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12.04.2013

08:29 Uhr

Scheidungsstudie

Romantik wird teuer

VonKatharina Schneider

Finanzielle Vorsorge für den Fall einer Scheidung ist für die Deutschen ein Tabu-Thema. „Bis dass der Tod euch scheidet“ funktioniert aber nur in wenigen Ehen. Ein Ehevertrag kann nicht nur das Vermögen schützen.

Am Ende der Ehe gibt es häufig Streit, deshalb ist Vorsorge wichtig. dpa

Am Ende der Ehe gibt es häufig Streit, deshalb ist Vorsorge wichtig.

DüsseldorfGeld oder Liebe? Mit dieser Frage beschäftigen sich nur die wenigsten Deutschen. Einer repräsentativen Umfrage zufolge trifft nur jeder vierte Ehepartner finanzielle Vorkehrungen für den Fall einer Trennung. Die Übrigen vertrauen entweder darauf, dass der Partner bei einer Scheidung keine Ansprüche auf das Vermögen erheben wird oder geben an „wo es kein Vermögen gibt, gibt es auch keinen Streit“.

Doch die Praxis sieht anders aus: Jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden. Und beim Geld hört die Liebe wohl endgültig auf: „Finanzielle Streitigkeiten gibt es schätzungsweise bei 60 Prozent aller Scheidungen“, sagt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht aus Berlin. Meistens gehe es um Unterhaltsforderungen, aber auch über den Zugewinnausgleich und die Immobilien werde häufig gestritten. „Viele Menschen sind relativ uninformiert über die Abläufe einer Scheidung“, sagt Becker. Vor allem bei den Details zum Zugewinnausgleich oder zum Unterhalt gebe es häufig Missverständnisse.

Scheidungsstudie der PMP

Ist Scheidung ein Thema?

Auf die Frage „Haben Sie mit Ihrem (zukünftigen) Ehepartner/ Ihrer (zukünftigen) Ehepartnerin über das Thema Scheidung gesprochen?“ antworteten 68 Prozent der Ehegatten mit „Nein, Scheidung ist bei uns kein Thema“. Neun Prozent sagten „Nein, aber das werde ich noch tun.“ Nur sechs Prozent haben den Scheidungsfall vertraglich geregelt. Immerhin 18 Prozent sprechen über das Thema.

Finanziell vorgesorgt für die Scheidung?

Gefragt wurde: „Treffen Sie finanzielle Vorkehrungen für den Scheidungsfall, zum Beispiel, indem Sie Teile Ihres Vermögens dem Zugriff Ihres Partners entziehen?“ Nur 23 Prozent antworteten mit „ja“. 40 Prozent sagten „Nein, denn wo es kein Vermögen gibt, gibt es auch keinen Streit“, die restlichen 37 Prozent gaben an „Nein, ich vertraue darauf, dass mein Partner/ meine Partnerin bei einer Scheidung keine Ansprüche auf mein Vermögen erhebt.“

Angst vor finanziellen Streitigkeiten?

Auf die Frage „Haben Sie Angst vor finanziellen Streitigkeiten im Scheidungsfall?“ antworteten 64 Prozent der Ehegatten mit „nein. Die restlichen 36 Prozent sagten „ja“ - teilweise, weil sie das bereits selbst oder innerhalb der Familie oder im Freundeskreis erlebt haben.

Sind die finanziellen Folgen bekannt?

Gefragt wurde: „Sind Sie sich über die finanziellen Folgen einer Scheidung im Klaren, zum Beispiel durch den Versorgungsausgleich für Ihren Ehepartner/ Ihre Ehepartnerin?“ Beinahe die Hälfte (48 Prozent) der Ehegatten antworteten mit „nein“. Mehr als ein Viertel von diesen haben sich noch keine Gedanken darüber gemacht. 30 Prozent der Befragten haben eine „ungefähre Ahnung von den finanziellen Folgen“. 20 Prozent wissen Bescheid, weil sie sich „bereits eigenständig über dieses Thema informiert“ haben. Nur drei Prozent haben schon mit einem Experten dazu gesprochen.

Wer wurde befragt?

An der Online-Befragung nahmen 1.000 Personen teil, die repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ausgewählt wurden. Von den Befragten waren 60 Prozent in erster oder mindestens in zweiter Ehe verheiratet oder planen bald zu heiraten. Bei den weiteren Fragen wurden die Antworten dieser 610 Personen ausgewertet.

Initiator der Studie

Die Studie wurde von der Vermögensverwaltung Packenius, Mademann & Partner (PMP) in Auftrag gegeben. Die PMP ist ein unabhängiger Vermögensverwalter für rund 1.000 Privatkunden mit einem Anlagevolumen über 250.000 Euro.

