliehen. dpa

Anleger haben Prokon insgesamt 1,4 Milliarden Euro geliehen.

BerlinVor dem Hintergrund der Pleitedrohung des Windparkfinanzierers Prokon fordern Verbrauchschützer auch schärfere Regeln für den Grauen Kapitalmarkt. „Die Bundesminister Maas und Schäuble müssen dafür sorgen, dass der graue Kapitalmarkt besser reguliert und strenger kontrolliert wird. Vor allem müssen sie den Vertrieb umgehend beschränken, so dass diese Produkte nicht mehr beworben und empfohlen werden dürfen“, sagte die Leiterin Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Dorothea Mohn, Teamleiterin, dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).  Sogenannte Genussrechte könnten viele Verbraucher in den finanziellen Ruin treiben. Prokon sei dafür nur ein Beispiel in einer Reihe von Skandalen, so Mohn.

Die frühere Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast fordert eine Zulassungspflicht für Prokon-Produkte. Die Regulierung des grauen Kapitalmarkts in der letzten Legislaturperiode habe zu viele Flanken offen gelassen. "Wer wie Prokon knapp 1,5 Milliarden Euro von Einlegern einsammelt und damit massenhaft Finanzprodukte zur Altersvorsorge an Privatanleger vertreibt, muss per Gesetz einer Zulassungspflicht bei der BaFin unterliegen", sagte Künast Handelsblatt Online. Gleichzeitig dürfe eine Regulierung nicht die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen gefährden. "Es ist daher eine abgestufte Regulierung notwendig."

Die Grünen-Verbraucherschutzexpertin Nicole Maisch machte die CDU für den unzureichenden Anlegerschutz wie im Fall Prokon verantwortlich. „Die CDU hat im vergangenen Jahr Bereiche des grauen Kapitalmarkts geregelt, aber sehenden Auges andere Schlupflöcher offen gelassen“, sagte Maisch dem Handelsblatt. Dazu gehörten auch Genussrechte. „Unsere Forderung ist: kein Anbieter, kein Finanzprodukt, kein Vertriebsweg soll unreguliert bleiben“, sagte Maisch.

Kommentare (7)

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Juntos_MK

14.01.2014, 08:50 Uhr

Der Schrei nach unbedingter und vollkommener sozialistischer Regulierung entmündigt die Bürger weiter, wird aber in keinster Weise dafür sorgen, dass in Zukunft nicht mehr betrogen wird oder Luftschlösser verkauft werden.
Der Mensch ist und bleibt gierig. Daher wird das Risiko einer 8%-Anlage (zuletzt weniger) ausgeblendet, sich einfach nicht damit beschäftigt. Dann aber aufgeschrien, wenn das Totalverlustrisiko zum Realverlust wird.
Als Finanzplaner gehören für mich Genussscheine auch weiterhin zu den Finanzierungsmitteln, die man durchaus einsetzen und erlauben sollte. Aber es sollte ALLEN Beteiligten klar sein, dass alle Formen von direkten Beteiligungen nicht per se für die sog. "Altersvorsorge" geeignet sind! Der Zins aus Genusscheinen, Anleihen, Inhaberschuldverschreibungen usw. ist KEINE garantierte Rente - kann aber sehr wohl Teil eines gut gestreuten Portfolios sein, aus dessen gesamten Erträgen man seinen Lebensunterhalt verbessert.
Ich halte es für wichtig, dass Emittenten zur Rechenschaft gezogen werden, die solche Investments als "sicher" verkaufen, "zur Altersvorsorge geeignet" usw. Und zwar rechtzeitig, nicht erst, wenn sie pleite sind. Hier sollte dem oft zahnlosen Tiger BAFIN mehr Macht gegeben werden.
Und, als kleiner Tipp an alle Anleger: Besorgen Sie sich eine Rechtsschutzversicherung, die Streits um Kapitalanlagen mit absichert. Es gibt sie, man muss sie allerdings mit der Lupe suchen. Denn dann nehmen Sie sich in so einem Fall den Emittenten, ersatzweise den Vermittler vor, sofern er Ihnen die Anlage mit falschen Versprechungen verkauft hat.
Letzte Anmerkung: Man kann sich durchaus selbst um sein Geld kümmern, ja. Aber es kostet Zeit, viel Zeit, um sich das erforderliche Wissen anzueignen und anzuwenden - wenn man nicht lieber zu denjenigen gehören will, die durch die finanzielle Repression die Schulden der anderen abzahlen. Hier ist Fachwissen gefragt, das im Beratermarkt durchaus existiert!

ONB

14.01.2014, 08:50 Uhr

Genussrechte sind reguliert, sie benötigen eine Prüfung und Genehmigung durch die Bafin. Die Aufregung bei Prokon kann ich nicht verstehen, denn die Anleger wußten vorauf sie sich einlassen. Die Kosten durch sog. systemrelevante Banken (CoBank etc.) sind für die Bürger viel teurer gewesen. Es gilt bei allen Kapitalanlagen das Gebot der Streuung. Packe nicht alle Eier in eine Lebensversicherung, Genussrecht, Fonds, Bank usw.

Aber auch hier war wohl die Gier der Anleger nach der attraktiven Verzinsung von 6% + Bonus höher. Hier sind auch keine Berater involviert gewesen da die Genussrechte im direkten Vertrieb durch Prokon an die Anleger vertrieben wurden. Es handelt sich also um Anleger die eigenverantwortlich investiert haben.

Auch hier soll einmal mehr durch sog. Verbraucherschützer das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden. Es gibt ja genug Produkte die funktionieren, nur über die läßt sich natürlich nicht so herfallen.

Wir brauchen endlich Finanzbildung bei den Bürgern und nicht Verbote. Dann würden zweifelhafte Produkte nicht mehr am Markt platziert werden können. Durch die Regulierung werden Kleinanleger in Zukunft nicht mehr beraten werden können. Diese Entwicklung kostet Wohlstand in Schichten die bei einem sich mehr und mehr zurückziehenden Staat eigenes Vermögen dringend benötigen.

vanalden

14.01.2014, 09:13 Uhr

Da wird schon wieder einseitig berichtet. Wie immer. Die guten sind da wieder die Banken...Aber warum jetzt das ganze Geld der Anleger weg sein soll, verstehe ich auch nicht. Wird ja wohl die Anlagen und die Stormeinnahmen geben.

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