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29.06.2015

15:25 Uhr

Reisen, Incentives, Elektronik

Klare Regeln zum Versteuern von Geschenken

VonConstanze Elter

Ob Reise, Eintrittskarte oder Tablet: Wer als Arbeitnehmer oder Geschäftspartner ein Geschenk erhält, muss diese Zuwendung im Prinzip versteuern. Doch es gibt eine Alternative und neue Regeln des Finanzministeriums.

Das gilt zum Glück nicht für alle Arten von Präsenten. dpa

Steuer auf Geschenke?

Das gilt zum Glück nicht für alle Arten von Präsenten.

BerlinGeschenke erhalten die Freundschaft – und auch so manche Geschäftsbeziehung. Es ist inzwischen durchaus üblich, dass Unternehmen das Verhältnis zu Geschäftsfreunden oder Mitarbeitern aufbessern wollen, indem sie ihnen beispielsweise Eintrittskarten oder ein elektronisches Gerät überreichen. Sachzuwendungen heißt das im Finanzamts-Deutsch – und bislang waren solche Zuwendungen nicht ohne Haken und Ösen für den Beschenkten.

Denn diese Zuwendungen sind steuerlich betrachtet für den Empfänger eine Einnahme – also etwas, was versteuert werden muss. Da man als Beschenkter nicht unbedingt sofort daran denkt, den Gegenwert einer solchen Zuwendung zu versteuern, gibt es die Möglichkeit, dass die andere Seite dies pauschal übernimmt. Ein Beispiel: Lädt ein Unternehmer einen Geschäftspartner zu einem Wochenendtrip ein, ist der Gegenwert der Reise zu versteuern.

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Dies kann der Unternehmer pauschal übernehmen – nach einer entsprechenden Vorschrift im Paragraph 37b des Einkommensteuergesetzes. Demnach kann der Unternehmer den Wert seines Geschenks pauschal mit 30 Prozent Lohnsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag abgleichen. Und der Geschäftspartner muss in einem solchen Fall nichts anderes tun als die Reise zu genießen.

Das Bundesfinanzministerium hat nun in einem Schreiben auf mehrere Urteile des Bundesfinanzhofs reagiert, in denen entschieden worden war, dass nur Zuwendungen, die beim Empfänger einkommensteuerpflichtig sind, pauschaliert werden können. Die Finanzverwaltung hat daher die bisherige Praxis mit Blick auf die Gerichtsurteile aktualisiert (Schreiben vom 19. Mai 2015, IV C 6 – S 2297-b/14/10001).

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

Keine Pflicht zur Steuererklärung

Alleinstehende Arbeitnehmer, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, müssen in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Das ändert sich, wenn ...

Nebeneinkünfte

- wenn Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt wurden.

Mehrere Arbeitgeber

- der Arbeitnehmer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt ist oder war.

Gesamtbetrag der Einkünfte über 8.354 Euro

- keine Einkünfte aus einer Arbeitnehmertätigkeit mit Lohnabzug erzielt wurden, aber der Gesamtbetrag der Einkünfte bei einem Ledigen im Jahr 2014 beispielsweise durch eine Rente über 8.354 Euro liegt.

Lohnersatzleistungen

- Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Arbeitslosen- und Elterngeld über 410 Euro pro Jahr bezogen wurden.

Freibetrag eingetragen

- auf der Lohnsteuerkarte ein Freibetrag eingetragen wurde.

Ehegatte in Steuerklasse V oder VI

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und einer der Ehegatten nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.

Besteuerung nach Faktorverfahren

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und die Ehegatten nach dem sogenannten Faktorverfahren besteuert wurde.

Sonstige Bezüge nicht einbezogen

- der Arbeitnehmer nacheinander bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt war und ein Arbeitgeber einen sonstigen Bezug (beispielsweise Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Abfindungen) versteuert hat, bei dem der Arbeitslohn beim anderen Arbeitgeber nicht mit einbezogen wurde.

Scheidung

- der Arbeitnehmer geschieden wurde – oder der Ehegatte gestorben ist – und er im gleichen Jahr wieder geheiratet hat.

Verlustvortrag

- zum Ende des Vorjahres ein sogenannter Verlustvortag festgestellt wurde – beispielsweise Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Zunächst einmal stellt das Schreiben klar, dass Geschenke oder Zuwendungen zusätzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder geschuldeten Arbeitslohn überreicht werden. Das bedeutet wiederum, dass Geschenke im Zusammenhang mit der Anbahnung eines Vertragsverhältnisses nicht unter die Pauschalierungsvorschrift fallen.

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