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23.07.2015

09:30 Uhr

Scheidung, Zugewinn und Unterhalt

Die Rechnung für den Rosenkrieg

VonKatharina Schneider

Das Statistische Bundesamt macht Heiratswilligen Mut: Die Zahl der Scheidungen geht zurück. Wer finanziell auf Nummer sicher gehen will, sollte trotzdem einen Ehevertrag schließen – sonst kann es teuer werden.

Bei Scheidungen entstehen den Partnern hohe Kosten. dpa

Wenn die Ehe vorbei ist

Bei Scheidungen entstehen den Partnern hohe Kosten.

FrankfurtBis dass der Tod uns scheidet – das klingt romantisch, hat mit der Wirklichkeit aber oft wenig zu tun, denn viele Ehen enden vor dem Scheidungsrichter. Doch Romantiker dürfen hoffen: Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es im vergangenen Jahr in Deutschland immerhin 2,1 Prozent weniger Scheidungen. Damit wurden rund 166.200 Ehen beendet.

Die Prognose klingt weiterhin ernüchternd: 35 Prozent aller in einem Jahr geschlossenen Ehen werden im Laufe der kommenden 25 Jahre geschieden. Im Vergleich zum Jahr 2004 ist das jedoch ein erfreulicher Wert, denn damals wurden mehr als 42 Prozent aller Ehen geschieden. Seit diesem Höchstwert geht die Scheidungsziffer stetig zurück.

Stichworte zur Scheidung

Düsseldorfer Tabelle

Wie viel Unterhalt das gemeinsame Kind bekommt, richtet sich nach dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen und ist in der Düsseldorfer Tabelle geregelt.

Ehebedingter Nachteil

Das Gesetz sieht seit einigen Jahren mehr Eigenverantwortung der Geschiedenen vor. Hat ein Partner jedoch wegen der Ehe seinen Beruf nicht mehr ausgeübt, muss dieser Nachteil vom anderen finanziell ausgeglichen werden.

Ehegattensplitting

Während des Trennungsjahres können die Noch-Verheirateten weiterhin vom Ehegattensplitting profitieren. Das lohnt sich besonders, wenn ein Partner deutlich mehr verdient als der andere.

Gemeinsame Wohnung

Hat das Ehepaar ein Kind, darf der betreuende Elternteil zunächst im Haus oder in der Wohnung bleiben. Das Wohl des Kindes hat hier eine hohe Priorität. Ansonsten wird die Frage danach entschieden, wer mehr auf die Wohnung angewiesen ist.

Immobilie

Wurde eine Immobilie während der Ehe erworben, stellt sie einen Vermögenswert dar, der in die Berechnung des Zugewinnausgleichs mit einbezogen wird. Sind beide im Grundbuch als Eigentümer eingetragen, gehört jedem die ideelle Hälfte. Bleibt einer dort wohnen, muss er dem anderen die Hälfte des Verkehrswerts auszahlen. Andere Möglichkeiten sind ein Verkauf, Ratenzahlung oder eine Versteigerung.

Kinderfreibetrag

Den steuerlichen Vorteil des Kinderfreibetrags müssen sich die Ex-Eheleute teilen.

Kindergeld

Das Kindergeld bekommt der betreuende Elternteil.

Trennungsjahr

In dieser Zeit will der Gesetzgeber den Scheidungswilligen noch einmal Gelegenheit geben, sich die Sache zu überlegen. Wer es ernst meint, darf auch nicht mehr zusammen wohnen. Man spricht von einer Trennung von Tisch und Bett.

Zugewinnausgleich

Gibt es keinen Ehevertrag, wird das Vermögen mittels Zugewinnausgleich aufgeteilt. Dabei wird das während der Ehe erwirtschaftete Vermögen zu gleichen Teilen zwischen den Partnern geteilt.

3/7-Regel

Grundsätzlich gilt für den Unterhalt eines Ex-Gatten die 3/7-Regel. Drei Siebtel des Nettoeinkommens bekäme also der Ex-Partner und die restlichen vier Siebtel dürfte der Unterhaltspflichtige behalten. Bei Einkommen oberhalb von monatlich 5100 Euro netto wird die Quote jedoch meist nicht verwendet.

