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27.03.2014

12:15 Uhr

Schiffsbeteiligung

Commerzbank muss Schadensersatz zahlen

Diese Altersvorsorge war zu viel des Guten: Erst nach 24 Jahren hätte eine Rentnerin Geld aus einer Schiffsfondsbeteiligung wiedersehen können. Wegen Falschberatung muss die Commerzbank nun Schadensersatz leisten.

Die Krise in der Schifffahrt hält unvermindert an und kostet die Anleger in Schiffsfonds Millionen. dpa

Die Krise in der Schifffahrt hält unvermindert an und kostet die Anleger in Schiffsfonds Millionen.

DüsseldorfEs scheint, als könne sich die Commerzbank einfach nicht von dem leidigen Thema Schiffsbeteiligungen befreien. Seit Jahren schon müht sich das Kreditinstitut ausstehende Forderungen aus Schiffsfinanzierungen abzuwickeln. Nun muss es Anlegern, die in Schiffsfonds investiert haben, außerdem Schadensersatz bezahlen, wie das Landgericht Duisburg in einem aktuellen Urteil festgehalten hat (Aktenzeichen 12 O 27/13).

Geklagt hatte eine Rentnerin, der die Commerzbank im Jahr 2007 eine Beteiligung an dem Lebensversicherungsfonds „PRORENDITA VIER – Britische Leben“ und eine Beteiligung an dem Schiffsfonds „CFB-Schiffsflotten-Fonds 3“ zu einem Gesamtbetrag von über 97.000 Euro verkauft hatte.

Während die geplante Laufzeit des Lebensversicherungsfonds 15 Jahre betrug, war eine Kündigung der Schiffsfondsbeteiligung frühestens zum 31.12.2031 möglich, also erst nach 24 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wäre die Klägerin weit über 80 Jahre alt gewesen.

Der Berater der Commerzbank fragte die Klägerin im Rahmen der Anlageberatung lediglich, ob sie „derzeit“ bzw. „im Moment“ auf das Geld verzichten könne. Dies habe die Klägerin nach Auffassung des Landgerichts Duisburg nur dahingehend verstehen können, dass maximal ein mittelfristiger Anlagezeitraum vorliegt.

Dies entsprach auch dem Interesse der Klägerin, die das Anlagekapital zur Alterssicherung verwenden wollte. Da der Berater auf die langen Laufzeiten aber nicht hinwies, ist die Commerzbank nunmehr zur Zahlung von vollem Schadensersatz nebst Zinsschaden verurteilt worden.

„Leider haben die Banken in der Vergangenheit nicht davor zurückgeschreckt, alten Leuten langfristige Geldanlagen anzudrehen. Uns sind Fonds bekannt, bei denen Anleger weit über 60, teilweise über 80 Jahre alt waren, als sie auf Empfehlung ihrer Bank derartige Fonds zeichneten“, sagt Rechtsanwalt Krajewski von der Kanzlei Sommerberg LLP.

Offensichtlich ist, dass viele Anleger von ihrer Geldanlage keinen Nutzen mehr haben werden, da sie bei Ablauf des Anlagezeitraums nicht mehr leben. „Fonds mit einer Laufzeit von 15 Jahren und mehr sind grundsätzlich nicht für Menschen geeignet, die bei Vertragsschluss schon über 60 Jahre alt sind“, so Krajewski.

Von

saz

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