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18.09.2012

14:40 Uhr

Skimming

Bankautomaten werden sicherer

Gute Nachrichten für Bankkunden: Die Zahl der Manipulationen an Geldautomaten ist um rund 60 Prozent gesunken. Dank neuer Sicherheitsstandards haben Kriminelle weniger Chancen, dennoch sollten Kunden wachsam sein.

Die Zahl der Skimming-Fälle an Geldautomaten sinkt. dpa

Die Zahl der Skimming-Fälle an Geldautomaten sinkt.

Berlin/WiesbadenGeldautomaten werden immer seltener manipuliert. 2011 registrierte das Bundeskriminalamt (BKA) knapp 1.300 Angriffe auf solche Geräte, wie die Behörde am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Das entspricht einem Rückgang von rund 59 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2010, als rund 3.180 Fälle gemeldet wurden. BKA-Präsident Jörg Ziercke begründete die sinkende Zahl von Attacken mit dem Einsatz von Anti-Skimming-Modulen. Die positive Tendenz hält auch 2012 an: Bis Juni wurden laut BKA erst 400 Manipulationen festgestellt.

2009 waren 2.058 Fälle registriert worden. Wegen Skimming-Angriffen auf Geld-, Fahrkarten- und Tankautomaten sperrten die Geldinstitute 2011 mehr als 150.000 Kartendaten (2010: 300.000 Kartendaten), wie das BKA mitteilte. Der Schaden, der durch den Einsatz gefälschter Debitkarten entstanden ist, wird auf rund 35 Millionen Euro (2010: 60 Millionen Euro) geschätzt.

Manipulationen an Automaten

Manipulation an POS-Terminals

Nachdem es dem Bundeskriminalamt (BKA) im Jahr 2008 gelungen ist, die Manipulation von POS-Terminals (Point of Sale, Terminals zum bargeldlosen Bezahlen) vollständig zu unterbinden, konnten im Jahr 2011 erstmals wieder erfolgreiche Manipulationen festgestellt werden.

Manipulation an Fahrkartenautomaten

Im Jahr 2011 sind erstmals in Deutschland Manipulationen zur Erlangung von Kartendaten und Geheimnummern an Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn festgestellt worden. Insgesamt 25 solcher Fälle wurden polizeilich registriert.

Manipulation an Tankautomaten

Bereits seit 2010 sind Tankautomaten mit dem Ziel manipuliert worden, Kartendaten und Geheimnummer zu erlangen. Nachdem seinerzeit zwei Fälle polizeilich bekannt wurden, konnten im Jahr 2011 insgesamt sechs Fälle festgestellt werden.

Tatverdächtige

Die Tatverdächtigen stammten, wie schon in den Jahren zuvor, überwiegend aus dem südeuropäischen Raum, insbesondere aus Rumänien und Bulgarien. Die Täter agierten zumeist in kleineren Gruppen, die sich durch ein flexibles und arbeitsteiliges Vorgehen auszeichneten. In der Regel verließen sie das Bundesgebiet bereits wenige Tage, nachdem sie an verschiedenen Orten Kartendaten ausgespäht hatten, wieder. Die erlangten Daten wurden von den Tätern anschließend sehr schnell auf Kartendubletten übertragen, die in der Mehrzahl der Fälle spätestens zwei Tage nach den Taten betrügerisch im Ausland eingesetzt wurden.

Betroffene

Aufgrund von Skimming-Angriffen auf Geldautomaten, POS-Terminals, Fahrkarten- und Tankautomaten haben die deutschen Geldinstitute im Jahr 2011 über 150.000 Kartendaten von Bürgerinnen und Bürgern gesperrt, um einen missbräuchlichen Einsatz der ausgespähten Daten zu verhindern. Im Jahr 2010 sperrten die Geldinstitute in Folge entsprechender Angriffe über 300.000 Kartendaten.

Schäden

Das BKA schätzt den Schaden, der durch den Einsatz gefälschter Debitkarten mit deutschen Kartendaten in 2011 entstanden ist, auf rund 35 Millionen Euro (2010: 60 Millionen Euro).

Neues Sicherheitssystem

Durch die Umstellung des Autorisierungsverfahrens für Debitkarten von der Magnetstreifen- auf die Chiptechnologie können die Täter seit dem 01.01.2011 ihre Kartendubletten, sogenannte "white plastics", die sie unter Verwendung ausgespähter Kartendaten und Geheimnummern für den betrügerischen Einsatz erstellen, nur noch in außereuropäischen Staaten und Russland einsetzen. Der dadurch entstandene Verdrängungseffekt insbesondere in die USA, Russland, Mexiko, Argentinien und Kolumbien ist auch in der ersten Jahreshälfte 2012 weiterhin feststellbar.

Erstmals in Deutschland wurden 2011 dem BKA zufolge Manipulationen an Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn AG festgestellt. Insgesamt wurden 25 solcher Fälle polizeilich registriert. Tankautomaten seien bereits 2010 mit dem Ziel manipuliert worden, Kartendaten und Geheimnummer zu erlangen. 2011 wurden sechs Fälle festgestellt. POS-Terminals (Point of Sale, Terminals zum bargeldlosen Bezahlen) wurden in 14 Fällen manipuliert.

Die Täter haben ihre Methoden nicht verändert. Sie installierten "Vorbaugeräte, sogenannte 'Skimmer', zum Auslesen der Kartendaten und kleinste Kameras oberhalb der Tastatur des Geldautomaten, um die Eingabe der Geheimnummer aufzuzeichnen, teilte das BKA mit. Manchmal werde auch auf der Tastatur eines Geldautomaten eine Tastaturattrappe befestigt, mit deren Hilfe die eingegebenen Geheimzahlen gespeichert würden.

Ziercke sagte, die Umstellung der Debitkarten von der Magnetstreifen- auf die Chiptechnologie verhindere den betrügerischen Einsatz von Kartendubletten in Deutschland und den anderen europäischen Staaten. Man müsse die technischen Entwicklungen aufseiten der Täter sorgsam im Auge behalten. Skimming biete für die Täter gute Gewinnaussichten bei einem vergleichsweise geringen Entdeckungsrisiko.

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Der Geschäftsführer Euro Kartensysteme GmbH, Hans-Werner Niklasch, machte unter anderem die Umrüstung der 60.000 Geldautomaten sowie der 94 Millionen Girocards (ehemals EC-Karten) auf einen neuen Sicherheitsstandard für die positive Entwicklung verantwortlich. Auch die Beschleunigung von Kartensperren nach erkannten Manipulationen habe maßgeblich zum erheblichen Rückgang der Schäden beigetragen.

Von

dapd

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