„Das Thema ist unangenehm, aber man sollte sich trotzdem damit auseinandersetzen“, rät Heiko Löschen, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Packenius, Mademann & Partner (PMP) und Initiator der Studie. „Ich hatte schon viele Kunden, die es im Nachhinein bereut haben, dass sie für eine Scheidung nicht vorgesorgt haben.“ Viele Menschen seien zwar gegen große oder kleine Katastrophen des Lebens versichert, „aber das große Risiko einer Scheidung kalkulieren nur Wenige ein“, so Löschen.

Teuer kann das insbesondere für Unternehmer werden: Ohne Regelung per Ehevertrag müssen sie bei einer Scheidung im Rahmen des Zugewinnausgleichs auch ihre Unternehmenszuwächse mit dem Partner teilen. „Stehen beispielsweise der Ehefrau nach dieser Rechnung 300.000 Euro zu, aber die Firma des Mannes verfügt nicht über so viel Liquidität, kann das zu einer Unternehmenspleite führen“, sagt Eva Becker, die der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltsverein vorsitzt.

Der Zugewinnausgleich ist die gesetzliche Standardlösung für die Aufteilung von Einnahmen, die während einer Ehe erzielt wurden. Dabei wird aufgelistet, was die Partner mit in die Ehe gebracht haben und was hinzugekommen ist. Ein einfaches Rechenbeispiel: Angenommen, Sie hätte nichts in die Ehe eingebracht und auch zwischendurch keine Einkünfte beigesteuert. Sein Vermögen hätte sich dagegen von 100.000 auf 200.000 Euro erhöht, dann müsste er ihr die Hälfte der Differenz zahlen. Das ist die Hälfte des Betrags, der während der Ehe hinzugewonnen wurde, hier also 50.000 Euro. Außen vor bleiben dabei Schenkungen und Erbschaften.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

12.04.2013, 08:57 Uhr

Ehevertrag ist absolut zu empfehlen!

Ärgerlich sind nur die enormen Kosten, die Notare fürs Vorlesen verlangen. Bei 300.000 € Vermögen verlangt der Notar rund 1000,- € für die Beurkundung. Standardvertrag vorlesen + Stempel + Unterschrift sind in 15 Minuten über die Bühne.

Das ist übelster Wucher ähnlich wie bei der Beurkundung eines Grundstückkaufs.

Das perverse ist, dass diese Wuchergebühren vom Gesetzgeber sogar bestimmt sind und es keinerlei Wettbewerb bei den Notaren gibt!

Tomhier

12.04.2013, 09:09 Uhr

Der Hinweis auf die Problematik ist nötig. Nut warum ist das Beispiel flasch????
Er -50.000,- Sie + 100.000,- und dann zahlt sie als Ausgleich nur 25.000,- an Ihn...
Ergebnis er -25 sie + 75 neeee
Ein Ausgleich der Vermögen sieht so aus.. jeder hat 25.000,- da sie 75.000,- an ihn zahlt.

Bitte zukünfig genau recherchieren.

realist

12.04.2013, 09:13 Uhr

.......und darum ist die Ehe ein Auslaufmodell. Sie ist nicht mehr zeitgemäß. Man heiratet um auf diesem Weg zum Vermögen des Anderen zu kommen. Eine tolle Idee. Aber so sieht es aus. Romantik? Scheint für eine kurze Zeit zu sein, und dann, und dann? Ja, dann kommt die Abkühlung und im stillen Kämmerlein bei Papier und Bleistift die Aufrechnung, was bei Scheidung herauskommt. War die sogenannte Zuneigung eine gespielte Inszenierung? Ja, so ist es. Bedeutet jetzt bald Kasse zun machen, auf einem speziellen Weg. Vorgaben gibt es nicht. Muß also von Fall zu Fall entschieden werden. Wichtig ist, das die Geldbeträge sich bewegen zu der Seite, die den Kurzschluß verursacht hat. Und immer ganz col bleiben. Trennung einleiten, und die Geldfakten auf den Tisch legen lassen. Nebenbei sich bei einem neuen Partner bekannt machen. Eine neuer Angriff nach einer gut vorbereiteten Inszenierung starten. Nach Außen sogenannte Gefühle zeigen, aber im Innern das Zahlenspiel betreiben. Übrigens Gefühle? Gibt es nicht. Es gibt nur Schauspiel mit aufgesetzter Maske. Dahinter verbirgt sich der wahre Geist. Und darum ist es wichtig, sich immer auf sich zu beziehen und nicht auf den anderen. Man kann heute mit Farbe und Textil alles lösen. Es ist doch alle so einfach. Immer schön kontrolliert durch die Welt laufen, wie man den anderen kassieren kann. Die Zeiten von heute, sind andere. Es ist alles kurzlebig, so auch die Zweisamkeit. Und sie ist eben nur dafür da, den anderen abzukassieren. Eine wirklich tolle Entwicklung.

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