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29.01.2014

13:13 Uhr

Restrukturierung

Prokon will Insolvenz vermeiden

Die Geschäftsführung von Prokon ist überzeugt, dass der Windanlagen-Finanzier nicht auf ein Insolvenzverfahren angewiesen ist. Sie habe begonnen, ein Konzept für die Restrukturierung zu erarbeiten.

Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon in Hannover: Neue Struktur. dpa

Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon in Hannover: Neue Struktur.

ItzehoeDer Windanlagen-Finanzier Prokon will die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vermeiden und sich eine neue Struktur geben. Die Geschäftsführung sei überzeugt, dass kein Insolvenzverfahren eröffnet werden müsse, heißt es in einem Schreiben von Geschäftsführer Carsten Rodbertus und dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin an die Anleger, das auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlicht wurde.

Für diesen Fall habe die Geschäftsführung begonnen, ein Konzept für die Restrukturierung von Prokon zu erarbeiten. Dazu könne eine Änderung der Genussrechtsbedingungen oder die Änderung der Rechtsform in eine Genossenschaft oder Aktiengesellschaft gehören.

Die Zukunft von Prokon

Ist die Insolvenzanmeldung das Ende von Prokon?

Nein, nicht zwangsläufig. Mit dem Gang zum Gericht ist zunächst das vorläufige Insolvenzverfahren angelaufen. Das Gericht bestellt einen vorläufigen Insolvenzverwalter, dessen Aufgabe es ist, das Unternehmen zu sanieren. So soll das für die Gläubiger beste Ergebnis erzielt werden. Im Fall des Fernsehherstellers Loewe konnte beispielsweise ein neuer Investor gefunden werden, der Teile des Unternehmens weiterführt. Für die Mitarbeiter setzt sich der Insolvenzverwalter für das staatlich gezahlte Insolvenzgeld ein. Damit könnte Prokon für drei Monate die Gehälter aus Staatsmitteln auszahlen. Der Betrieb geht zunächst erst einmal weiter. Erst später wird gerichtlich entschieden, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Ist mein investiertes Geld verloren?

Nicht unbedingt. Prokon gibt zwar an, zahlungsunfähig zu sein, besitzt aber mit den Windparks auch große Sachwerte, die nun im vorläufigen Insolvenzverfahren verkauft werden könnten. Wie viel Geld die Genussrechteinhaber am Ende erwarten können, ist jedoch völlig unklar. Bedeutsam ist dabei, dass Genussrechte nur nachrangig gegenüber anderen Forderungen sind. Das heißt: Bevor die Inhaber von Genussrechten aus der Insolvenzmasse ausgezahlt werden, müssen andere Forderungen wie ausstehende Mitarbeitergehälter oder Mietzahlungen abgegolten sein.

Ich habe meine Genussrechte behalten. Was muss ich tun?

Durch die Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens bleibt Anlegern zunächst nur eins: abwarten. Vorerst brauchen sie ihre Forderungen noch nicht anzumelden. Dies wäre unwirksam. Erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Forderungen angemeldet werden. Der Insolvenzverwalter hat angekündigt, die Genussrechteinhaber über das weitere Vorgehen zu informieren. Eine Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt dürfte keine Auswirkungen mehr haben.

Ich habe meine Genussrechte schon gekündigt. Bekomme ich mein Geld?

Das Unternehmen wird auch die gekündigten Genussrechte zunächst nicht auszahlen. Laut Prokon werden diese gleichrangig zu den nicht gekündigten Genussrechten im Falle der Insolvenz behandelt. Somit werden die Anleger nicht früher aus der Insolvenzmasse bedient, nur weil sie gekündigt haben. Verbraucherschützer sehen dies genauso.

Kann ich mich juristisch wehren?

Mahnbescheide oder eine per Klage erwirkte Zwangsvollstreckung sind fast aussichtslos. Der Insolvenzverwalter hat das Recht, solche Zwangsvollstreckungen größtenteils zu untersagen. Eine Möglichkeit, sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen, ist eine Klage zur Beseitigung des Nachrangs der Genussrechte. Im Erfolgsfall würde der Kläger vor den anderen Genussrechteinhabern und gleichrangig mit anderen Gläubigern entschädigt. Die Erfolgsaussichten sind laut Verbraucherschützern aber unsicher. Bei einer Niederlage müsste der Kläger dann auch noch Anwalts- und Gerichtskosten tragen.

Wann kann ich damit rechnen, mein Geld zurück zu bekommen?

Durch das vorläufige Insolvenzverfahren genießt das insolvente Unternehmen besonderen rechtlichen Schutz. Sollte es zum eigentlichen Insolvenzverfahren kommen, kann dieses Jahre dauern. Bis die Gläubiger Geld sehen, müssen sie also wahrscheinlich lange warten.

Kann ich Prokon mit mehr Geld helfen?

Nein, der Insolvenzverwalter hat klar gemacht, dass derzeit keine neuen Genussrechte gezeichnet werden können. Er bat darum, keine Zahlungen mehr auf Prokon-Konten vorzunehmen.

Bekomme ich weiterhin Strom von Prokon?

Die Stromkunden haben wenig zu befürchten. Der Insolvenzverwalter hat mitgeteilt, dass der Geschäftsbetrieb von Prokon vollständig fortgeführt wird. Zudem würden Kunden in die sogenannte Ersatzversorgung fallen, wenn Prokon keinen Strom mehr liefern könnte. Dann würde der örtliche Stromerzeuger die Versorgung übernehmen. Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, könnten Kunden dann zu viel gezahlte Monatsabschläge anmelden und würden aus der Insolvenzmasse, soweit möglich, entschädigt.

