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22.11.2013

09:35 Uhr

Sepa-Betrug

Lange Zahlenreihen und falsche E-Mails

VonKatharina Schneider

Für Verbraucher ist die Umstellung auf das Sepa-Zahlungssystem eigentlich kein großes Problem. Dennoch wissen viele nicht genau, was sich dadurch ändert. Das machen sich Kriminelle mit schädlichen E-Mails zu Nutze.

Sepa rückt näher und lockt Betrüger. dpa

Sepa rückt näher und lockt Betrüger.

DüsseldorfIn kaum mehr als zwei Monaten ist es soweit, dann wird das Zahlungssystem im Euro-Raum und einigen anderen Ländern endgültig auf Sepa (Single Euro Payments Area), umgestellt. Die Zeit drängt, doch noch immer wissen viele Unternehmer und Verbraucher nicht, was sie ab dem 1. Februar 2014 erwartet. Diese Unsicherheit machen sich nun Kriminelle zu Nutze. Wer dieser Tage eine E-Mail bekommt, in der es um das Thema Sepa geht, sollte deshalb sehr kritisch damit umgehen.

„Unternehmen, denen man schriftlich eine Erlaubnis zum Lastschrifteinzug erteilt hat, sind dazu verpflichtet, ihre Kunden über die Umstellung auf Sepa zu informieren“, sagt Markus Feck, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wenn etwa der Stromanbieter, das Fitnessstudio oder der Vermieter eine solche Mitteilung schicken, ist das nichts Ungewöhnliches. „Der Verbraucher muss das lediglich zur Kenntnis nehmen und sollte sicherheitshalber prüfen, ob die angegebene IBAN korrekt ist“, sagt Feck. Zu finden ist die IBAN auf jedem Kontoauszug.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle

Doch nicht alle E-Mails mit dem Betreff „Sepa“ kommen aus seriöser Quelle. So warnt das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI), dass Online-Kriminelle die Sepa-Umstellung nutzen und mit gefälschten E-Mails Schadsoftware verbreiten. In der angehängten Datei, die auf .pdf oder .zip endet, befindet sich nicht etwa Informationsmaterial zu Sepa, sondern ein Trojaner. Der werde zwar mittlerweile von den meisten Antivirusprogrammen erkannt, zu befürchten sei jedoch, dass Kriminelle neue Varianten der Schadsoftware entwickeln und als vermeintliche Kundeninformationen verschicken.

Der Bankenverband (BbB) warnt vor einer weiteren Betrugsmasche: Demnach werden Phishing-Mails verschickt, in denen Verbraucher aufgefordert werden ihre Kontodaten preiszugeben – angeblich zum Zweck der Überprüfung und Bestätigung im Rahmen der Sepa-Umstellung. Die angeschriebenen Bankkunden würden dann auf gefälschte Online-Banking-Seiten geleitet, auf denen sie ihre Geheimzahl (PIN) und Transaktionsnummern (TANs ) eintragen sollen.

Dieser Aufforderung sollten die Bankkunden aber auf keinen Fall folgen. „Banken versenden niemals E-Mails, in denen sie ihre Kunden zur Eingabe von Kontodaten oder sensiblen Zugangscodes oder Geheimnummern auffordern“, so der BdB. Notwendige Informationen würden zudem mit dem Kontoauszug per Post zugesandt.

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