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25.11.2013

13:28 Uhr

Resturlaub

Wer spart, ist klar im Nachteil

VonCatrin Gesellensetter

Geiz ist geil? Nicht beim Resturlaub. Wer sich bisher kaum einen freien Tag gönnte, hat jetzt ein Problem. Denn der Resturlaub verfällt – in genau 37 Tagen. So retten Arbeitnehmer ihre freien Tage ins neue Jahr.

Freude an Silvester: Nur mit einem bisschen Glück können Arbeitnehmer ihren Urlaub ins neue Jahr retten. dpa

Freude an Silvester: Nur mit einem bisschen Glück können Arbeitnehmer ihren Urlaub ins neue Jahr retten.

MünchenVorfreude ist nicht nur die schönste Freude. Sie ist oft auch die einzige. Zumindest wenn es um den eigenen Urlaub geht. Den nämlich werden auch in diesem Jahr wieder etliche Arbeitnehmer ungenutzt verfallen lassen. Einfach, weil sie sich zu spät darum gekümmert haben.

Nach den Vorgaben des Gesetzes müssen Angestellte ihren gesamten Urlaub innerhalb des laufenden Kalenderjahres verbrauchen. In der Vergangenheit wurde diese Regel oft recht lax gehandhabt. Doch die Zeiten ändern sich. „War es früher fast schon eine Selbstverständlichkeit, dass Arbeitnehmer ihren Resturlaub bis Ende März des Folgejahres – oder sogar länger – behalten konnten, steigt inzwischen die Zahl der Unternehmen, die größten Wert auf ein professionelles Urlaubsmanagement legen“, sagt Philipp Byers, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Meisterrechtsanwälte in München.

Wichtige Urlaubsregeln

Geld statt Urlaub: Geht das?

Normalerweise nicht. In den allermeisten Fällen gilt: Wer seinen Urlaub nicht fristgerecht verbraucht, hat Pech gehabt und kann von seinem Chef auch keine Abgeltung verlangen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn das Arbeitsverhältnis endet, bevor der Angestellte noch ausstehenden Urlaub vollständig nehmen konnte. Dabei ist allerdings zu beachten: Während der Kündigungsfrist muss der Mitarbeiter den restlichen Urlaub auf Weisung des Arbeitgebers möglichst umfassend abfeiern. Nur wenn die Zeit nicht reicht, um alle verbleibenden Ferientage abzubauen, ist der Arbeitgeber verpflichtet, nicht verbrauchten Urlaub auszuzahlen.

Krank in den Ferien: Was ist zu tun?

Wer mit einem ärztlichem Attest belegen kann, dass er in seinen Ferien das Bett hüten musste, muss nicht um seine freien Tage bangen. Grund: Er hat in der Zeit seiner Krankheit einen Anspruch auf Lohnfortzahlung und darf die entfallene Urlaubszeit später nachholen. Eine Frist für die Vorlage des Attests beim Chef gibt es zwar nicht. Um Ärger zu vermeiden, raten Experten aber, möglichst zeitnah zu agieren.

Urlaub in der Probezeit: Erlaubt oder verboten?

Die meisten Arbeitnehmer müssen, wenn sie einen neuen Job antreten, erst einmal ihr Können unter Beweis stellen und eine sechsmonatige Probezeit durchlaufen. In dieser Bewährungsphase gilt in der Regel auch eine - mehr oder minder strikte - Urlaubssperre. In der Praxis ist es allerdings durchaus üblich, auch neuen Mitarbeitern im ersten halben Beschäftigungsjahr den einen oder anderen freien Tag zu gewähren. Einen generellen Anspruch auf dieses Entgegenkommen des Unternehmens haben die Betroffenen aber nicht.

Abbruch der Reise: Kann der Chef das verlangen?

Nein – und zwar selbst dann nicht, wenn der Arbeitsvertrag die Möglichkeit einer solchen Rückrufaktion ausdrücklich vorsieht (BAG, Az.: 9 AZR 404/99). Wer, weil er seine Karriere nicht gefährden möchte, dennoch die Ferien abbricht, kann zumindest verlangen, dass der Arbeitgeber die Rückreisekosten übernimmt.

Termine: Darf die Firma die Urlaubsplanung übernehmen?

Ja und nein. Einerseits sind Arbeitgeber zwar angehalten, die Wünsche der Mitarbeiter so gut es geht zu berücksichtigen. Andererseits ist das nicht in jedem Team – und auch nicht in jedem Betrieb ohne Weiteres möglich. Gerade in saisonabhängigen Branchen, etwa der Hotellerie, ist es durchaus üblich, den Laden in umsatzschwachen Zeiten zuzusperren und Betriebsferien anzuordnen. Selbst wenn deren Lage nicht mit den Wunschvorstellungen jedes einzelnen Mitarbeiters übereinstimmt, muss die Belegschaft ihren Urlaub doch in dieser Zeit abfeiern.

Nicht nur das Gesetz wird deutlich konsequenter angewandt. Auch die meisten Arbeitsverträge sehen mittlerweile ein striktes Verfallsdatum für die Urlaubsansprüche von Mitarbeitern vor. Die Folge: Wer zu spät damit beginnt, seine freien Tage abzufeiern, riskiert im schlimmsten Fall, unverbrauchte Urlaubszeit ersatzlos einzubüßen. Prost, Neujahr!

Dennoch müssen nicht alle Angestellten mit einem Totalverlust ihrer Ansprüche rechnen, nur weil sie an Silvester noch den einen oder anderen freien Tag auf der Uhr haben. Das Gesetz lässt zumindest vereinzelt noch Ausnahmen zu und erlaubt die Übertragung auf das Folgejahr.

Wie Arbeitnehmer ihre Ansprüche sichern – und wann der Chef am längeren Hebel sitzt.

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