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13.06.2016

09:40 Uhr

Renovieren nach der Flut

So hilft das Finanzamt bei Hochwasser

VonConstanze Elter

Durch Hochwasser und Überschwemmungen haben Hunderte Menschen in Deutschland ihr Hab und Gut verloren oder müssen ihre Immobilien aufwendig renovieren. Unterstützung kommt vom Finanzamt – auch Chefs können helfen.

Solche Schäden zu beseitigen ist teuer, doch das Finanzamt hilft. dpa

Aufräumarbeiten nach Flut in Simbach

Solche Schäden zu beseitigen ist teuer, doch das Finanzamt hilft.

MünchenDie Aufräumarbeiten sind noch im vollen Gange, schon gibt der Wetterdienst die nächsten Unwetterwarnungen heraus. Betroffene stehen teilweise vor dem Nichts, beträchtliche Schäden sind entstanden. Bei den finanziellen Belastungen greifen die Finanzämter den Betroffenen nun unter die Arme.

Denn die Kosten, die anfallen, um die Schäden zu beseitigen und Wohnungen wieder instand zu setzen, können bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Dazu zählen Räumungskosten, Reparaturen genauso wie der Neukauf von Möbeln, Hausrat und Kleidung. Entscheidend ist der direkte Zusammenhang mit dem Hochwasserschaden.

Die Ausgaben müssen allerdings als außergewöhnliche Belastung angegeben werden. Das bedeutet, dass dem Steuerpflichtigen die so genannte zumutbare Belastung als Eigenanteil angerechnet wird. Die zumutbare Belastung richtet sich nach der Höhe der Gesamteinkünfte und der familiären Situation . Den entsprechenden Prozentsatz der Einkünfte muss der Betroffene selbst tragen – also von der Summe abziehen, die er steuerlich geltend machen will:

Sie haben…

Einkünfte bis 15.340 Euro

Einkünfte zwischen 15.340 und 51.130 Euro

Einkünfte über 51.130 Euro

kein Kind und es gilt der Grundtarif

5 Prozent

6 Prozent

7 Prozent

kein Kind und es gilt der Splittingtarif

4 Prozent

5 Prozent

6 Prozent

ein oder zwei Kinder

2 Prozent

3 Prozent

4 Prozent

drei oder mehr Kinder

1 Prozent

1 Prozent

2 Prozent

Weil die Steuererklärung für 2016 aber noch längst nicht erstellt werden kann, können Betroffene schon jetzt einen Lohnsteuerermäßigungsantrag stellen. Sie erhalten damit auf ihrer Steuerkarte einen Freibetrag für die Aufwendungen, die als außergewöhnliche Belastung abziehbar sind.

Auf diese Weise gibt es schon jetzt mehr Netto auf dem Konto – und damit mehr finanziellen Spielraum für die anstehenden Reparaturen. Übernimmt allerdings eine Versicherung die Kosten, können beim Finanzamt nur noch die Ausgaben geltend gemacht werden, die am Ende übrigbleiben.

Die schwersten Unwetter der vergangenen Jahre

Dezember 1999

Zwei Tage nach Heiligabend fordert der Sturm „Lothar“ in Deutschland und fünf weiteren Ländern 110 Menschenleben. Es entstehen Schäden in Milliardenhöhe.

Juli 2002

Heftige Gewitter und ein Orkan ziehen über Berlin und Brandenburg. Acht Menschen sterben, zwei jugendliche Teilnehmer eines Zeltlagers auf der Insel Schwanenwerder im Wannsee werden von Bäumen erschlagen.

Juni 2004

Ein Sommersturm über Teilen Deutschlands verursacht Millionenschäden. In Niedersachsen wird ein Autofahrer von einer Eiche erschlagen. Auf dem Chiemsee in Bayern ertrinkt ein Segler.

Januar 2007

Orkan „Kyrill“ tobt in Europa. 47 Menschen sterben, 11 von ihnen in Deutschland. Erstmals in der Geschichte der Bahn steht der Schienenverkehr fast völlig still.

März 2008

„Emma“ wütet über Europa, bundesweit sterben sieben Menschen. In Hamburg entgeht ein Lufthansa-Airbus nur knapp einer Katastrophe, als eine Tragfläche die Landebahn berührt.

Februar 2010

Orkantief „Xynthia“ verwüstet Teile Westeuropas. In Deutschland wütet er am heftigsten in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Sieben Menschen sterben in der Bundesrepublik.

Oktober 2013

Der Orkan „Christian“ knickt in Norddeutschland und Nordeuropa massenhaft Bäume um und deckt Dächer ab. Allein in Deutschland sterben mindestens sieben Menschen.

Dezember 2013

Mindestens zehn Menschen werden europaweit von Orkan „Xaver“ in den Tod gerissen. Hunderttausende sind ohne Strom. Hamburg erlebt die zweithöchste Sturmflut seit Beginn der Aufzeichnungen 1825.

Juni 2014

Mit Hagel, Starkregen und heftigem Wind hinterlässt Tief „Ela“ vor allem in Nordrhein-Westfalen eine Spur der Verwüstung. Bilanz: Schäden in zweistelliger Millionenhöhe und mehrere Tote.

Januar 2015

Die Orkantiefs „Elon“ und „Felix“ richten in ganz Europa Verwüstungen an und legen vielerorts den Bahnverkehr lahm. Bei Unfällen gibt es Tote und Verletzte – auch in Deutschland.

Arbeitgeber können betroffenen Angestellten ebenfalls helfen. Unterstützungen an unwetter- oder hochwassergeschädigte Arbeitnehmer sind in jedem Fall bis zu einem Betrag von 600 Euro pro Jahr steuerfrei. Wird diese Summe überschritten, muss ein besonderer Notfall nachgewiesen werden, damit der Betrag nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn gehört. Die Finanzverwaltung weist aber ausdrücklich darauf hin, dass bei Unwetter-Betroffenen im Allgemeinen von einem besonderen Notfall ausgegangen wird.

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