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21.09.2015

14:10 Uhr

Rentenzahlung

Wer nicht prüft, darf nicht besteuern

VonConstanze Elter

Grundsätzlich müssen die meisten Renten versteuert werden. Doch wenn das Finanzamt die Angaben des Steuerpflichtigen zu den Renteneinnahmen nicht rechtzeitig prüft, darf es einen Steuerbescheid später nicht mehr ändern.

Unterlagen, die vorliegen, muss das Finanzamt auch sofort nutzen. dpa

Aktenstapel

Unterlagen, die vorliegen, muss das Finanzamt auch sofort nutzen.

NeustadtEntgegen einer weit verbreiteten Auffassung sind die meisten Renten seit jeher grundsätzlich einkommensteuerpflichtig. Viele Ruheständler hatten jedoch mit dem Finanzamt lange nichts zu tun, weil nach altem Recht die geringe, so genannte Ertragsanteilbesteuerung galt. Mit dem Alterseinkünftegesetz wurde jedoch ein Systemwechsel in der Besteuerung von Altersvorsorge und Renten eingeläutet. Seitdem heißt es: Die gesetzlichen Rentenzahlungen werden – Schritt für Schritt – voll besteuert. Für manche Ruhestandszahlungen gelten andere Regeln: Zum Beispiel richtet sich die Besteuerung von Auszahlungen aus Risikoversicherungen nach dem günstigeren Ertragsanteil.

Auch eine inzwischen 89-Jährige aus Nordrhein-Westfalen musste ihre Leibrenteneinkünfte von 90.000 Euro jährlich lediglich mit dem Ertragsanteil von 17 Prozent versteuern. Nachdem sie nach Rheinland-Pfalz umgezogen war, übernahm das zuständige Finanzamt in Bad Neuenahr-Ahrweiler die Einstufung der Vorgängerbehörde. Und das, obwohl das Computersystem für die Einkommensteuerveranlagung bereits 2007 einen Prüfhinweis innerhalb des internen Risikomanagements gegeben hatte.

Das sollten Rentner über ihre Einnahmen wissen

Minijob

Viele Ruheständler verdienen sich im Minijob etwas hinzu. Diese „geringfügige Beschäftigung“ bleibt für Arbeitnehmer steuerfrei. Die Höchstverdienstgrenze wurde 2013 von 400 auf 450 Euro im Monat angehoben.

Ehrenamt

Viele engagieren sich in Vereinen oder in Einrichtungen, die gemeinnützigen, mildtätigen, kirchlichen Zwecken dienen. Wird ihnen eine Aufwandsentschädigung gezahlt, kann sie ab 2013 bis zu einer Höhe von 2400 Euro steuerfrei bleiben („Übungsleiter-Freibetrag“).

Werkspension

Arbeitnehmer, die in Rente gehen, bekommen neben ihrer gesetzlichen Rente oftmals auch eine von ihrem ehemaligen Arbeitgeber finanzierte Werkspension. Sie wird wie Arbeitslohn behandelt. Der Arbeitgeber zieht die Lohnsteuer und die gesetzlichen Versicherungsbeiträge ab und stellt eine Lohnsteuerbescheinigung aus.

Beamtenpension

Die meisten ehemaligen Beamten mussten wegen ihrer Pensionen bisher schon Steuererklärungen abgeben. Steuerlich werden Beamtenpensionen behandelt wie Werkspensionen.

Mehrere gesetzliche Renten

Bekommt jemand mehrere Renten, wird in steuerlicher Hinsicht jede einzeln bewertet. Das gilt zum Beispiel für das Zusammentreffen der eigenen Rente einer Frau mit einer Witwenrente oder das Zusammentreffen einer Altersrente mit einer Erwerbsminderungsrente bei einem Rentnerehepaar.

Privatrente

Bezüge aus einer privaten Versicherung sind steuerpflichtig. Sie werden vom Fiskus aber „milder“ behandelt als die gesetzliche Rente, weil die früher gezahlten Rentenbeiträge meist aus bereits versteuertem Einkommen bezahlt wurden.

Zinsen

Mit Zinsen, Dividenden und anderen Kapitalerträgen bessert mancher Ruheständler seine Versorgungsbezüge auf. An Zinsen und Co. möchte auch der Fiskus teilhaben, wenn sie den Sparerpauschbetrag übersteigen.

Miete und Pacht

Wer mit vermieteten Immobilien vorgesorgt hat, kassiert neben der Rente noch Miete. Steuerpflichtig ist aber nicht die gesamte Miete, sondern der Überschuss der Mieteinnahmen über die Werbungskosten.

Quelle

„Steuererklärung 2013/2014 Rentner, Pensionäre“, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3-86851-349-3, 14,90 Euro.

Erst fünf Jahre später sah sich das Finanzamt zum Handeln veranlasst. Denn Betriebsprüfer hatten beim Sohn der Rentnerin festgestellt, dass dieser die Zahlungen an seine Mutter als dauernde Last bei den Werbungskosten in voller Höhe angegeben hatte. Korrekt wäre jedoch ein Abzug als Sonderausgabe gewesen. Die Prüfer übersandten dem Finanzamt Bad Neuenahr-Ahrweiler eine Kontrollmitteilung, wonach die Versorgungsleistungen entsprechend in voller Höhe steuerpflichtig seien.

Erst jetzt stellte die Behörde fest, dass sich die Rentenzahlungen auf eine Vermögensübertragung bezogen. Die ältere Dame hatte mit ihrem Sohn schon vor Jahren einen Vertrag geschlossen und sich darin auf Lebenszeit eine Rentenzahlung gesichert. Diesen Vertrag hatte sie dem vorherigen Finanzamt in NRW vorgelegt. Das Finanzamt in Rheinland-Pfalz kümmerte dies nun nicht und forderte eine Steuernachzahlung für die zurückliegenden Jahre in Höhe von rund 140.000 Euro.

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