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18.12.2012

18:15 Uhr

Reiserecht

Keine Stornogebühren bei höherer Gewalt

Wenn Reisende wegen höherer Gewalt ihre Kreuzfahrt nicht antreten können, müssen sie keine Stornogebühren an den Veranstalter der Schiffsreise zahlen. Das hat der BGH entschieden. Hintergrund war ein Vulkanausbruch.

Wenn der Traum von der Karibikreise wegen höherer Gewalt platzt, bleiben zumindest Stornogebühren erspart. dpa

Wenn der Traum von der Karibikreise wegen höherer Gewalt platzt, bleiben zumindest Stornogebühren erspart.

Karlsruhe/DüsseldorfDer Bundesgerichtshof (BGH) hat die Rechte von Individualurlaubern gestärkt, die gebuchte Reisen wegen höherer Gewalt nicht antreten konnten. Sie müssen keine Stornokosten bezahlen, wenn sie etwa eine Kreuzfahrt in Übersee wegen eines Flugverbots nicht rechtzeitig erreichen, wie der BGH in einem am Dienstag verkündeten Urteil entschied (Az.: X ZR 2/12)

Hintergrund ist das Flugverbot, das im April 2010 über große Teile Europas verhängte worden war, weil der isländische Vulkan Eyjafjöll eine Aschewolke ausgestoßenen hatte. Der Kläger hatte in einem Reisebüro für sich und seine Ehefrau eine Karibik-Kreuzfahrt gebucht und gesondert davon Flüge zum Ausgangshafen in Fort Lauderdale gekauft. Wegen des Flugverbots, das die Aschewolke ausgelöst hatte, konnte der Kläger das Schiff nicht erreichen.

Pauschalreisende haben viele Vorteile

Pauschal- contra Individualreise

Wer eine Pauschalreise bucht, ist per Gesetz besser geschützt als Individualreisende und kann seine Ansprüche einfacher geltend machen.

Wann gilt das Pauschalreiserecht?

Wer seine Reise als Paket komplett bei einem Reiseveranstalter bucht, gilt als Pauschalreisender. Auch, wenn der Urlauber zwar auf eigene Faust anreist, aber das Hotel nicht beim Hotelier, sondern über einen Reiseveranstalter bucht, gilt das Pauschalreiserecht.

Nur ein Ansprechpartner bei Pauschalreisen

Hat ein Urlauber bei einem Reiseveranstalter gebucht, ist dieser der übergeordnete Ansprechpartner für alle Reklamationen – egal, ob es um die mangelnde Sauberkeit im Hotel oder die Verspätung des Fliegers geht.

Buchungen aus Deutschland

Für Urlauber, die innerhalb Deutschlands eine Reise buchen, gilt das deutsche Pauschalreiserecht als Mindestschutz – auch bei Online-Buchungen. Dabei ist es egal, an welchen Ort die Reise führt und wo der Reiseveranstalter seinen Sitz hat. Für Individualreisende ist es schwieriger. Wenn sie beispielsweise Probleme mit dem Hotel in Spanien haben, gilt bei einem Rechtsstreit das spanische Gesetz.

Aus diesem Grund kündigte der Kläger den Vertrag über die Kreuzfahrt einen Tag vor Beginn. Der Kreuzfahrtveranstalter forderte 90 Prozent des Reisepreises, die das Reisebüro bezahlte und dann von dem Ehepaar zurückforderte. Laut Urteil muss verhinderte Urlauber jedoch nicht zahlen, weil er die Reise wegen „nicht vorhersehbarer höherer Gewalt“ nicht antreten konnte.

Stornokosten

Stornieren ist teuer

Wer die Reise nicht mehr antreten kann oder will, darf sie stornieren, doch auf einem Teil der Kosten bleiben die Kunden sitzen. Mit einer Reise-Rücktrittskosten-Versicherung kann man sich absichern, diese zahlt aber auch nicht in allen Fällen. Deshalb sollten sich Urlauber die Vertragsbedingungen genau ansehen. Für Flugpauschalreisen gelten folgende Stornopauschalen laut Bundesgerichtshof als angemessen.

Bis 30 Tage vor Reisebeginn

20 Prozent des gesamten Reisepreises muss der Kunde zahlen.

Ab 29. bis 22. Tag vor Reisebeginn

30 Prozent des gesamten Reisepreises muss der Kunde zahlen.

Ab 21. bis 15. Tag vor Reisebeginn

40 Prozent des gesamten Reisepreises muss der Kunde zahlen.

Ab 14. bis 7. Tag vor Reisebeginn

50 Prozent des gesamten Reisepreises muss der Kunde zahlen

Ab 6. Tag vor Reisebeginn

55 Prozent des gesamten Reisepreises muss der Kunde zahlen.

Ab Nichtantritt

75 Prozent des gesamten Reisepreises muss der Kunde zahlen.

Sparen durch Ersatzreisenden

Wer selbst nicht reisen kann, hat das Recht, die Reise auf einen Dritten zu übertragen. Dann müssen keine Stornokosten gezahlt werden, möglich ist aber eine Bearbeitungsgebühr.

Einfacher haben es bei Problemen rund um den Urlaub bisher meist Pauschalreisende, die einzelne Elemente der Reise wie Anfahrt, Übernachtung und Ausflüge im Paket bei einem Reiseveranstalter buchen. Hakt es an einer Stelle, können sie sich stets an den Veranstalter als zentralen Ansprechpartner wenden. Zudem können sie sich auf ein umfangreiches Pauschalreiserecht stützen.

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