Was macht ein vorläufiger Insolvenzverwalter?

Stellt ein Unternehmen Insolvenzantrag, übernimmt wie im Fall von Prokon meistens ein vorläufiger Insolvenzverwalter das Ruder. Die Geschäftsführung wird entmachtet. Während dieses „vorläufigen Insolvenzverfahrens“, also dem Zeitraum zwischen Antrag auf Insolvenz und Insolvenzeröffnung, wird von einem vom Gericht bestimmten Sachverständigen geprüft, ob tatsächlich ein Insolvenzgrund vorliegt. Dieser Experte ist oft zugleich der vorläufige Insolvenzverwalter. Er muss laut Insolvenzordnung prüfen, ob Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegt.

Was bedeutet Eigenverwaltung?

Das Insolvenzverfahren kann aber auch in Eigenverwaltung ablaufen. Die Geschäftsführung bleibt dann im Amt, der bestellte Insolvenzverwalter tritt nur als beratender Sachwalter auf. Unter dessen Aufsicht kann die Geschäftsführung einen Sanierungsplan ausarbeiten. Ist die Sanierung nicht erfolgreich, wird das Insolvenzverfahren nach den üblichen Regeln fortgesetzt.

Was ist ein Schutzschirmverfahren?

Seit März 2012 ist auch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren möglich. Dabei wird die Eigenverwaltung mit einem Vollstreckungsstopp kombiniert: Gläubiger können ihre Forderungen an das insolvente Unternehmen maximal drei Monate lang nicht durchsetzen.

Der Öko-Strom-Anbieter hatte in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Das Gericht hat einen sogenannten Zustimmungsvorbehalt angeordnet. Der geschäftsführende Gesellschafter Carsten Rodbertus kann nun nicht mehr frei über die Geschäfte verfügen, sondern braucht die Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters Penzlin. Dieser teilte mit: „Der Geschäftsbetrieb der Prokon wird im Insolvenzeröffnungsverfahren in vollem Umfang fortgeführt.“ Lieferanten und Kunden stünden die bisherigen Ansprechpartner bei Prokon weiterhin zur Verfügung.

Wie ernst die Lage bei Prokon ist, wurde klar, als das Unternehmen am 10. Januar einen Brief an die Inhaber seiner Genussrechte verfasste. Darin wurden die Anleger aufgerufen, Farbe zu bekennen: Halten sie an ihren Genussrechten fest oder kündigen sie und nehmen die Insolvenz des Unternehmens in Kauf? Bis zum 20. Januar sollten sie antworten.

Mehr als 52.000 der 75.000 Genussrechteinhaber haben das bis Mittwoch, 9 Uhr, auch getan, knapp 45.000 wollten Prokon die Treue halten. Deren investiertes Vermögen entspricht aber nur etwa 830 Millionen Euro. Um das Unternehmen vor der Insolvenz zu retten, wäre Prokon zufolge eine Zusage für 95 Prozent der insgesamt 1,4 Milliarden Euro notwendig gewesen.

Kommentare (13)

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HofmannM

29.01.2014, 12:16 Uhr

Was sollen diese Scheingefechte mit einer "Änderung der Rechtsform". Ob AG oder Genossenschaft ist aus wirtschaftlicher Sicht völlig egal. Das Geschäftsmodell "Erneuerbare Energien" war, ist und bleibt ein Modell, dass auf Subventionen (EEG) basiert und somit nicht marktfähig ist. Da spielt es keine Rolle, in welcher Rechtsform die Kapitalvernichtung weitergeht. Unwirtschaftlich bleibt Unwirtschaftlich.

Hans

29.01.2014, 12:36 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

29.01.2014, 12:59 Uhr

Mh als neue Rechtsform würde ich eine Genossenschaft empfehlen
wenn ich mir die Leute dahinter anschaue.

Langfristig wäre es für Prokon jedoch sinnvoll zu einer SE
zufusionieren da man so in der ganzen EU ohne weitere Töchter
auftretten kann.

Und sich somit auch problemlos andere "Windstrom-Märkte" in Europa
erschliessen könnte.

Die Rendite könnte durch eigene Windkraft Modelle wie die P3000
durchaus erhöht werden. Da man diese in geringen Stückzahlen
auch weiter verkaufen könnte.

Materielles Anlagevermögen wird man wohl mit billigen Krediten
beleihen müssen aus diesen könnte man die Zinsen für die Anleger
erstmal bezahlen.

Oder man verkauft halt einen Teil der Assets.

Fakt ist die Liquidität muss durch frisches Kapital wieder
hergestellt werden. Vielleicht auch mal durch eine langfristige
Anleihe.

Ausserdem sollte Prokon eine, meiner Meinung nach wichtige Kennzahl, definieren und zwar wieviel %-Kapital der Anleger am
Kapitalmarkt investiert wird.

Einen Teil dieser Rendite könnte man an die Anleger ausschütten.

Schlussendlich würde quasi eine Art Mischfond entstehen.
Da man den Teil Kapital der am Kapitalmarkt liegt relativ
flexibel wieder abziehen kann.

Somit wäre es möglich im Falle einer Kündigung eines Anleger
seinen Anteil relativ schnell wieder zurückzuzahlen und dass
schafft enormes Vertrauen und somit auch vielleicht wieder Anleger.

Warum Prokon in dieser Lage gekommen ist würde ich nach langer
Überlegung damit begründen das die Strategie der Geschäfts-
führung nicht 100% optimal kompatibel ist zum aktuellen
Wirtschaftssystem.

Natürlich sollte man auch die Zinsen reduzieren jenach Haltedauer
der Anteile.

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