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02.02.2014

14:43 Uhr

Selbstanzeige

Alice Schwarzer gesteht Steuerhinterziehung

VonThorsten Giersch

Alice Schwarzer hat erhebliche Summen in der Schweiz gebunkert, ohne entsprechend Steuern zu zahlen. Nach ihrer Selbstanzeige ist sie schuldfrei, allerdings schimpft sie über die Medien, die darüber berichten.

Alice Schwarzer: Eine moralische Instanz Deutschlands hat offenbar Steuern hinterzogen. ap

Alice Schwarzer: Eine moralische Instanz Deutschlands hat offenbar Steuern hinterzogen.

DüsseldorfVielleicht waren es all die Berichte über Uli Hoeneß und andere Steuersünder, die Alice Schwarzer ihr ehrliches Steuerherz wiederfinden ließen: Die Herausgeberin der Frauenzeitschrift "Emma" hat im vergangenen Jahr eine Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs gestellt.

Schwarzer hatte über viele Jahre hinweg eine „erhebliche Summe“ in der Schweiz gebunkert und die dort angefallenen Zinsen nicht wie vorgeschrieben beim deutschen Fiskus versteuert. Die streitbare Feministin gesteht auf ihrer Website den „Fehler“ ein und erklärt, die Steuern inzwischen nachgezahlt zu haben. Es handle sich um 200.000 Euro plus Säumniszinsen. Darin enthalten sei auch ein Sicherheitspuffer gewesen. Diesen zahlen viele Sünder, damit die Selbstanzeige nicht wegen leicht möglicher falscher Berechnungen unwirksam wird.

Schwarzer outete sich seit langem als scharfe Kritikerin des deutschen Steuerrechts: Das Ehegattensplitting war ihr stets ein Dorn im Auge, weil es Frauen offenbar in die Unselbstständigkeit dränge. Zu den Gründen für das Konto meinte sie: „Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen. So denke ich schon länger nicht mehr.“

Dass der Fall jetzt bekannt wurde, erregt die vermeintliche moralische Instanz allem Anschein nach sehr: Schwarzer gibt sich empört über die Berichterstattung ihres Vergehens: „Meine Steuern sind gezahlt. Also gilt für mich das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis“, erklärt sie auf ihrer Website, nachdem der „Spiegel“ am Sonntagmoren darüber berichtet hatte. Und sie sieht sich als Opfer: „Mit welchem Recht also jetzt diese Denunzierung?“, fragt sie. Das Steuergeheimnis schütze „auch die Dutzenden von Prominenten“, von denen Experten zu berichten wissen. Über keinen von ihnen ist bisher geschrieben worden, obwohl „spektakuläre Namen“ dabei sein sollen. „Aber das gilt anscheinend nicht für mich.“

Ihr Anwalt, der Medienrechtler Christian Schertz, kritisierte die Veröffentlichung als „unerträgliche Verletzung des Steuergeheimnisses und der Persönlichkeitsrechte von Alice Schwarzer“. Eine korrekte Selbstanzeige könne durch „offenbar nicht zu verhindernde Denunzierungen und Durchstechereien“ zu einem „medialen Tsunami für den Betroffenen“ führen, erklärte Schertz auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

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Dabei ist der Fall Schwarzer keineswegs ein Unikum: Zuletzt wurde intensiv darüber diskutiert, inwiefern Steuerbehörden reuige oder ertappte prominente Steuersünder öffentlich an den Pranger stellen dürfen. Großer Vorteil ist, dass bei intensiver Berichterstattung die Zahl der Selbstanzeigen bisweilen sprunghaft steigt. Allerdings pochen die Prominenten juristisch gesehen zurecht auf das Steuergeheimnis, das öffentliche Vorführungen wie bei Uli Hoeneß und damals beim ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel eher ausschließt.

Auch die intensive Berichterstattung über den ehemaligen Zeit-Herausgeber Theo Sommer zeigt, dass sich auch Prominente aus der zweiten und dritten Reihe keineswegs auf das Steuergeheimnis verlassen dürfen: Auch über Sommers Verurteilung wegen Steuerhinterziehung wurde einiges geschrieben – eben weil er sich auch als moralische Instanz inszenierte.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

03.02.2014, 08:01 Uhr

Sie hat doch ein etwas seltsames Weltbild- es war ja nur ein "Fehler" den sie "widergutgemacht" hat - und nicht etwa absichtliches verschweigen (Betrug) von Einkünften der nun nur für die letzten 10 Jahre nachgezahlt wurde. Man stelle sich vor das wäre einem Mann passiert den Frau Schwarzer sowieso auf dem Kieker hat - Sie könnte sich nicht genug entrüsten. Bei 200000 Euro Nachzahlung müssen auf dem Konto einige Millionen liegen. Die Dame arbeitet hier nur nach dem Motto - Angriff ist die beste Verteidigung - man stelle sich vor Höhnes hätte das von sich gegeben - elende Heuchlerin - wer weiss was Se noch für Leichen im Keller hat. Andererseits - wenn so viele die Steuer Betrügen - vielleicht sollte man das System einfach mal radikal europaweit vereinfachen??

nunja

03.02.2014, 08:16 Uhr

Frau Schwarzer fühlt sich denunziert.
Eine Denunziantin, die sich denunziert fühlt.

Da muß man wohl Calvinist sein, um sowas nachvollziehen zu können.

Account gelöscht!

03.02.2014, 08:26 Uhr

Es reicht doch, daß auch sie jetzt eine Art der Presse genießen darf, die ihr sicherlich in Zukunft nicht nur wohlwollende Freunde und Bewunderer beschert...

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