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05.06.2015

10:46 Uhr

Smartphones

Verbraucherschützer warnen vor WhatsApp-Fallen

Der Nachrichtendienst WhatsApp, den Abermillionen Deutsche auf ihren Smartphones installiert haben, birgt Fallen. Hinter verführerischen Links können sich Abo-Fallen verbergen. Was Verbraucherschützer raten.

Mehr als 30 Milliarden Nachrichten werden täglich weltweit über den Dienst verschickt. dpa

WhatsApp-Logo

Mehr als 30 Milliarden Nachrichten werden täglich weltweit über den Dienst verschickt.

LeipzigVerbraucherschützer haben vor Abo-Fallen beim Messengerdienste WhatsApp gewarnt. Nutzer erhalten derzeit in dem Messenger Nachrichten, die auf neue WhatsApp-Funktionen hinweisen und zum Anklicken eines Links einladen, wie die Verbraucherzentrale Sachsen am Freitag in Leipzig mitteilte. „Wer diesen Link anklickt, findet auf seiner nächsten Telefonrechnung zum Preis von 4,99 Euro pro Woche ein Abo bei einem Drittanbieter“, erklärte Verbraucherexpertin Katja Henschler. Betroffene sollten nicht zahlen und eine Drittanbietersperre einzurichten.

Für den Drittanbieter ist es nach Angaben der Verbraucherzentrale ein Kinderspiel, an die Daten der Nutzer zu gelangen und seine Forderungen auf deren Mobilfunkrechnung zu platzieren. „Das funktioniert über das so genannte WAP-Billing, ein Bezahlsystem für mobile Endgeräte“, erklärte Henschler. Dieses System ermöglicht es bei mobiler Internetverbindung, dass die Mobilfunknummer des Nutzers an den Anbieter übermittelt wird. Der Drittanbieter unterstellt, dass mit dem Anklicken des Links ein Abo-Vertrag geschlossen wurde und macht seine Forderung über die Mobilfunkrechnung geltend. Einer weiteren Verifizierung über eine TAN- oder PIN-Nummer bedarf es bei diesem Bezahlverfahren nicht.

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„Anbieter haben auf diese Weise ein unglaublich leichtes Spiel, Nutzern eine Geldforderung unterzuschieben“, kritisierte Henschler. Sie empfiehlt Verbrauchern, sowohl bei ihrem Mobilfunkanbieter als auch beim Drittanbieter der Forderung zu widersprechen und den strittigen Betrag keinesfalls zu zahlen. Wird die Rechnung im Lastschriftverfahren eingezogen, kann man das Geld bei seiner Bank binnen acht Wochen zurückbuchen lassen und den entsprechend gekürzten Betrag an den Anbieter überweisen.

Die WhatsApp-Alternativen

Marktführer mit Image-Problem

Whatsapp ist in Deutschland und vielen anderen Ländern uneingeschränkter Marktführer in Sachen Instant Messaging. Trotzdem steht der Dienst, den Facebook gekauft hat, immer wieder in der Kritik: Zum einen wegen verschiedener Datenpannen, zum anderen wegen der Übernahme.

Herausforderer aus Japan...

In Japan ist der Dienst Line sehr beliebt, weltweit hat er rund 470 Millionen Nutzer. Die Anwendung ist kostenlos, Geld verdienen die Betreiber mit Werbung sowie dem Verkauf von Spielen und virtuellen Stickern.

... und auch aus China

Das chinesische Pendant von Whatsapp heißt Wechat. Die App hat mittlerweile auch außerhalb des Landes zahlreiche Nutzer gewonnen, im Mai 2014 waren es mehr als 800 Millionen. Ähnlich wie Line schaltet auch Wechat Werbung und verkauft virtuelle Sticker. In der Kritik ist die App, weil sie angeblich auf Geheiß der chinesischen Regierung bestimmte Inhalte ausfiltert.

Skype ist noch im Rennen

Skype, inzwischen eine Tochterfirma von Microsoft, hat eine treue Nutzergemeinde. Der Dienst bietet neben Videotelefonaten ebenfalls Chats an, die auch auf dem Smartphone funktionieren – damit steht er ebenfalls in Konkurrenz zu WhatsApp. Nach eigenen Angaben nutzen Skype mehrere Hundert Millionen Menschen, 2013 waren es bereits rund 300 Millionen.

Viber steigt ins Rennen ein

In Deutschland wenig bekannt ist Viber – trotzdem ist der Dienst aus Zypern viel wert: Das japanische Unternehmen Rakuten kaufte ihn im Februar 2014 samt der damals 300 Millionen Nutzer für 900 Millionen Dollar. Mit der App können Nutzer nicht nur chatten, sondern auch telefonieren.

Apps mit mehr Datenschutz

Einige App-Anbieter wollen mit Datenschutz punkten. Neben Threema zählt dazu auch der Chat-Dienst Telegram. Beide verschlüsseln den Datenverkehr auf dem gesamten Weg. Verbraucherschützer kommen allerdings zu einem durchwachsenen Fazit: Während die Stiftung Warentest Threema gute Noten gibt, sieht sie bei Telegram Schwächen, etwa ein fehlendes Impressum und die automatische Übernahme aller Adressbucheinträge.

Um sich künftig zu schützen, können Verbraucher eine sogenannte Drittanbietersperre einrichten lassen. Dazu reicht ein formloser Antrag beim Mobilfunkanbieter. Die Einrichtung der Sperre ist kostenlos, und die Anbieter sind dazu gesetzlich verpflichtet. Auf Nachfrage ermöglichen manche Anbieter auch eine Teilsperre für bestimmte Nummern oder Dienste. Die Sperre verhindert, dass die Mobilfunknummer des Smartphones an den Drittanbieter übertragen wird, so dass dieser keine Möglichkeit hat, Forderungen zu erheben.

Von

afp

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