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02.06.2014

07:06 Uhr

Retouren

Kostenlos war gestern

VonKatharina Schneider, Carina Kontio, Lisa Hegemann

Übereilt etwas bestellt oder online einen Vertrag abgeschlossen? Kein Problem, denn der Kunde hat ein Widerrufsrecht. Bald ist das EU-weit einheitlich geregelt. Für deutsche Käufer bringt es aber nicht nur Vorteile.

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Achtung, Probekäufer: Probekaufen per Versand wird teurer

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DüsseldorfGröße 36, 38 oder doch lieber 40? Mit den Kleidergrößen ist das so eine Sache, mal fallen Blusen oder Hemden eher groß aus, mal sind sie sehr eng geschnitten. Wer im Internet Kleidung bestellt, kennt dieses Problem. Doch die Lösung ist bisher ganz einfach: Viele Kunden bestellen ihren Wunschartikel gleich in mehreren Varianten und suchen sich dann zu Hause die beste aus.

Diese Einkaufsstrategie ist bequem, könnte bald aber teuer werden. Am 13. Juni tritt die sogenannte Verbraucherrechte-Richtlinie in Kraft. Dann haben Verbraucher in der ganzen Europäischen Union die gleichen Widerrufsrechte bei Fernabsatz- und Haustürgeschäften. Diese gelten immer dann, wenn der Kunde nicht in einem Laden einkauft, sondern beispielsweise online, per Katalog, an der Haustür oder an einem Werbestand.

Worauf Sie bei Online-Retouren jetzt achten müssen

Einfache Rücksendung reicht nicht mehr

Wer bei der Online-Bestellung des neuen Sommerkleids oder beim Schuhkauf im Internet die Rücksendung gleich mit einplant und das begehrte Stück in mehreren Größen und Farben bestellt, muss sich ab Mitte Juni auf Änderungen einstellen. Denn dann tritt die neue EU-Richtlinie über Verbraucherrechte in Kraft. Versandhändler können die Rücksendekosten künftig den Kunden aufdrücken - müssen es aber nicht. Wichtige Änderungen gibt es auch beim Widerrufsrecht.

Wie lange habe ich Zeit für die Retoure?

In allen 28 EU-Ländern gilt ab dem 13. Juni ein einheitliches 14-tägiges Widerrufsrecht beim Einkauf im Internet. Die Widerrufsfrist beginnt mit dem Tag, an dem der Kunde die Ware in Empfang nimmt, und beträgt 14 Kalendertage. In Deutschland gab es schon bisher das Recht, im Internet bestellte Ware binnen zwei Wochen ohne Angabe von Gründen zurückzuschicken - das EU-Recht sah hier nur eine siebentägige Frist vor. Hat ein Verkäufer den Kunden nicht eindeutig auf das Widerrufsrecht hingewiesen, beträgt die Frist nicht 14 Tage, sondern ein Jahr.

Kann ich die Ware einfach zurückschicken?

Nein, die bloße Rücksendung der gekauften Ware genügt nicht mehr. Künftig muss der Widerruf ausdrücklich erklärt werden, und zwar am besten schriftlich, wie Dorothea Kesberger von der Verbraucherzentrale Berlin empfiehlt. "Das geht formlos, mit einem einfachen Satz." Darin sollten auch Kundennummer, Bestellnummer und Datum angegeben werden. Begründet werden muss der Widerruf nicht. Ein telefonischer Widerruf gilt laut Kesberger zwar auch, aber im Streitfall sei der Kunde mit der Schriftform "auf der sicheren Seite". Bei höheren Bestellsummen sei es ratsam, den Widerruf per Einschreiben zu schicken.

Wann gilt das neue Widerrufsrecht?

Die Richtlinie gilt für Bestellungen im Internet, per Telefon und im klassischen Versandhandel, aber auch für Verkäufe an der Haustür, auf der Straße, bei Tupperware-Partys oder organisierten Kaffeefahrten. Außerdem gilt das Widerrufsrecht für Online-Auktionshäuser wie Ebay. Allerdings kann die Ware nur zurückgegeben werden, wenn sie von einem gewerblichen Händler bezogen wurde. Auch bei Verkäufen bei Vertreterbesuchen, zu denen der Verbraucher möglicherweise überredet wurde, gilt das Widerrufsrecht. Damit die Vorschriften nicht unterlaufen werden können, gibt es künftig keinen Unterschied mehr zwischen erbetenen und ungebetenen Besuchen.

Werden die Kosten den Kunden aufgedrückt?

