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28.03.2012

14:42 Uhr

Schufa-Auswertung

Wo die schlechtesten Schuldner wohnen

VonJens Hagen

Nicht nur der Staat steckt tief in der Kreide. Auch die Schulden der Bürger steigen. Wo die Zahlungsmoral besonders schlecht ist, wie Schuldner um eine Rückzahlung herumkommen und Gläubiger an ihr Geld kommen.

Die Schuldenuhr vom Bundes der Steuerzahler in Berlin: Mit mehr als zwei Billionen Euro stehen Bund und Länder in der Kreide. dpa

Die Schuldenuhr vom Bundes der Steuerzahler in Berlin: Mit mehr als zwei Billionen Euro stehen Bund und Länder in der Kreide.

Die Schuldenuhr tickt. Langsam und scheinbar unaufhaltsam. Mit mehr als zwei Billionen Euro stehen Bund, Länder und Kommunen mittlerweile in der Kreide. Aber nicht nur der Staat hat einen Schuldenberg aufgetürmt. Auch die Bürger rutschen immer tiefer in die Miesen. Eine aktuelle Auswertung der Auskunftei Schufa zeigt jetzt, in welchen Regionen die Kreditnehmer besonders häufig in Zahlungsschwierigkeiten stecken.

Die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte belaufen sich auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Zwar übertrifft das Nettogeldvermögen diesen Wert um das mehr als das Doppelte. Trotzdem sagt das nichts über die Verteilung - für immer mehr Bürger werden die Schulden zum Problem.

Anteil der mindestens 18-jährigen Personen, zu denen die Schufa 2011 (mindestens) ein hartes Negativmerkmal gespeichert hatte. Nach Kreisen; in Prozent

Anteil der mindestens 18-jährigen Personen, zu denen die Schufa 2011 (mindestens) ein hartes Negativmerkmal gespeichert hatte. Nach Kreisen; in Prozent

Die Zahl der Kredite in Deutschland steigt seit Jahren rasant. Laut Schufa ist die Zahl der laufenden Ratenkredite in den vergangenen zehn Jahren um 52,5 Prozent angestiegen. Allein im vergangenen Jahr ist das Volumen der neuen Kredite um 8,6 Prozent gestiegen. Insgesamt haben die 80 Millionen Deutschen rund 17 Millionen Konsumentenkredite abgeschlossen. Im Schnitt leihen sie sich bei jedem Ratenkredit 7712 Euro.

Viele Kunden überfordert die Rückzahlung: 2,5 Prozent der Kredite wurden trotz Mahnung nicht zurückgezahlt. Die Quote ist seit Jahren konstant. Je jünger die Kreditnehmer desto unsolider tilgen sie. Die Ausfallquoten liegen bei 18 bis 20 Jährigen bei 3,6 Prozent und bei 20 bis 34 Jährigen bei 3,3 Prozent.

Nicht nur bei den Krediten patzen die Deutschen. Eine Auswertung der Datensätze der Schufa zeigt: 8,2 Prozent der Deutschen haben mindestens ein Negativmerkmal. Die Auskunftei erfasst  479 Millionen Informationen zu 66,2 Millionen Personen. Auf den Servern der Auskunftei sind Auffälligkeiten bei Bankkrediten aber auch Rechnungen von Handel oder Telekommunikationsunternehmen gespeichert. Außerdem wertet die Schufa die Schuldnerregister der Amtsgerichte aus. Negativmerkmale entstehen auch dann, wenn es Zahlungsstörungen bei Girokonto, Kreditkarte oder Leasingvertrag gibt.

Was die Schufa alles weiß

Bonitätsauskunft

Es geht zum einem um Informationen, die nötig sind, um Vertrauen von Geschäftspartnern aufzubauen. Zum anderen geht es um eine klar strukturierte, umfangreiche Auskunft rein zur persönlichen Verwendung. Sie enthält alle zur Person gespeicherten Daten.

Zweck der Bonitätsauskunft

Privatpersonen sollen so sich selbst kontrollieren können und über ihre finanziellen Verpflichtungen eine Übersicht erhalten. Gleichzeitig können sie wirtschaftliche Vertrauenswürdigkeit unter Beweis stellen.

