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08.07.2013

12:48 Uhr

„Selbst belastet“

Radler verliert Prozess mit eigenem Video

Das Beweisführung eines Radfahrers ist nach hinten losgegangen. Der Radler hatte zufällig seine Tour samt Unfall gefilmt und brachte das Video als Beweis ein. Doch das Gericht bescherte ihm eine böse Überraschung.

Der Radfahrer wollte die Schuld seines Kontrahenten mit einem Video beweisen. Dies ging nach hinten los. dpa

Der Radfahrer wollte die Schuld seines Kontrahenten mit einem Video beweisen. Dies ging nach hinten los.

MünchenEin privat gedrehtes Video hat das Amtsgericht München als Beweismittel in einem Zivilprozess zugelassen. Die Voraussetzung: Wer etwa mit dem Handy filmt, dürfe damit noch keinen bestimmten Zweck verfolgen. Derartige Videos seien nicht verboten und sozial anerkannt, teilte das Gericht am Montag mit. Jeder wisse, dass er in der Öffentlichkeit zufällig auf solche Bilder geraten könne. Will später jemand mit ihnen etwas beweisen, können sie laut Urteil als Beweis veröffentlicht werden.

Im vorliegenden Fall hatte sich der Kläger mit seinem Film nach Ansicht des Gerichts selbst belastet - er verlor den Prozess. Der Radler hatte im Mai 2011 in München einen Unfall; schuld war seiner Ansicht nach ein Cabriofahrer. Als es zum Prozess kam, wollte der Radfahrer die Schuld seines Kontrahenten mit einem Video beweisen - er hatte seine gesamte Fahrt mit einer am Fahrrad angebrachten Kamera gefilmt. Das Gericht akzeptierte das Video, denn der Autofahrer war nach Ansicht der Richterin rein zufällig vor die Linse geraten.

Allerdings hatte der Kläger mit den selbst gedrehten Straßenszenen nicht den erhofften Erfolg, im Gegenteil. Die Richterin war nach dem Film der Meinung, der Radler selbst habe sich nicht verkehrsgerecht verhalten. Auch den angeblich zum Stinkefinger erhobenen Mittelfinger des Cabriofahrers konnte sie nicht erkennen. Die Klage auf 3000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld wies die Richterin deshalb ab. Das Urteil vom 6. Juni ist noch nicht rechtskräftig.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Heidi

08.07.2013, 13:50 Uhr

Solche Car-Camcorder sind wirklich eine feine Sache im Sinne der Wahrheitsfindung! Für knapp über 100 Euro hat man einen elektronischen Zeugen für den Unfallhergang aus Sicht des Fahrzeuglenkers.
Diese Geräte dürften sich alsbald sehr beruhigend auf das Verkehrsgeschehen auswirken. Denn mit diesen Geräten dürfte vor allem für Rowdies die Luft schnell sehr dünn werden.

Soplaris

08.07.2013, 14:42 Uhr

sieg-fried: Wenn man alle Deppen vom Rad holt, wird es nicht besser. Die fahren dann nämlich Auto (zusammen mit den Deppen, die das jetzt schon tun) und alles wird viel schlimmer.
Das Problem sind halt nicht die Radfahrer, sondern die Deppen. Deren Quote ist meiner Beobachtung nach ziemlich unabhängig von der Wahl des Verkehrsmittels.

Account gelöscht!

08.07.2013, 15:03 Uhr

Ich habe selten ein Auto über den Fußgängerweg fahren sehen - aber sehr häufig sehr schnelle Fahrradfahrer.

Das gleiche gilt für Rote Ampeln, Einbahnstraßen etc.

Zu den Deppen: Wer nicht wenigstens den Hauptschulabschluß als "Reifeprüfung" schafft, hat auch den Führerschein nicht verdient.

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