Den Online-Händlern steht es nun frei, das Porto für die Retoure auf den Kunden abzuwälzen. Allerdings müssen sie den Verbraucher im Voraus darüber informieren. Wirbt ein Unternehmen nicht ohnehin mit der kostenlosen Rücksendung, hilft im Zweifel ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Einige große Online-Versandhändler wie Amazon, Zalando, Otto, mytoys, C&A, H&M und Lidl haben in einer Umfrage der "Bild" allerdings schon erklärt, dass sie von der neuen Regelung keinen Gebrauch machen und die Rücksendekosten weiterhin übernehmen wollen.

Was Verbraucher in anderen Ländern freuen wird, bedeutet für die deutschen Kunden zum Teil eine Verschlechterung. „In Deutschland waren die Verbraucher schon recht gut geschützt, deshalb bringen die Neuerungen hierzulande ein paar Nachteile“, sagt Thomas Bradler, Jurist der Verbraucherzentrale NRW. Wer bisher Waren bestellt hat, konnte sie innerhalb von zwei Wochen einfach wieder an den Händler zurückschicken – kostenlos und ohne Begründung. Einzige Bedingung: Der Warenwert musste mindestens 40 Euro betragen. So wollte es der Gesetzgeber, doch manche Händler haben auch bei günstigeren Produkten die Retourenkosten übernommen.

Laut einer Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (Bevh) gehören Kleidung und Schuhe zu den beliebtesten Produkten, die im Netz bestellt werden. Von dem neuen Gesetz würde daher vor allem die Textilindustrie profitieren – nur in diesem Bereich bestellen Kunden Produkte in mehreren Größen, um sie anzuprobieren und den nicht passenden Rest dann zurückgehen zu lassen. Ab 13. Juni, Punkt Mitternacht, könnten alle Unternehmen ihren Kunden die Rücksendekosten auflasten.

Der größte Onlinehändler, Amazon, nimmt bereits Geld für Rücksendungen – zumindest teilweise. Nur unter drei Bedingungen sind Retouren kostenfrei: bei einem defekten Produkt, bei einem Widerruf innerhalb von zwei Wochen ab einem Produktwert von 40 Euro und bei einer Rückgabe innerhalb der Frist von 30 Tagen. Gewöhnlich belaufen sich die Beträge für die Rückgabe innerhalb Deutschlands in allen anderen Fällen auf 3,50 Euro. An diesen Regeln soll sich nichts ändern, wie der US-Konzern auf Anfrage von Handelsblatt Online bestätigte.

Die großen Textilhändler wollen sogar ganz bei ihren kostenlosen Rücksendungen bleiben. Auf Nachfrage von Handelsblatt Online bestätigten sowohl H&M als auch Esprit und Fashion ID (P&C, Anson’s), dass sie die Kosten für Retouren weiterhin selbst übernehmen. Sie alle verlangen auch bei einem Warenwert unter 40 Euro keine Gebühren.

Kommentare (6)

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02.06.2014, 07:57 Uhr

Da es einige Internet-Händler gibt, die ein fast unbegrenztes Sortiment haben, wie z.B. Amazon, und weiterhin kostenlose Rücksendungen zulassen, wird sich nicht viel ändern.

Lediglich die Versender, die davon abweichen, werden die Leidtragenden sein, denn sie werden Kunden verlieren.

Gegen Internetgiganten wie Amazon, Zalando und Co. ist ohnehin kein Kraut gewachsen, da kann sich der stationäre Handel mit seinen EU-Lobbyisten auf den Kopf stellen und mit den Füssen wackeln.

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02.06.2014, 08:16 Uhr

wenn man läden wir amazon mal zur kasse bittet (Stichwort MwSt, E-Book gemauschel, Steuerverschiebungen) dann wird aus den 60 Millionen Gewinn ganz schnell ein Minus.

Amazon ist so knall hart die wollen immer der günstigste sein. Wenn man das mal beobachtet ist es der Hammer. Wir sind Hersteller und haben einen Artikel an A und einen anderen Händler verkauft, dieser senkte stets die Preis, Amazon zog knall hart nach.
Wenn das überall so ist dann gute nacht deutscher Handel, dann gute nacht deutsche distribution und am ende wirds wie bei lidl & Co gute Nacht BRANDS

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02.06.2014, 08:19 Uhr

ich bestell im netz immer mehr als ich dann abnehme. letzt habe ich für 2500€ schuhe bestellt und dann 2 paar gekauft. Oder 1100€ Arbeitshandschuhe bis die Leute dann 6 paar heraussuchten. Oder 6 Hemden in je 3 Größen, beim einen passt XL beim anderen muss es XXL sein, es ist nicht mein Problem dass die Größenangaben nicht stimmen,.

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