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09.02.2015

13:41 Uhr

Schönheitsoperationen

Wann der Fiskus die Schönheits-OP bezuschusst

VonPaul Lauer

Eine Schönheitsoperation ist meist eine teure Angelegenheit – doch nicht immer eine außergewöhnliche Belastung. Damit sich der Fiskus an den Kosten beteiligt, muss eine entscheidende Bedingung erfüllt sein.

Damit eine Schönheits-OP steuerlich absetzbar ist, müssen strenge Voraussetzungen erfüllt sein. dpa

Im Operationssaal

Damit eine Schönheits-OP steuerlich absetzbar ist, müssen strenge Voraussetzungen erfüllt sein.

DüsseldorfKrankheitskosten sind für Steuerzahler eine außergewöhnliche Belastung und können bei der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. In der Praxis ist jedoch umstritten, ob das Finanzamt auch die Kosten für eine Schönheitsoperation anerkennen muss.

In einem aktuellen Streitfall hatten die Kläger in ihrer Steuererklärung für das Jahr 2011 Operationskosten in Höhe von 4600 Euro für eine Bruststraffung und Brustverkleinerung bei ihrer damals 20-jährigen Tochter als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht. Sie legten dazu ein Attest der Frauenärztin vor, mit dem die Tochter die Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse beantragt hatte.

In dem Attest begründete die Ärztin die Notwendigkeit der Operation unter anderem damit, dass die deutliche Ungleichheit der Brüste zu einer gravierenden psychosomatischen Belastung mit Störungen des Körperbildes und des Selbstwertgefühls bei der Tochter geführt habe. Sie sei außerdem stark gehemmt mit depressiven Zügen.

Die Krankenkasse hatte allerdings ein Gutachten des Medizinischen Dienstes eingeholt. Der kam zu dem Ergebnis, dass die Beeinträchtigungen keinen Krankheitswert besäßen, die eine Kostenübernahme rechtfertigten. Ein solcher Befund liege nur dann vor, wenn der Betroffene in seiner Körperfunktion beeinträchtigt werde oder an einer Abweichung vom Regelfall leide, die entstellend wirke. Derartige Auffälligkeiten, die entsprechende Reaktionen im Umfeld hervorrufen, seien in diesem Fall nicht gegeben.

Das beklagte Finanzamt lehnte daher eine Berücksichtigung der Operationskosten ab. Dagegen klagten die Eltern mit der Begründung, es habe sich nicht um eine Schönheitsoperation gehandelt. Denn ein Verzicht auf den Eingriff hätte eine langfristige psychologische Behandlung mit nicht unerheblichen Kosten zur Folge gehabt. Ein Erfolg einer solchen Behandlung wäre zudem ungewiss gewesen.

Welche Gesundheitskosten sind absetzbar?

Außergewöhnliche Gesundheitskosten

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen Ausgaben, die zwangsläufig und existentiell notwendig sind. Viele solcher Kosten können Eltern bei der Steuer geltend machen. In der Regel muss ein Selbstbehalt als sogenannte zumutbare Belastung getragen werden. Nachfolgend einige Beispiele, welche Kosten im Bereich Gesundheit anerkannt werden - und welche nicht.

Diätverpflegung

Kosten nicht abzugsfähig; ausdrücklich gesetzlich ausgeschlossen.

Geburt

Kosten für Entbindung als Krankheitskosten abziehbar; nicht dagegen die Kosten der Erstausstattung für das Kind und Umstandskleid.

Krankheitskosten

Kosten für die Heilbehandlung sind immer abziehbar, sofern von Arzt oder Heilpraktiker indiziert (umfasst in schweren Fällen auch „nicht anerkannte“ alternative Methoden); Vorbeugung oder Erhalt der Gesundheit dagegen sind keine steuerlich relevanten Aufwendungen.

Kinderkuren

Kosten sind abzugsfähig, sofern die Reise nachweisbar der Linderung oder Heilung einer Krankheit dient (Abgrenzung zur bloßen Erholungsreise, etwa wenn Unterbringung im Hotel/Privatquartier statt Klinik).

Künstliche Befruchtung

Kosten sind abzugsfähig, sofern eine feste Partnerschaft besteht (auch bei Samen eines Dritten) und zuvor keine freiwillige Sterilisation des Partners erfolgte.

Legasthenie

Kosten sind als Krankheitskosten des Kindes abzugsfähig, aber die Anforderungen an den Nachweis hoch.

Psychotherapie

Kosten nach Ablauf der Bezuschussung der Krankenkasse sind nur dann zwangsläufig und abziehbar, wenn ein zuvor erstelltest amtsärztliches Attest die Notwendigkeit bestätigt.

Quelle

Die Beispiele stammen aus dem Buch „Steuervorteile mit Kindern - Leitfaden für Familien und Steuerberater“ (ISBN: 978-3-8349-4168-8) des Berliner Steuerberaters Markus Deutsch.

Wie das Finanzamt orientierte sich das Finanzgericht Rheinland-Pfalz in seinem inzwischen rechtskräftigen Urteil (Az.: 5 K 1753/13) an der Einschätzung des Medizinischen Dienstes. Im Streitfall handle es sich lediglich um vorbeugende Aufwendungen, die auf einer freien Willensentscheidung beruhten. Sie müssten daher den nicht abzugsfähigen Kosten der Lebenshaltung zugerechnet werden. Nur bei einer Krankheit könnten die Behandlungskosten berücksichtigt werden.

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