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04.12.2013

15:29 Uhr

Sepa- und Iban-Umstellung

Die Bundesbank sieht rot

VonKatharina Schneider

Die Zahl der Sepa-Lastschriften ist in Deutschland noch immer verschwindend gering. 58 Tage vor der Umstellung des Zahlungssystems schlägt die Bundesbank erneut Alarm. Unternehmen müssten jetzt handeln.

Eine rote Ampel, so sieht es bei vielen deutschen Unternehmen auch in Bezug auf die Sepa-Umstellung noch aus. dpa

Eine rote Ampel, so sieht es bei vielen deutschen Unternehmen auch in Bezug auf die Sepa-Umstellung noch aus.

DüsseldorfGrün-Gelb-Rot, so klassifiziert die Bundesbank den Fortschritt bei der Umstellung auf die Sepa-Überweisung und die Sepa-Lastschrift. Und 58 Tage bevor das Zahlungssystem im Euro-Raum und einigen anderen Ländern endgültig auf Sepa (Single Euro Payments Area) umgestellt wird, ist noch viel Rot zu sehen. „In Deutschland ist die Zahl der Überweisungen und Lastschriften, die über Sepa abgewickelt werden, bisher verschwindend gering“, sagte Margarete Müller, Präsidentin der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Nordrhein-Westfalen am Mittwoch.

Nur die Vorbereitungen der Kreditinstitute werden in die grüne Kategorie eingeordnet. Große Unternehmen und die öffentliche Verwaltung machen bei der Sepa-Überweisung immerhin gewisse Fortschritte – und stehen auf gelb. Doch bei der Umstellung auf die Sepa-Lastschrift bereite der geringe Fortschritt noch „große Bedenken“. Und die Vorbereitungen der kleinen und mittelständischen Unternehmen bewertet die Bundesbank sogar als „besorgniserregend“, da müsse dringend etwas passieren.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle


Die Zeit drängt, doch noch immer wissen viele Unternehmer und Verbraucher nicht, was sie ab dem 1. Februar 2014 erwartet. Einen „Plan B“, der noch ein wenig Aufschub bei der Umstellung gewährt, gebe es nicht, so Müller. Der beste Umstellungszeitraum für Unternehmen und Vereine sei jetzt, denn der technische und organisatorische Aufwand sei groß. Doch die Umstellung bringe auch große Vorteile: Die Überweisungsdauer verkürzt sich auf einen Bankarbeitstag und europaweit besteht freie Kontowahl.

Besonders wichtig: „Auch wenn Einzelhändler, Selbständige und Handwerker nicht im Ausland tätig sind, und damit auch keinen Auslandszahlungsverkehr haben, müssen sie den Inlandszahlungsverkehr, die Buchhaltung, die Software und so weiter anpassen“, sagte Müller. Auch Vereine müssen sich kümmern, wenn sie ihre Mitgliedsbeiträge über Lastschriften einziehen wollen, müssen sie bei der Bundesbank eine sogenannte Gläubiger-Identifikationsnummer beantragen und benötigen für jeden Lastschrifteinzug eine Mandatsreferenz.

Kommentare (14)

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baumliebe

04.12.2013, 15:50 Uhr

Bürokratismus hoch x
Im Inland könnte man doch bei gutem Willen alles wie bisher belassen, anstatt die Kunden mit unübersichtlichen Monsternummern und Bürokratismus zu überziehen. Diese Zwangsmonsternummerverabreichung wäre gerade für ältere Menschen und emotional mit der bisherigen (kurzen) Kontonummer verbundenen Kunden eine Riesengemeinheit. Und das eine Prozent grenzüberschreitende Überweisungen läßt sich doch auch so per IBAN/BIC abwickeln. Warum 99 % belasten, damit 1 Prozent noch ein Stückchen mehr profitieren (und sich die BIC sparen)?
Also, liebe Kreditinstitute, wer zum 01. Februar 2016 nur noch IBAN akzeptiert, läßt seine Kunden im Stich!

hupe

04.12.2013, 15:55 Uhr

Gut so!! Widerstand weiterhin! Gegen den zentralistischen Lauschangriff, nun digital auf Kontobewegungen jeder Art. Nächster Schritt ist die Abschaffung des Bargeldes, worüber schon offen diskutiert wird weil es am Automaten gezogen und wieder in den Kreislauf gebracht werde sei es ineffizient. Nur so können Goldman-Sachs, JPMorgan, Rothschild die Zahlungsströme allesamt verfolgen und zentralistisch enteignen. Ohne national-technische Hürden.

Account gelöscht!

04.12.2013, 16:05 Uhr

ein bürokratisches Monster. Gigantische Zahlenreihe, die zu Vertauschungen verführt. Erfunden von verbeamteten Schreibtischtätern, denen jeglicher Bezug zur freien Wirtschaft fehlt.

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