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13.01.2016

16:10 Uhr

Schweiz und Steuern

„Bitte zahlt Eure Steuern so spät wie möglich!“

VonHolger Alich

In der Regel freuen sich Finanzämter über frühzeitig gezahlte Steuern. Nicht so in der Schweiz: Dort sollen Bürger ihre Steuern möglichst spät begleichen. Denn die Behörden müssen auf ihre Guthaben Strafzinsen zahlen.

Kuriose Bitte der Schweizer Steuerbehörde. dpa

Schweizer Fahne

Kuriose Bitte der Schweizer Steuerbehörde.

ZürichDie Schweiz erscheint den Deutschen oft als eigenartiges Land. So nah, und doch in vielem so fremd. Der Deutsche ist direkt, der Schweizer eher diplomatisch. Der Deutsche vertraut dem starken Staat, der Schweizer lieber sich selbst. Nun ereignen sich auch in der Steuerpolitik merkwürdige Dinge bei den Eidgenossen.

Denn die Finanzdirektoren der Kantone wollen partout ihre Bürger davon abhalten, ihre Steuern vorzeitig zu begleichen. Im Unterschied zu Deutschland werden bei Schweizern die Steuern nicht direkt vom Lohn einbehalten. Sie bekommen einmal im Jahr auf Basis der Steuererklärung eine Rechnung, die sie dann bezahlen. Stichtag dafür ist meist Ende September oder Ende November.

Wegen der Niedrigzinsen erwies sich in jüngerer Zeit das vorzeitige Zahlen von Steuern in der Schweiz gar als gutes Geschäft. Denn je nach Kanton wurden vorzeitig gezahlte Steuern zum Teil üppig verzinst. Der Kanton Obwalden zum Beispiel zahlte den Spitzensatz von zwei Prozent. Das ist mehr, als in Deutschland Banken auf Guthaben auf Tagesgeld-Konten bieten. Auf diese Weise konnten die Kantone sicher sein, immer genug Liquidität vorzuhalten.

Diese Belege gehören zur Steuererklärung - und diese nicht

Mantelbogen
  • Zuwendungsnachweise wie z.B. Spendenbescheinigungen
  • Nachweis der Behinderung im Erstjahr bzw. bei Änderung
Zu Anlage G, S, L - Einkünfte aus Gewerbe, Selbstständigkeit, Landwirtschaft
  • Unterlagen über die Gewinnermittlung (aber auch nur, falls nicht elektronisch übermittelt)
Zu Anlage KAP - Kapitalerträge
  • Steuerbescheinigung über anrechenbare Kapitalertragsteuer, nur wenn eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge oder die Günstigerprüfung beantragt wird
  • Steuerbescheinigung über Kapitalerträge, für die keine Kirchensteuer einbehalten wurde, obwohl eine Kirchensteuerpflicht besteht
  • Bescheinigung über anrechenbare ausländische Steuern
Zur Anlage N - Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Lohnsteuerkarte (in der Regel nicht mehr nötig, da Daten elektronisch übermittelt)
Zur Anlage VL - Vermögenswirksame Leistungen
  • Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen
Zur Anlage Unterhalt
  • Nachweis der Unterhaltsbedürftigkeit
Nicht benötigte Belege

Die meisten Quittungen und Bescheinigungen müssen nur auf Nachfrage dem Finanzamt vorgelegt werden, dazu gehören zum Beispiel Nachweise über Ausgaben für:

  • Arbeitsmittel
  • Beiträge an Berufsverbände
  • Beitragsbestätigungen für Versicherungen
  • Kontogebühren
  • Kinderbetreuung
  • haushaltsnahe Dienstleistungen

Die einzelnen Ausgabenposten können aber vom Finanzamt geprüft werden und müssen dann nachträglich belegt werden.

Doch seit dem 15. Januar 2015 gilt in der Schweiz eine neue Zeitrechnung. Zu viel Liquidität ist ein großes Problem: Denn seit diesem Tag müssen die Schweizer Kantone auf Guthaben bei der Schweizerischen Nationalbank von mehr als zehn Millionen Franken einen Strafzins von 0,75 Prozent zahlen.

Entsprechend haben die Kantone ihre Vergütungszinsen für vorzeitige Steuer-Einzahler gesenkt. Laut einer Aufstellung des Schweizer Finanzportals „Cash“ senkte der Kanton Obwalden seinen Vergütungssatz von 2 auf nur noch 0,5 Prozent.

Der Innerschweizer Kanton Zug zog gar im Dezember die Notbremse. Der Guthabenzins wurde von bisher ein Prozent auf null gesenkt. „Der Kanton hat ein Interesse daran, die Gelder so spät als möglich zu erhalten, damit er auf diesen Guthaben möglichst wenig Negativzinsen bezahlen muss“, erklärt Finanzdirektor Peter Hegglin den Schritt. Durch den Verzicht auf Guthabenzins sowie die Streichung eines Skontoabzugs bei vorzeitiger Zahlung würde die Zuger Kantonskasse pro Jahr insgesamt 3,1 Millionen Franken einsparen.

Hegglin hat nun aber möglicherweise ein anderes Problem: Dass seine Bürger ihre Steuer zu spät zahlen. Denn im gleichen Atemzug wie die Streichung des Guthabenzinses wurde auch der Verzugszins für verspätete Zahler auf null gesenkt.

Dieses Kuriosum liegt daran, dass die Zuger Finanzsoftware hoffnungslos veraltet ist – und nicht mit zwei verschiedenen Zins-Sätzen für Guthaben und Steuerschulden rechnen kann. Erst 2020 soll eine neue Software dieses Manko beheben.

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