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20.07.2016

13:26 Uhr

Smartphone-Spiel

Was Verbraucherschützern an Pokémon Go missfällt

Das Smartphone-Spiel Pokémon Go kann für Eltern zur Kostenfalle, wenn sie die Einstellungen der Smartphones ihrer Kinder nicht prüfen. Außerdem mahnen Verbraucherschützer den Hersteller wegen des Datenschutzes ab

Das Spiel verbindet virtuelle und echte Welt über das Smartphone. dpa

Pokémon Go-Spieler in Hannover

Das Spiel verbindet virtuelle und echte Welt über das Smartphone.

BerlinVerbraucherschützer warnen Nutzer des Smartphone-Spiels Pokémon Go vor einer „Kostenfalle“. Die App sei zwar kostenlos, finanziere sich aber über den Verkauf von Pokémünzen während des Spielverlaufs, erklärte die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Bei solchen sogenannten In-App-Käufen können für 100 Pokémünzen 99 Cent fällig werden, im teuersten Fall 99,99 Euro für 14.500 Pokémünzen. Abgerechnet wird über die in den App-Stores hinterlegte Zahlungsmethode, also beispielsweise über die Kreditkarte.

„Wer im Spiel schnell erfolgreich sein möchte, kann über diese Funktion kostenpflichtig Spielezubehör wie Pokébälle, Köder oder Ei-Brutmaschinen über die virtuelle Währung Pokémünzen erwerben“, teilte Martina Trotz von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz am Mittwoch mit. Sie riet Eltern, die Funktion der In-App-Käufe auf den Smartphones ihrer Kinder entweder ganz zu blockieren oder mit einem Passwort oder einer Pin zu sperren.

Das Spiel steht auch wegen seiner Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen in der Kritik. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzvb) mahnte 15 Klauseln darin ab, da sie „nach deutschem Recht unzulässig“ seien. Gebe der Entwickler Niantic nicht bis zum 9. August keine Unterlassungserklärung ab, werde eine Klage geprüft, erklärte der vzbv.

Pokémon GO: Kleine Kampf-Monster erobern die Welt

Das Spiel

„Pokémon“, kurz für „Pocket Monster“, tragen seltsame Namen wie Pikachu, Traumato oder Magnetilo, kämpfen gern gegeneinander und haben eine gewaltige weltweite Fangemeinde.

1. Wieso scheint die ganze Welt auf einmal nach „Pokémon“ verrückt zu sein?

Es ist das erste Mal, dass man „Pokémon“ auf dem Smartphone spielen kann. Der japanische Spiele-Anbieter Nintendo brachte die beliebten Figuren bisher nur in Games für die hauseigenen Konsolen heraus. Inzwischen jedoch wechseln immer mehr Spieler auf Smartphones und Nintendo konnte diesen Trend nicht mehr ignorieren.

2. Was sind „Pokémon“ überhaupt und worum geht es bei dem Spiel?

„Pokémon“ ist eine Wortbildung aus „Pocket Monster“ - Taschenmonster. Zum ersten Mal tauchten sie 1996 in einem Spiel in Japan auf. Die „Pokémon“ sind darauf versessen, gegeneinander zu kämpfen. Der Spieler fängt sie als „Pokémon-Trainer“ mit Hilfe weiß-roter Bälle ein und bildet sie aus. Im „Pokémon“-Universum gibt es mehr als 700 Figuren. Die beliebteste dürfte „Pikachu“ sein - ein kleines gelbes Monster mit einem Schwanz in der Form eines Blitzes. Neben den Videospielen blüht ein gewaltiges Geschäft mit Sammelkarten und allen möglichen anderen Fanartikeln von Plüschfiguren bis Brotdosen.

3. Was ist das besondere an dem Smartphone-Game?

Im Grunde geht es auch hier darum, „Pokémon“ zu fangen und dann gegeneinander antreten zu lassen. Der Clou ist jedoch die Standort-Erkennung (GPS) auf dem Smartphone. Die „Pokémon“ verstecken sich an verschiedenen Orten – und ein Spieler sieht sie nur, wenn er in der Nähe ist. Dann werden die Figuren auf dem Display des Telefons in die echte Umgebung eingeblendet („Augmented Reality“). In den USA, Neuseeland und Australien sammelten sich schon große Menschenmengen an Orten mit populären „Pokémon“ an. Die kleinen Monster reagieren auf die virtuelle Umgebung: So tauchen Wasser-Pokémon besonders häufig in der Nähe von Flüssen oder Seen auf.

4. Wer steckt hinter dem Spiel?

Es wurde gemeinsam entwickelt von der Nintendo-Beteiligung Pokémon Company und der ehemaligen Google-Tochter Niantic Labs. Letztere hatte unter dem Dach des Internet-Konzerns das ebenfalls auf Ortungsdaten basierte Spiel „Ingress“ programmiert. In ihm kämpfen zwei Lager um virtuelle Portale, die an verschiedenen Orten platziert wurden.

„Wer in Deutschland Geschäfte machen will, muss sich auch an die hier geltenden Verbraucherrechts- und Datenschutzstandards halten“, erklärte vzbv-Rechtsreferent Heiko Dünkel. Bei den Geschäftsbedingungen von Pokémon Go gebe es „noch erheblichen Nachholbedarf“.

Die Verbraucherschützer monierten unter anderem, dass Spieler vor der Nutzung ihre E-Mail-Adresse und die Standortfunktion ihres Smartphones freigeben müssen. Anonymes Spielen wird dadurch praktisch unmöglich gemacht", kritisierte der vzbv. Der Entwickler Niantic behalte sich zudem vor, den Vertrag mit dem Nutzer „jederzeit abändern oder Dienste ganz einstellen“ zu können. Eine Rückerstattung von In-App-Käufen sei ausgeschlossen.

In der Datenschutzerklärung sieht der vzbv durch „schwer verständliche oder zu weitreichende Einwilligungserklärungen“ einen Verstoß gegen deutsches Recht. „So können personenbezogene Daten nach Ermessen von Niantic unter anderem an private Dritte weitergegeben werden.“

Pokémon Go animiert die Spieler, mit ihrem Smartphone durch die Gegend zu laufen und in der „echten Welt“ versteckte Pokémon-Figuren „einzufangen“. Die App ist seit einer Woche auch in Deutschland verfügbar.

Von

afp

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