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04.03.2013

13:24 Uhr

Schneeballsystem

Anlagebetrüger Engler muss hinter Gitter

Weil er Anleger um einen zweistelligen Millionenbetrag geprellt hat, muss Ulrich Engler mehr als acht Jahre ins Gefängnis. Ähnlich wie die S&K-Gründer versprach er Traumrenditen und pflegte einen noblen Lebensstil.

Anlagebetrüger muss ins Gefängnis

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MannheimEr hat Traumrenditen von 72 Prozent versprochen und Anleger um einen zweistelligen Millionenbetrag geprellt: Dafür hat das Landgericht Mannheim den geständigen Anlagebetrüger Ulrich Engler zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der 51-Jährige wollte die jährlichen Renditen angeblich mit ultraschnellen Aktiengeschäften erwirtschaften, gegenüber den Anlegern gab er sich als langjähriger Chefhändler einer US-Bank aus. „Alles frei erfunden. Nichts davon war wahr“, sagte die Vorsitzende Richterin Claudia Kreis-Stephan am Montag in ihrer Urteilsbegründung.

Fallstricke bei geschlossenen Fonds

Vermögenslage

Anteile an geschlossenen Fonds oder Unternehmensbeteiligungen sind in der Regel nur etwas für Anleger, deren Vermögen im sechsstelligen Bereich liegt und die bereits Aktien, Anleihen, Festgeld und ein eigenes Häuschen besitzen. Der Anteil geschlossener Fonds sollte maximal 30 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen.

Laufzeit

Die Beteiligungen laufen in der Regel zehn Jahre und länger. Der Anleger muss somit in der Lage sein, über viele Jahre auf dieses Geld zu verzichten. Ein vorzeitiger Verkauf ist zwar beispielsweise bei Schiffen über den Zweitmarkt möglich. Die Preise dort schwanken jedoch stark – insbesondere seit der Finanzkrise.

Steuern

Steuerliche Aspekte spielen im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle beim Kauf von geschlossenen Fonds. Viele populäre Anlagemodelle wie die in den 90er-Jahren – etwa Ost-Immobilien mit hohen Sonderabschreibungen – gibt es längst nicht mehr.

Trends

Wie viele andere Anlageklassen unterliegen auch die geschlossenen Fonds und Unternehmensbeteiligungen gewissen Modetrends. Beliebt sind aktuell Fonds im Bereich Flugzeugleasing. Zudem ist zu beobachten, dass die Anleger wieder risikofreudiger werden. Sogar Private-Equity- und Projektentwicklungsfonds finden wieder Käufer. Das war vor zwei Jahren noch nahezu undenkbar.


Tatsächlich habe Engler von Anfang an geplant, ein großes Schneeballsystem aufzubauen. Mit dem Geld der Anleger habe er zudem einen „sehr gehobenen Lebensstil gepflegt“, sagte die Richterin. So leistete sich der gebürtige Schwabe in Florida - von dort aus zog er den Schwindel auf - ein Anwesen für 10 000 Dollar Miete im Monat, mehrere teure Autos und Hunderte von Kunstwerken.

Verurteilt wurde Engler, weil er etwa 1100 Anlegern einen Schaden von gut 32 Millionen US-Dollar (aktuell etwa 24 Millionen Euro) verursacht hatte. Tatsächlich sei der Schaden aber viel höher gewesen, sagte die Richterin. Laut dem Insolvenzverwalter sollen Anleger zwischen Ende 2004 und Sommer 2007 rund 171 Millionen Dollar bei Engler eingezahlt haben: Um die 78 Millionen Dollar flossen demnach an einen Teil der Anleger zurück, ein weiterer Batzen ging als Provisionen an die Vermittler Englers, die neue Anleger anlockten. Die Anklage hatte sich auf einen Teil der Fälle begrenzt, um das Verfahren nicht ausufern zu lassen.

Kommentare (5)

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Banksterbasher

04.03.2013, 12:27 Uhr

Was sind schon acht Jahre, wenn man anschliessend mit den im Ausland geparkten Millionen ein Leben im Schlaraffenland führen kann? Bernie Madoff hat eine "richtige" Strafe erhalten!

Verbrecherland

04.03.2013, 13:07 Uhr

Na Typisch Deutschand!

Hier lohnt sich Verbrechen wirklich noch!

Dass Organisierte Verbrechen wäscht hier ja auch schon Ewigkeiten.

Selbst die geraubten Schätze der Nazis verstauben noch immer in München!

Deutschland Land der Scheinheiligen, der Verbrecher und Ausbeuter

Account gelöscht!

04.03.2013, 13:33 Uhr

Bitte keine Neiddebatte. Anleger werfen ihr Geld den Hochstaplern reihenweise vor die Füße und wundern sich, wenn sie belogen und betrogen werden. Der Täter wird bei guter Führung in wenigen Jahren aus der Haft entlassen – alles zulasten des Steuerzahlers – und hat dann wieder sein Luxusleben, wovon andere Herrschaften nur träumen können. Gut gemacht, Herr Engler! Sie haben sich um ihre private Altersversorgung rechtzeitig gekümmert. Das Paradies auf Erden wartet auf Sie.

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