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21.12.2011

11:36 Uhr

Sepa-Zahlungssystem

Superlange Kontonummern werden 2014 Pflicht

VonKatharina Schneider

Kurze Bankleitzahlen und Kontonummern sind bald Geschichte. Auch wenn sich Verbraucher eine 22-stellige Zahlenkolonne merken müssen, bringt die Umstellung auf ein einheitliches europäisches Zahlungssystem viele Vorteile.

Noch müssen IBAN und BIC nur bei Auslandsüberweisungen eingetragen werden, das soll sich bald ändern. dpa

Noch müssen IBAN und BIC nur bei Auslandsüberweisungen eingetragen werden, das soll sich bald ändern.

DüsseldorfEs gibt sie schon seit 2008, doch sie führt noch immer ein Schattendasein. Kaum jemand nutzt die Sepa-Überweisung. Denn in Deutschland gibt es parallel dazu noch das herkömmliche Zahlungssystem. Dabei sind die Ziele von Sepa – kurz für Single Euro Payments Area – eigentlich sehr vielversprechend. Dank eines einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrs sollen Überweisungen, Lastschriften und Bankkarten in allen beteiligten Ländern nach dem gleichen System funktionieren. „Grenzüberschreitende Überweisungen sollen schneller, billiger und sicherer für EU-Bürger werden“, teilte das Europaparlament mit. Die Kostenersparnis für
Banken und Verbraucher betrage 123 Milliarden Euro in sechs Jahren - weil zum Beispiel Überweisungsgebühren wegfallen.

Trotzdem vertrauen viele Staaten – neben den EU-Ländern gehören auch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz zum Sepa – bisher lieber auf ihre nationalen Zahlungssysteme. Deshalb macht die Europäische Kommission jetzt Druck: Bankkunden müssen vom 1. Februar 2014 an europaweit einheitliche Kontonummern mit 22 Stellen (IBAN) verwenden. Zu diesem Zeitpunkt werden nationale Überweisungen und Lastschriften im europäischen Zahlungsraum (Sepa) vereinheitlicht. Darauf haben sich das EU-Parlament, der Ministerrat und die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel geeinigt. Die neue Zahlenkolonne IBAN wird in Deutschland die bisher viel kürzere Kontonummer und Bankleitzahl ablösen. Derzeit sind die internationalen Standards nur bei Transfers auf ausländische Konten im Einsatz.

Ursprünglich hatte die Kommission auf eine Lösung am Markt gesetzt und keinen Umstellungstermin vorgegeben. Durch das Zusammenwirken von Banken, Unternehmen und Verbrauchern sollte sich der europäische Zahlungsverkehrsraum quasi von alleine weiterentwickeln. Dieser Versuch gilt mittlerweile als gescheitert, zu gering ist bisher die Beteiligung an dem System – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

Was bringt die Sepa?

Welches Ziel hat die Sepa?

In den EU-Ländern sowie Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und der Schweiz soll es ein einheitliches Zahlungsverfahren geben. Die nationalen Verfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern  sollen schneller und günstiger werden.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen.

Wie lange dauert die Sepa-Überweisung?

Die Sepa-Überweisung soll schneller abgewickelt werden als die herkömmlichen Überweisungen. Bislang dürfen es noch maximal drei Bankgeschäftstage sein, ab 2012 nur noch einer.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Was ändert sich bei regelmäßigen Zahlungen ins Ausland?

Wer beispielsweise eine Ferienwohnung im Ausland hat und monatlich Miete überweist, kann dies dank Sepa von seinem Heimatkonto erledigen.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Wie viel wird die Kontoführung kosten?

In einigen Ländern werden für die Kontoführung bislang über 200 Euro pro Jahr fällig, in anderen nur 30. Die Preise sollen insgesamt sinken.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt künftig die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wie lange gelten die alten Kontonummern noch?

Noch laufen die nationalen Systeme und das Sepa-Verfahren parallel. Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen.

Wie funktioniert das Lastschriftmandat?

Das Mandat ist das Pendant zur bislang bekannten Einzugsermächtigung. Allerdings muss es künftig immer schriftlich vorliegen. Der Zahlungsempfänger verteilt dafür Mandatsnummern. Außerdem wird jedem Zahlungsempfänger eine Gläubiger-Identifikationsnummer zugeordnet. Dadurch lassen sich die Einverständniserklärungen zum Lastschriftverfahren zuordnen.

Für ein festes Datum für die Umstellung auf die Sepa-Überweisung hatte sich auch das Bundesfinanzministerium ausgesprochen. Mit dem 1. Februar 2014 steht dieser Termin nun. Damit Bankkunden die Umstellung nicht allzu schwer fällt, gibt es Erleichterungen. So können Verbraucher die alte kurze Kontonummer noch bis Februar 2016 im nationalen Zahlungsverkehr nutzen.

Verbraucherschützer blickten Sepa zwischenzeitlich mit Skepsis entgegen. Vor allem beim Lastschriftverfahren befürchteten sie Nachteile für deutsche Bankkunden. Doch diese Nachteile bleiben aus: Das in Deutschland häufig genutzte Elektronische Lastschriftverfahren gibt es auch künftig, alte Lastschrift-Aufträge behalten unter Sepa ihre Gültigkeit und das bisherige bedingungslose Widerrufsrecht bei Abbuchungen vom eigenen Konto durch Lastschrift gilt weiter. „Ein von Versicherungen, Vermietern, Verlegern und Vereinen zu Recht befürchtete Chaos bei der Umstellung von mehreren hundert Millionen Mandaten in Deutschland bleibt uns damit erspart“, sagte der grüne Europa-Abgeordnete Sven Giegold.

Kommentare (15)

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Ist_denn_heut_schon_Weihnachten

21.12.2011, 12:15 Uhr

Und die Gleichschaltung geht weiter! Kümmert euch doch lieber um eure Schulden anstatt jeden Millimeter Freiheit in der Eu regulieren zu wollen! So ein Schmarrn!

Account gelöscht!

21.12.2011, 12:22 Uhr

Das neue System mag für die Mehrzahl der Überweisungen eine Erleichterung sein, trotzdem gibt es ein riesiges Problem: Eine relativ große Anzahl Menschen wird von diesen langen Zahlen überfordert sein, weil sie ihre Konzentrationsfähigkeit überfordert. (Viele ältere Menschen haben auch keinen PC, um die Nummern automatisch zu übernehmen.) Dieses Problem wird wachsen, je mehr die Überalterung in Deutschland ansteigt. Der Frust über die neue Regelung wird in der Bevölkerung voll dem Thema Europa angelastet werden. Die Wut über Brüssel wird wachsen und gleichzeitig die Wut auf die etablierten Parteien, die diese Regelung durchgewunken haben. Die neuen Kontozahlen sind eine massive Wahlkampfunterstützung für neue Protestparteien, und dadurch wird die politische Landschaft instabiler.

nicht_uebertreiben

21.12.2011, 13:02 Uhr

Liebe Vorredner, die bisherige Kombination aus Kontonummer + Bankleitzahl ist jetzt schon i.d.R. 18-stellig. Was jetzt noch dazukommt ist die zweistellige Prüfziffer und DE für Deutschland. SO viel komplizierter ist das auch nicht...

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