Umfang der Auskunft

Nur der Betroffene selbst erhält seine kompletten persönlichen Daten ausgehändigt. Wenn dagegen Dritte anfragen, erfahren sie deutlich weniger.

Banken und Sparkassen

Sie bekommen bankrelevante Positivinformationen. Also über Girokonten und Kreditkarten. Zur bankrelevanten Negativinformation gehört beispielsweise die Kündigung eines Kredites. Auch Infos aus Telekommunikationsumfeld oder dem Versandhandelsbereich, wie gemahnte und unbestrittene offene Rechnungen, sind für Banken sichtbar.

Anfragen

Betroffen können jederzeit erfahren, ob über sie bei der Schufa nachgefragt wurde. Dort sind alle Anfragen zu Auskünften mit Angabe des interessierten Unternehmens ein Jahr lang einsehbar.

Kredite

Die Schufa liefert stets Informationen zu Personen oder Einschätzungen zu einem geschäftlichen Risiko. Das kann durchaus einen gewissen Einfluss auf die Entscheidung über eine Kreditvergabe haben. Meist hängt es davon ab, wie vorsichtig die Bank letztlich ist.

Löschung erst nach drei Jahren

Kredite werden drei Jahre nach dem Jahr der Rückzahlung gelöscht. Nichtvertragsgemäß abgewickelte Geschäfte einschließlich ihrer Erledigung werden zum Ende des dritten Kalenderjahres nach dem Jahr der Speicherung gestrichen. Urteile und Vollstreckungsbescheide bleiben bis zu ihrer Erledigung gespeichert und werden drei Jahre nach dem Jahr der Rückzahlung entfernt.

Den höchsten Anteil an Negativmerkmalen haben 30 bis 34 jährige. 15,6 Prozent dieser Altersgruppe sind bereits mindestens einmal auffällig geworden. Mit steigendem Alter nimmt der Anteil der Schufa-Einträge ab. Die Schufa unterscheidet zwischen „harten“ und „weichen“ Negativmerkmalen. Harte Einträge sind etwa eidesstattliche Versicherungen oder Verbraucherinsolvenzen. 4,5 Prozent der Deutschen haben demnach massive Zahlungsschwierigkeiten, bei den 30 bis 34 jährigen liegt der Anteil bei 7,6 Prozent.    

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

28.03.2012, 12:21 Uhr

Selbstjustiz ist natürlich falsch - nur wenn in unserem Rechstsystem der Gläubiger der gelackmeierte ist und letztendlich nicht nur auf den Schulden, sondern noch auf allen anderen Kosten (Gericht, Gerichtsvollzieher) usw sitzen bleibt - was soll der Gläubiger denn sonst machen, um nicht selber "pleite" zu gehen, weil nette Zeitgenossen kaufen/mieten/leasen ohne zu bezahlen. Ab sofort alöles nur noch gegen Vorkasse geht ja auch nicht.

Fischkopf

28.03.2012, 12:28 Uhr

Also, dass die schlechtesten Schuldner in Berlin sitzen, war doch von vorneherein klar. Hier sind ja die Politiker und unsere Bundesregierung. Und die machen doch - ganz klar - die meisten Schulden. Und zurückzahlen sollen die anderen. Der Fisch stinkt vom Kopf!

Exponentialfunktion

28.03.2012, 12:28 Uhr

Komisch letztens lass ich hier bei handelsblatt.de noch, daß die Deutschen immer reicher werden und das pro Kopf Bruttovermögen bei 60.000 € liegt!

Siehe hier:
http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/global-wealth-report-die-deutschen-werden-immer-reicher/4608632.html

Was soll man jetzt glauben?
1,5 Billionen € Schulden oder 60.000 € pro Kopf auf der hohen Kante?
Oder liegt es doch eher am Pareto-Prinzip, daß sich die Geldvermögen bei 20% der Gesamtbevölkerung ansammeln, während die anderen 80% verschuldet oder überschuldet sind?

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