Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2016

14:41 Uhr

Selbstkostenverlag

So bekommen Schriftsteller Hilfe vom Fiskus

VonConstanze Elter

Wenn der Traum von einem Leben als Bestseller-Autor platzt, kann es für Schriftsteller sehr teuer werden – zumindest, wenn sie bei einem Selbstkostenverlag angeheuert haben. Unterstützung kann aber das Finanzamt leisten.

Der Weg zum Bestseller-Autor kann unwegsam sein. dpa

Schreibmaschine

Der Weg zum Bestseller-Autor kann unwegsam sein.

StuttgartWandern ist für viele eine erholsame Ferienbeschäftigung und für manche gar ein leidenschaftliches Hobby. Nicht jeder kommt allerdings auf die Idee, über das Wandern auch ein Erlebnis-Buch zu verfassen. Anders war dies bei einem Mann, der nun vor das Finanzgericht Baden-Württemberg zog: Zunächst hatte er seine Wanderberichte nur für sich selbst geschrieben. Dann kam ihm die Idee, die Berichte zu vervielfältigen, dazu schrieb er verschiedene Verlage an.

Schließlich stieß er auf einen Selbstkostenverlag, der das Manuskript nach einer Lektorenkonferenz positiv beurteilte und ihm die Veröffentlichung des Buches anbot. Der Preis war ein Autorenzuschuss in fünfstelliger Höhe. In einem Gewinnerzielungsplan schätzte der Verlag die verkauften Exemplare binnen zehn Jahren auf 10.000 Stück und rechnete mit einem Erreichen der Gewinnzone für den Hobbyautor ab dem 6.000-sten Verkaufsexemplar.

Der Kläger ließ sich darauf ein und ergänzte sein Buch noch um eine CD sowie Karten und Höhenprofile. Das vorläufige Ende der Schriftstellerkarriere: Von dem Buch wurden nur knapp 600 Exemplare verkauft. Weitere 150 Exemplare erwarb der Autor selbst, um das Buch zu vermarkten und an Hotels und Pensionen zu schicken.

Tipps zur Steuererklärung

Abgabefrist

Wer seine Einkommensteuererklärung für das Jahr 2015 selbst anfertigt, muss sie bis zum 31. Mai 2016 abgegeben. Wer mehr Zeit braucht, kann beim Finanzamt einen Antrag auf Fristverlängerung stellen. Erledigt ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein die Steuererklärung, endet die Frist erst am 31. Dezember 2016.

Nachfragen vermeiden

Damit das Finanzamt die Steuererklärung schnell bearbeiten kann und keine Nachfragen stellen muss, sollten Steuerzahler zu allen Rückforderungen Belege mitschicken. Um die Werbungskosten zu begründen, kann es hilfreich sein, den ausgeübten Beruf möglichst genau anzugeben.

Anleitung zur Steuererklärung

Wer seine Steuererklärung selbst erledigt, sollte auf jeden Fall die Anleitung (von dort aus auf Steuerformular > Einkommensteuer > Einkommensteuer 2014 klicken) lesen, die das Bundesfinanzministerium in seinem Formularkatalog veröffentlicht. Das Finanzamt setzt voraus, dass der Steuerzahler sich diese Anleitung genau durchgelesen hat.

Steuererklärung kopieren

Um den Steuerbescheid später kontrollieren zu können, sollten Steuerzahler eine Kopie ihrer Steuererklärung behalten - entweder gedruckt oder gespeichert als Datei.

Rechtsprechung beachten

Bevor Steuerzahler ihre Erklärung beim Finanzamt abgeben, sollten sie sich über laufende Verfahren zum Steuerrecht informieren. Häufig lässt sich die Rechtsprechung auf den persönlichen Fall übertragen. Auch, wenn ein Sachverhalt noch nicht endgültig geklärt ist, kann es sich lohnen die Ausgaben bei der Steuererklärung geltend zu machen. Bei positivem Prozessausgang besteht auch nach vielen Jahren noch die Chance auf eine Steuererstattung.

Elektronische Übermittlung

Seit 2012 sind sehr viel mehr Steuerzahler verpflichtet, ihre Steuererklärung elektronisch zu übermitteln. Unternehmer müssen nahezu sämtliche Steuererklärungen für den Veranlagungszeitraum 2011 elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Ausgenommen von dieser Pflicht sind Arbeitnehmer, die keine sogenannten Gewinneinkünfte haben.

In seiner Steuererklärung machte er den Autorenzuschuss, die Kosten für den Eigenerwerb der Bücher sowie Porto und Umschläge für die Werbeexemplare geltend. Das Ergebnis war ein Verlust aus selbstständiger schriftstellerischer Tätigkeit – den das Finanzamt nicht anerkannte. Schließlich sei keine Gewinnerzielungsabsicht zu erkennen.

Das sah das Finanzgericht Baden-Württemberg anders (Az.: 6 K 3472/14). Zwar sei es grundsätzlich korrekt anzunehmen, dass es an einer Gewinnerzielungsabsicht fehle, wenn ein Steuerzahler eine Tätigkeit nur aus persönlichen Gründen und Neigungen ausübe. Auch manchen Autoren gehe es nur darum, Erkenntnisse und Ideen zu vermitteln. Häufig leisteten die Verfasser in diesen Fällen Zuschüsse, um das Erscheinen des Werks zu ermöglichen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×