Auch die durchschnittliche Dauer einer Ehe verlängert sich. Im Jahr 2014 wurden Ehen im Schnitt nach14 Jahren und acht Monaten geschieden. Vor 20 Jahren betrug die durchschnittliche Dauer der geschiedenen Ehen noch genau zwölf Jahre. Die Statistiker fanden außerdem heraus, dass die Scheidungsanträge 2014 häufiger von der Frau gestellt wurden (52 Prozent der Fälle). Der Mann reichte nur in 40 Prozent der Scheidungen den Antrag ein, in den übrigen Fällen kam der Antrag von beiden Ehegatten gemeinsam. Etwa die Hälfte der im Jahr 2014 geschiedenen Ehepaare hatte gemeinsame Kinder unter 18 Jahren. Insgesamt waren 2014 rund 134.800 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, knapp ein Prozent weniger als im Vorjahr.

Für die Partner und ihre Familie bedeutet eine Scheidung nicht nur eine emotionale, sondern oft auch eine finanzielle Belastung. Doch es sind nicht allein die Gerichts- und Anwaltkosten, die das Verfahren teuer machen. Oft muss ein Partner besonders tief in die Tasche greifen. Wenn das Paar vorab nicht konkret geregelt hat, wie das gemeinsame Vermögen im Falle einer Scheidung aufgeteilt werden soll, gibt es häufig Ärger. Ohne Ehevertrag befinden sie sich per Gesetz in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft, doch das Ergebnis fällt nicht immer so aus, dass beide es für fair erachten.

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Sind die Kosten einer Ehescheidung als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abziehbar? Ein aktuelles Urteil dürfte viele frisch Geschiedene freuen. Doch bei den Kosten kommt es auf ein wichtiges Detail an.


Beim Zugewinnausgleich wird aufgelistet, was die Partner mit in die Ehe gebracht haben und was hinzugekommen ist. Das zeigt ein Rechenbeispiel: Angenommen, der Mann hätte nichts in die Ehe eingebracht und auch zwischendurch keine Einkünfte beigesteuert. Das Vermögen der Frau hätte sich dagegen von 100.000 auf 200.000 Euro erhöht, dann müsste sie ihm die Hälfte der Differenz zahlen. Das ist die Hälfte des Betrags, der während der Ehe hinzugewonnen wurde, hier also 50.000 Euro. Außen vor bleiben dabei Schenkungen und Erbschaften.

Kommentare (6)

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Herr Holger Narrog

23.07.2015, 10:36 Uhr

Eheverträge sind eine eigenverantwortliche Regelung durch die Eheleute.

Soviel Autonomie der Menschen ist nicht nur dem sozialistischem Staat, sondern auch Anwälten und Gerichten die an Streitigkeiten verdienen ein Dorn im Auge.

So werden viele Eheverträge angefochten, Regelungen zu Unterhalt, Versorgungsausgleich werden gerne von den Gerichten für unwirksam erklärt.

Man möge auch bedenken, dass sich die Verhältnisse, die Unrechtsprechung im Laufe der Jahre einer Ehe ändern.

Ein Ehevertrag ist nicht schlecht, aber Vorsicht sollte geboten sein.

Herr Josef Hirsepp

23.07.2015, 11:08 Uhr

Wie sagte 'mal eine beruehmte Scheidungs- und Familienrechtsanwaeltin:

Heirate oder heirate nicht, beides wirst du eventuell bereuen !

Herr Markus Bullowski

23.07.2015, 11:27 Uhr

Die 4/7 Regel...das bedeutet doch nichts anderes, als dass der zahlende Partner nach der Ehe für 8 Stunden tägliche Arbeit gerade mal 1/7 seines Gehalts mehr behalten darf als die Exfrau bekommt. Da wird mal wieder nur auf eine "gerechte" Aufteilung des Geldes geschaut, aber nicht auf die Leistung, die zu höchst unterschiedlichen Anteilen dafür erbracht wird.

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